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Argentinien/Chile

14.09.2008 - 05.10.2008 Von San Juan weiter in den Sueden und nach Chile

14.09.2008 - 05.10.2008 Von San Juan weiter in den Sueden und nach Chile oder Eine Schneepflugfahrt ist lustig eine Schneepflugfahrt ist schoen!!!

Der erste Schock ueber unseren Verlust war einigermassen verdaut und so machen wir uns halbwegs motiviert auf den Weg Richtung Sueden. Die 4 Ruhetage in San Juan haben uns so gut getan, dass wir gleich die 175 Kilomter bis Mendoza in einem durchradeln. Am Abend tun uns zwar ganz schoen die Haxerln weh und der eine oder andere Krampf gesellt sich zu uns, wir sind aber trotzdem froh hier zu sein, denn es hat auf der gesamten Strecke nur einen Versorgungspunkt gegeben und der war nach 140 Kilometern. Auf dem Campingplatz treffen wir zufaelligerweise wieder auf Ben und Rosemary aus Schottland, die wir schon vorher zweimal getroffen haben, und arrangieren eine Geburtstagsueberraschungsparty fuer Heidi, die ihren zweiten Reisegeburtstag feiert. Nach ein paar Flascherln gutem Wein und ein paar Bierlis kann wahrscheinlich jeder verstehen dass wir geschlafen haben wie die Steine.

Unsere Route fuehrt uns dann weiter auf der argentinischen Seite Richtung Sueden, denn wegen einer Schlechtwetterfront verwerfen wir den Plan, den ueber 3000 Meter hohen Bermejo Pass nach Chile zu nehmen und fahren stattdessen in Argentinien weiter. Natuerlich erwischt auch uns die Schlechtwetterfront und Nieselregen und Temperaturen um die 5 Grad machen das Radeln nicht gerade zum Genuss. Wir beschliessen dann in ein kleines aber feines Hotel zu gehen und den Rest des Tages vor dem Heizstrahler zu verbringen. Am naechsten Tag regnet es zwar nicht mehr, aber ein eisiger Wind weht uns ins Gesicht. Macht nix, es heisst trotzdem weiterfahren. Gott sei Dank stabilisiert sich aber das Wetter in den naechsten Tagen weitgehend und es wird sogar wieder richtig warm. So gehen wir in kurzen Hosen und Leiberln die elendslangen und langweiligen Etappen an und manchmal ist es so fad, dass uns sogar beim Radeln die Augen zufallen. Aber i-Pod sei Dank, bei voller Lautstaerke bleiben die Augen mit Sicherheit offen. Ansonsten passiert in den naechsten Tagen nicht wirklich viel, ausser dass wir danach trachten so viele Kilometer wie moeglich zu machen. Fuer uns ist Argentinien nicht unbedingt das ideale Radlerterrain, wir brauchen eben ein wenig Abwechslung, und wenn man sich freut wie ein kleines Kind, wenn man mal wieder ein Huegerl rauffahren kann, sagt das ja eh schon alles. Ausserdem ist es fuer uns eigenartig wie alles immer aufgebauscht wird, was touristische "Highlights" angeht. So schreiben sie zum Beispiel in der Broschuere von Malargue, einem kleinen Staedtchen mit nahem Skigebiet: "Diesen Ort werden sie nie vergessen und mit Sicherheit wieder hierher zurueckkehren!" Naja, ich weiss nicht recht. Die naechste Attraktion ist ca. 30 Kilomter entfernt und es handelt sich um einen Wasserfall der eher einem Rinnsal gleicht. Dafuer wird die Landschaft danach anspruchsvoller und es gibt sogar wieder ein paar Bergerl zum ueberqueren. So arbeiten wir uns kontinuierlich immer weiter suedlich um dann bei Las Lajas einen Rechtsschwenker einzubauen, der uns ueber den Paso Pino Hachado nach Chile bringt. Angeblich sind wir ja schon in Patagonien, wobei man nicht so genau sagen kann wo das eigentlich anfaengt. Aber nach dem teilweise stuermischen Wind zu urteilen sind wir schon da. Der Pass liegt auf 1865 Metern und wir campieren bei einer netten Hosteria knapp vor der Grenze um am naechsten Tag dann nach Chile zu radeln. Die ganze Nacht fegt ein stuermischer Wind ueber unser Zelt und laesst uns nur oberflaechlich schlafen, als wir am Morgen dann noch dieses Prasseln auf unserem Zelt hoeren, strecken wir beide unsere Koepfe misstrauisch nach draussen. Okay, wenn es jetzt geregnet haette waere das schon bloed gewesen, aber nein, es muss ja schneien. Und wie noch dazu. Ich sag nur kleiner Wintereinbruch. So machen wir uns bei kuscheligen 0 Grad auf den Weg zum argentinischen Grenzposten und die schauen uns an als seien wir vom Mars. "Mit dem Fahrrad wollt ihr ueber den Pass fahren? Ja spinnt Ihr denn, da schneit es ja!" versucht uns ein Beamter von unserem Vorhaben abzubringen. Wir, stur wie wir sind, entgegenen ihm ein stolzes:"No problema!!!" und dann sind wir schon auf dem Weg um die letzten 7 Kilometer und die fehlenden 400 Hoehenmeter in Angriff zu nehmen. Eine Stunde spaeter stehe ich frierend und pitschnass auf dem hoechsten Punkt und ein Wind fegt mir um die Ohren, dass du glaubst gibts nicht. Diese 7 Kilometer waren so ziemlich das Schlimmste was wir bisher gefahren sind und dieser kleine Schneesturm hat sich zu einem boesen, boesen Orkan entwickelt der uns nicht einmal in den Strassengraben geweht hat. Es fuehlt sich an als ob tausend kleine Stecknadeln auf unsere Haut prasseln wuerden, mit so einer Wucht treibt uns der Sturm den Schnee ins Gesicht. Ploetzlich kommt man sich recht klein und verletzlich vor und so kauere ich mich hinter eine Schneewechte um wenigstens ein bisschen vor dem Wind geschuetzt zu sein und warte auf Heidi, die auch schwer zu kaempfen hat. Ploetzlich kommt wie aus dem Nichts dieser riesige Schneepflug daher und irgendwie kommt mir eine Person bekannt vor. Heidi sitzt mit einem breiten Grinser im Gesicht im warmen Schneepflug und es bedarf einiger Ueberredungskunst der zwei Arbeiter und Heidi um auch mich ins Warme zu bringen. Ich sehe dann auch ein, dass es keinen Sinn macht hier weiter zu fahren, und so lassen wir uns mit dem Schneepflug nach unten zum chilenischen Grenzposten bringen, wo es dann nicht mehr schneit, sondern nurmehr regnet. Sogar das riesige Ungetuem schuettelt der Wind ganz schoen durch und ich muss sagen Schneepflugfahren ist lustig. Vielleicht kauf ma uns ja einen wenn wir zu Hause sind. Auf die Frage, ob es denn viele Ciclistas gaebe die diesen Pass fahren, antworten die zwei Arbeiter:" Naja eigentlich nicht...... so ungefaehr 2 im Jahr!"Bloederweise vergesse ich vor lauter Aufregung wegen dem Schneepflugfahren ein Foto von dem eingeschneiten Schild zu machen, dass auf dem hoechsten Punkt steht und uns recht herzlich in Chile willkommen heisst.

Die Grenzbeamten machen grosse Augen als wir unsere Raeder vom Schneepflug wuchten und die sonst so strengen Durchsuchungen von denen wir schon gehoert haben, gestalten sich als harmlos. So sind wir nach wenigen Minuten offiziell auf chilenischen Boden und somit im 15ten Land unserer Reise.

Wenn wir jetzt einen kurzen Rueckblick auf Argentinien machen, bleibt ein zwiespaeltiges Gefuehl. Einerseits trafen wir wirklich viele nette Leute, die sich um uns gekuemmert haben. Wir durften in Vorgaerten campen, wurden mit Grilli Grilli  und Schokolade versorgt und Hilfsbereitschaft wird gross geschrieben. Andererseits haben wir nicht damit gerechnet dass es so viele einsame Abschnitte gibt die einer Halbwueste gleichen und gerade das hat es ziemlich schwierig gemacht fuer uns, weil wir einfach auf etwas anderes eingestellt waren. Die mentale Komponenete darf man bei so etwas nicht unterschaetzen. Manchmal kam es uns auch vor als wollen uns die Leute in manchen Hospedajen einfach nur abzocken. Gerade in den kleinen Doerfern in denen es wirklich nichts zu sehen gibt und schon gar kein Tourismus herrscht, verlangten sie manchmal das doppelte von dem was wir gewohnt waren, wobei die Unterkuenfte richtige Stinkebuden waren. Da schlafen wir lieber im Zelt.Alles in allem ueberwiegt aber doch ein positives Gefuehl wenn wir an Argentienen denken (Fleischi und Wein sind soooo lecker!).

So nun waren wir also in Chile und auf dem Weg nach Temuco. Die Landschaft hat sich nach dem Pass schlagartig geaendert und es ist endlich wieder gruen, es gibt Baeume und Fluesse. Teilweise erinnert uns das Ganze hier ein wenig an daheim. Der Regen haelt noch einen weiteren Tag an und einmal fegt ein Regenguss ueber uns her, dass wir glauben wir saufen gleich ab. Aber Dank eines waermenden Ofens am Abend in der Hospedaje ist auch das schnell vergessen. Am naechsten Morgen lockert es dann schon auf und als wir in Temuco einrauschen lacht uns schon die Sonne ins Gesicht. Temuco ist ein nettes Staedtchen und genau der richtige Ort um ein paar Erledigungen vorzunehmen. So kaufe ich mir eine neue Haube, weil bei der alten haetts ma schon gleich meine Ohrlis gezischt, vor lauter Kaelte. Heidi braucht einen neuen Tacho, da ihrer anscheinend den vielen Regen nicht vertragen hat. Ich kann es ihm nicht veruebeln. Einen Ruhetag gibt es auch, denn es fehlen doch noch ueber 3500 Kilometer bis zu unserem grossen Ziel. Vamos a ver!



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