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Peru / Bolivien

23.07.2008 - 15.08.2008 Von Cusco ueber den Titicacasee nach La Paz und weiter zum Salar de Uyuni

23.07.2008 - 15.08.2008 Von Cusco ueber den Titicacasee nach La Paz und weiter zum Salar de Uyuni oder Puhh is do koid!!!!

Viel ist geschehen in den letzten 3 Wochen und ein Highligt folgte dem naechsten sodass ich gar nicht weiss wo ich anfangen soll. Am besten vom Anfang.

In Cusco muessen wir noch einen Zwangsruhetag einlegen da sich Heidi eine mittelschwere Lebensmittelvergiftung einfaengt und die halbe Nacht ueber der Kloschuessel haengt. Schon langsam reichts uns mit der Speiberei und Scheisserei. Die 400 Kilometer nach Puno am Titicacasee spulen wir trotzdem in 3 Tagen runter denn auf Asphalt ist es wirklich eine Freude zu radeln. Wir muessen zwar Ab und An stehenbleiben damit sich Heidi erleichtern kann aber wir kommen trotzdem gut voran. Da sag noch einer einmal die Frauen seien das schwache Geschlecht. Ich haette in dieser Verfassung nicht fahren koennen. Noch einmal muessen wir auf einen Pass namens Abra La Raya auf 4300 Meter um dann endgueltig auf den Altiplano zu rollen. Der (oder das?!?) Altiplano ist eine riesige abflusslose Hochebene auf der halb Bolivien und auch ein Teil Perus liegt. Das ganze spielt sich in einer Hoehenlage von 3500 bis ueber 4000 Meter ab. Alti heisst auf Deutsch hoch, was auch stimmt, Plano bedeutet eben, was schon wieder nicht so ganz stimmt, denn es geht eher huegelig dahin und in der duennen Luft ist das doch auch anstrengend. Wobei man sagen muss, dass wir schon ganz gut akklimatisiert sind und nicht mehr so Probleme haben wie am Anfang. Knapp vor Puno koennen wir erste Blicke auf den Titicacasee erhaschen und sind anfaenglich ein wenig enttaeuscht, da man nicht all zu viel vom See sieht.Auf peruanischer Seite ist er doch schon stark verlandet und wo vor 20 Jahren noch Wasser war, wird heute Ackerbau betrieben. Gilt der Titicacasee doch als hoechstgelegener und auch groesster schiffbarer See der Erde. Das einzige was wir sehen sind Unmengen von Lastwagen, Autobussen und andere Verkehrsmittel die dem Radler das Leben nicht gerade leicht machen. Fahren die doch wie die Volldillos und statt der Bremse wird nur die Hupe benutzt. Da wird man quasi von der Fahrbahn gehupt. So kommt es nicht einmal vor das wir am Strassenrand wild schimpfend und gestikulierend stehen, weil wieder einmal ein Laster wenige Zentimeter an uns vorbeifaehrt und uns in den Graben draengt. Ich sag nur Volltrotteln. Das Ganze aendert sich jedoch je weiter wir zur Grenze Boliviens kommen und der Verkehr nimmt spuerbar ab. Die Grenzformalitaeten laufen ohne Probleme ueber die Buehne und wir verlassen nach fast 2 Monaten Peru und rollen in das 13te Land unserer Reise. Peru hat sich tief in unsere Radfahrerseele eingebrannt, da es uns so gefordert hat wie kein Land bisher.

Von Copacabana aus unternehmen wir einen Ausflug auf den Titicacasee bzw. auf die Isla de Sol die auch als die Geburtsstaette der Inkas gilt. Von ihr kann man erstmals die riesigen Ausmasse des Sees erahnen und man hat herrliche Ausblicke auf die Cordillera Real (die Koenigliche) die mit einigen schneebedeckten 6000endern aufwartet. Dann geht es weiter Richtung La Paz das nur mehr 160 Kilometer entfernt liegt. Des Morgens  ist es immer schweinekalt und wir starten immer dick eingemummelt und schauen aus wie 2 Michelinmanderln. Wir fahren durch aermlich wirkende Doerfer und koennen verstehen warum Bolivien auch das Armenhaus Lateinamerikas genannt wird. Das alles wird durch eine herbstlich wirkende Stimmung unterstrichen und verleiht dem Ganzen etwas deprimierendes. Noch lange begleitet uns der Titicacasee und an der engsten Stelle geht es mit einem Faehrschiffernakel ueber diesen. Wir sind mit unseren Raedern zwischen einem Bus eingezwickt und der schwache Aussenbordmotor quaelt sich ganz schoen bis wir endlich drueben sind. Bevor wir aber den See ueberqueren koennen, muessen wir eine ganze Weile warten, da die bolivianische Marine!!!!! eine Uebung abhaelt und mit ihren alten, rauchenden Booterln ueber den See rattert. Am naechsten Tag erreichen wir dann El Alto quasi die Vorstadt La Paz die als eine der am schnellsten wachsenden Suedamerikas zaehlt und jetzt schon 1 Million Einwohner hat. Der Verkehr nimmt wieder spuerbar zu und als Radler zaehlt man gar nix. Ausserdem scheint es keine Verkehrsregeln zu geben und eine rote Ampel gilt hoechstens als Empfehlung. So scheissen auch wir uns nix und kaempfen uns durch das Verkehrsgewusel. Und dann endlich stehen wir an dem Gelaendeabbruch von wo man erstmals in den Talkessel sehen kann in dem La Paz liegt. Ist schon ein beeindruckendes Bild und der dahinter liegende Vulkan Inti Illimani mit seinen 6439 Metern ist das Tuepfelchen auf dem I. La Paz gilt als hoechste Hauptstadt der Welt (bzw. Regierungssitz, den Hauptstadt ist Sucre), mit einer Mittellage von 3600 Metern.

 Jetzt geht es fuer uns nur mehr bergab und wir rollen auf der 12 Kilometer langen Abfahrt ins Zentrum. Ganze  5 Tage verbringen wir in La Paz, da wir doch einiges zu erledigen haben. Wir geniessen wieder mal das abwechslungsreiche Essen in den vielen verschiedenen Restaurantes  und schlagen  in den gut sortierten Supermaerkten zu. Heidis Federgabel bekommt ein Service und ein paar neue Kleidungsstuecke werden eingekauft. Ausserdem treffen wir Nicole aus der Schweiz wieder, die wir auf unserer Bootsfahrt von Panama nach Kolumbien kennen gelernt haben. Natuerlich gibt es viel zu erzaehlen und die Freude uebers Wiedersehen war gross. Am 6. August ist Nationalfeiertag in Bolivien und es gibt eine unendlich lange Parade. Wir waren  mitten im Geschehen um dem Treiben beizuwohen und Tausende von Leuten auch. Da herrscht natuerlich fuer die Taschendiebe Hochsaison. Schlitzt mir doch tatsaechlich so ein Saubeitl meine Hosentasche mit einer Rasierklinge auf und fladert mein Geldboersel. Ich komm erst viel zu spaet drauf und bei den Menschenmassen hat man sowieso keine Chanche den Dieb zu stellen. Gott sei Dank war es nur mein "Fakegeldboersel" in dem ich nur einen kleinen Geldbetrag mithabe. Hoffentlich hat sich der Dieb ein wenig geaergert weil er keine Kreditkarten oder sonstiges vom Gringo erbeutet hat. Sauzeck!!!! Der Aerger ist aber schnell verflogen und wir koennen sogar einen Blick auf den Praesidenten Evo Moraels erhaschen. Ausserdem nehmen wir an einer Touritour teil und fahren mit Miet Mountainbikes die Worlds Most Dangerous Road. Die heisst deswegen so, weil unfallstatistisch gesehen die Todeszahl jaehrlich am hoechsten weltweit ist bzw. war. Der Miunsrekord war 2002 mit ueber 360 Toten. Wir koennen bald verstehen warum das so ist, weil sich eine wirklich schmale Strasse am Berghang ins Tal windet. Seit es aber eine neue asphaltierte Ausweichroute gibt, wird die Schotterstrasse fast ausschliesslich nur von Touranbietern befahren. Zuerst geht es von La Paz mit dem Bus auf einen Pass mit 4700 Metern und dann folgt die Abfahrt auf 63 Kilometern runter auf 1100 Meter. Man durchschneidet alle Klimazonen dieser Erde vom ewigen Eis bis zum immergruenen Dschungel. Fahrtechnisch stellt die Abfahrt keine Probleme fuer uns dar, aber es ist trotzdem wieder mal lustig es ohne Gepaeck so richtig krachen zu lassen. Ausserdem koennen wir die Rueckfahrt im Bus geniessen und muessen nicht wieder alles zurueckstrampeln.

So geht es nach 5 Tagen weiter und als wir aus unserem Hotelfenster blicken, koennen wir es kaum glauben. Schneeflankerln!!!!!! Graue Wolken begleiten uns bei der 12 Kilometer langen Auffahrt aus dem Talkessel wieder hoch nach El Alto. Kurz blinzelt sogar die Sonne durch und wir glauben das Schlimmste hinter uns zu haben. Ploetzlich aber taucht vor uns eine Wolkenfront auf und keine 2 Minuten spaeter fahren wir im dichtesten Schneetreiben dahin. Ja spinnen die denn. Das Ganze erinnert uns irgendwie an zu Hause, denn im Winter schaut es in St. Poelten genau so aus. Grau in Grau und nasskaltes Wetter. Wir ziehen uns so ziemlich alles an was wir haben und strampeln im Schneegestoeber weiter. So um die 0 Grad zeigt das Thermometer an und die Naesse und Kaelte lassen uns ganz schoen frieren. An solchen Tagen haelt sich die Freude am Radeln eher in Grenzen. Gott sei Dank stabilisiert sich das Wetter am spaeten Nachmittag wieder und es blinzelt sogar die Sonne ein wenig durch die Wolken. Warm wird es trotzdem nimmer. Da wir noch immer Asphalt unter unseren Raedern haben fliegen die Kilometer nur so dahin und wir kommen unserem naechsten Ziel dem Salar de Uyuni immer naeher. Nach dem kleinen Doerflein Huari hoert der von uns so begehrte Asphalt dann urploetzlich auf  und geht in eine ziemlich beschissene Piste ueber. Ist doch nur ein minimaler Prozentanteil von Boliviens Strassen asphaltiert, der Rest ist meist ueble Piste. Tiefer Sand wechselt sich mit einer Waschbrettpiste ab. Da es aber ein Projekt gibt in dem eine asphaltierte Strasse nach Salinas Garci Mendoza fuehren soll, finden wir uns teilweise auf einer planierten Piste wieder, auf der es doch ganz gut rollt. Im kleinen Doerflein Quillacas machen wir Mittagspause und erkundigen uns ueber den weitern Weg. Alle versichern uns dass es im naechsten Dorf namens Tambo Tambillo ein Reste und eine Unterkunft gibt und dass wir hoechstens 4 Stunden dort hin brauchen werden. Nach 5 Stunden herumgegurke ist noch laengst kein Tambo Tambillo in Sicht und so erreichen wir gerade noch bei Sonnenuntergang das langersehnte Ziel. Reste gibts natuerlich keines und Unterkunft schon gar nicht. Was soll man auch erwarten bei gerade mal 10 Haeusern. Wir fragen dann bei der Dorflehrerin nach ob wir nicht in der Schule schlafen koennen. Aus irgendeinem Grund geht das nicht, sie bietet uns aber die "Telefonzelle" zum uebernachten an. So verbringen wir die Nacht neben dem einzigen Telefon im Dorf und sind doch froh vor den eisigen Temperaturen ein wenig geschuetzt zu sein. In der Nacht sinkt die Quecksilbersaeule auf - 15 Grad und tiefer und da ist es im Zelt sicherlich nicht so gemuetlich. Am naechsten Tag geht es nochmals ueber einen kleinen Pass und dann blicken wir erstmals auf das riesige Meer in Weiss. Wir blicken auf den Salar de Uyuni, den groessten Salzsee der Erde.

"Gut" ausgeruestet, naemlich mit Kompass und unserer ja ach so genauen Karte fahren wir auf die riesige Salzflaeche hinaus. Unser heutiges Ziel heisst Isla Incahuasi, ein Punkt wo wir die Insel vermuten wird angepeilt, der Kompass  ausgerichtet und los kann es gehen. Das Salz knirscht unter unseren Reifen als wuerde man durch Schnee fahren und wir brauchen auch eine Weile bis wir realisieren dass es sich um Salz handelt. Unendlich wirkt alles und es kommt uns vor als wuerden wir uns gar nicht weiterbewegen. Ploetzlich kommt man sich richtig klein vor in dieser riesigen weissen Flaeche. Die "Insel" mag auch nicht naeher kommen obwohl es ja nur um die 40 Kilometer dorthin sein sollen. Wir geniessen  die Freiheit, lassen Jubelschreie los, fahren mit geschlossenen Augen. Ein wirklich einzigartiges Erlebniss. Ploetzlich sehe ich rechter Hand lauter kleine Punkterln und kann nach einigem Raetseln diese Punkterln als Touris ausmachen. Beim genaueren Hinsehen kann man auch erkennen dass sich hinter diesen Punkterln noch ein groesseres Punkterl befindet, das wir schliesslich als unser Etappenziel, naemlich die Insel ausmachen. Hopsi! Wir haben das dahinterliegende Festland als Insel ausgemacht und da waeren wir noch gute 60 Kilometer gefahren. So drehen wir unsere Lenker nach rechts und brauchen halt gut 5 Kilometer mehr, aber Hauptsache wir haben die Insel gefunden. Dort verbringen wir einen sehr netten und entspannten  Nachmittag. Ein recht liebevoll gestalteter Weg fuehrt auf den hoechsten Punkt  und von dort hat man einfach grandiose Ausblicke in die unwirklich wirkende Umgebung. Die Nacht verbringen wir im Refugio auf der Insel von wo wir vom riesigen Panoramafenster den Sonnenuntergang beobachten. Das Zimmer teilen wir mit 2 anderen Radlern aus Chile. Es gibt einiges zu erzaehlen und Informationen werden ausgetauscht. Wir Vier sind die einzigen auf der Insel, den die Unmengen an Touris halten nur fuer einen kurzen Stopp um dann bald wieder weiter zu rauschen. Da sind wir schon froh dass wir mehr Zeit haben und moechten um keinen Preis in der Welt mit ihnen tauschen. Am naechsten Morgen geht es wieder bei eisigen Temperaturen nochmals fuer 80 Kilometer ueber die riesige Salzflaeche (diesesmal folgen wir den Jeepspuren) bevor wir bei Colchani wieder das Festland erreichen. Das Auge muss sich erst wieder mal an die ungewohnte Farbe (braun) gewoehnen und der Hintern wieder an das Geholpere. Geht es doch wieder auf einer ziemlich holprigen Piste in das Wuestenstaedtchen Uyuni wo es zumindest wieder so etwas wie Zivilisation gibt. Und eine heisse Dusche. Nach 5 Tagen Abstinenz entwickeln sich doch Koerperduefte die man so noch nicht kennt. Wir goennen uns jeder noch eine riesige Pizza beim Minuteman, der uns schon von einigen Radlern empfohlen wurde und fallen am Abend ziemlich erschoepft in unsere weichen Betten. Der Ruhetag wird einfach nur zum Entspannen genutzt, denn bis nach Nordargentinien warten noch gut 260 Kilometer schlechte Piste. Vamos a ver!



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