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Patagonien III

24.11.2008 - 07.12.2008 Von Rio Grande nach Ushuaia

24.11.2008 - 07.12.2008 Von Rio Grande nach Ushuaia oder Do samma mit de Christbamma!!!!!

Immer wieder bekommen wir eine Gaensehaut und tausend Gedanken schiessen durch unsere Koepfe. Sprechen tun wir schon eine ganze Weile nichts mehr, wir sind einfach zu nervoes und im Augenblick versunken. Die Piste erweist sich huegeliger als angenommen, doch das spielt in dem Moment sowieso keine Rolle mehr. Unbewusst treten wir immer schneller und die Nervositaet steigert sich fast ins Unermessliche. Dann ploetzlich hinter einer Kurve taucht er auf, dieser kleine, unscheinbare Parkplatz der fuer uns so viel bedeutet. Hier endet naemlich die Strasse und wir sind tatsaechlich am "Ende der Welt" angekommen. All die Anspannung die sich in den letzten Stunden aufgestaut hat entlaedt sich nun und ein lauter Jubelschrei entfaehrt mir. Wir sind wirklich angekommen!!!!!!!! Unglaubliche Freude durchstrahlt uns und wir sind uebergluecklich, aber auch schon zu lange unterwegs um zu begreifen, dass dies das Ende unserer langen Reise bedeutet. Trotzdem geniessen wir einfach den Moment. Auch Jeff, ein Reiseradler aus Kanada und ebenfalls Panamericano, ist mit von der Partie und wahrscheinlich der Einzige der uns in diesem Moment versteht. Wir koepfen eine Flasche Sekt und schiessen die obligatorischen Erinnerungsfotos mit dem fuer Radler so beruehmten Schild. Benebelt vom Gluecksgefuehl aber auch vom Sekt marschieren wir noch den kleinen Fussweg bis zum Ende entlang. Weiter gehts wirklich nimmer. Schoen langsam begreifen wir dass wir nun am Ziel sind, von dem wir so lange getraeumt haben. Unglaublich!!!!!!!!!! Wie wir so dasitzen und grinsen wie die frischlackierten Hutschpferde wird auch eine vorbeikommende Tourigruppe auf uns aufmerksam und nachdem wir ihnen sagen von wo wir herkommen, herrscht ploetzlich helle Aufregung und unzaehlige Fotos werden geschossen. Irgendwie kommen wir uns in dieser Situation wie eine seltene Tierart vor. Fuer jemand "Aussenstehenden" muss sich ja das wirklich exotisch anhoeren. Mit dem Fahrrad von Alaska bis nach Feuerland. Auch fuer uns war es am Anfang kaum vorstellbar diese lange Strecke mit dem Fahrrad zu fahren. Mit der Zeit wurde aber alles immer normaler und es entwickelte sich eine gewisse Routine, sodass uns unser Vorhaben gar nicht mehr so aussergwoehnlich vorkam. Wird wohl eine Weile dauern bis wir das wirklich alles realisieren .

Aber alles mal der Reihe nach. Von Rio Grande starten aus starten wir zu dritt zu unserem grossen Finale. Wir beschliessen die letzten 240 Kilometer mit Jeff, dem bereits erwaehnten kanadischen Reiseradler, in Angriff zu nehmen. Ein straffer Rueckenwind schiebt uns unserem Ziel immer naeher und wir geniessen in diesen Tagen die Stunden auf dem Sattel noch mal so richtig. Auf dem Weg nach Tolhuin treffen wir nicht weniger als 7!! Reiseradler, alle von Ushuaia kommend. Ein paar von ihnen sind gerade am Anfang einer langen Reise und wir denken auch ein wenig wehmuetig an unseren Start in Alaska zurueck. Die Landschaft wechselt dann knapp vor der kleinen Ortschaft mit der beruehmten Baeckerei von eintoeniger Pampa in ein sattes Gruen. Es gibt wieder Wald und in gar nicht so weiter Entfernung kann man die schneebedeckten Auslaeufer der Anden erkennen. Wir koennen im Gaestehaus des Baeckereibesitzers ubernachten, da dieser auch ein begeisterter Radfahrer ist und immer ein Bleibe fuer muede Reiseradler bereitstellt. Dort treffen wir auf zwei junge Argentinier die ebenfalls mit dem Rad ihr Land kennenlernen wollen. So geht es am naechsten Tag zu fuenft los. Es gibt natuerlich einiges zu erzaehlen und so wird halt mehr nebeneinander gefahren als hintereinander.Das bringt uns unsere erste und auch einzige Anzeige auf unserer Reise ein. Hat doch so ein depperter Autofahrer tatsaechlich die Polizei angerufen und sich beschwert, dass der Verkhersfluss gestoert sei, weil eine Gruppe Radfahrer die Strasse blockiere. Ein blader (El Gordo) Polizist laesst den Obermacker raushaengen und verwarnt uns mehrmals. Unbedingt sollen wir auch etwas reflektierendes anziehen, damit uns die Autofahrer auch sehen, wenn sie mit 140 Sachen an uns vorbeirauschen. Die Armen. Nach einigem Hin und Her, verschwindet El Gordo genauso schnell wieder wie er aufgetaucht ist und wir fahren nebeneinander plaudernd weiter. Komischen Sachen gibts in Argentinien. Nocheinmal muessen wir einen kleinen Pass bezwingen bevor es nach Ushuaia geht. 40 Kilometer vor unserem grossen Ziel beschliessen wir mit Jeff ein Zeltplatzerl zu suchen, denn irgendwie steht uns der Kopf heute noch gar nicht nach Ankommen. Wir verabschieden uns von den 2 Argentiniern und schlagen uns dann in die Buesche wo wir auch ein nettes Platzerl finden. Da es noch frueher Nachmittag ist, nutzen wir das herrliche Wetter aus und lassen uns ausgiebig die Sonne auf den Bauch scheinen und geniessen die Ruhe die uns umgibt. Nur ab und an hoert man ein Auto vorbeirauschen, dann wieder absolute Stille. Wir geniessen den Moment noch intensiver, da wir ja uns doch bewusst sind, dass das bald ein Ende haben wird. Irgendwie ein komisches Gefuehl. Am naechsten Morgen starten wir recht spaet, es scheint fast so als wollen wir nicht so recht weitertreten. Als wir dann das erste Mal auf Ushuaia sehen, kann man das schwer in Worte fassen was wir in diesem Augenblick fuehlen. So lange haben wir darauf hingearbeitet und ploetzlich ist man da. Im Supermarkt wird nochmal so richtig eingekauft, denn wir wollen einen Tag im Nationalpark Tierra del Fuego bleiben und uns dem Stadttrubel entziehen. Nachdem wir wie oben bereits beschrieben bis zum Ende aller Strassen gefahren sind und uns einigermassen wieder beruhigt haben finden wir ein sehr nettes Platzerl direkt neben einem Fluss zum Campen. Fuer uns der ideale Ort um wirklich zur Ruhe zu kommen. Lange liegen wir noch wach im Zelt und reden ueber die vergangenen 1 1/2 Jahre. So viel ist passiert und wir muessen ueber unsere Naivitaet schmunzeln die wir am Anfang an den Tag gelegt haben. So war ich der festen Annahme dass wir einfach keinen Regen haben duerfen, da wir ja im "Urlaub" sind und da regnets nun mal nicht. Heidi hat mir gestanden, dass sie sich niemals vorstellen konnte bis hierher zu kommen, als wir erstmals unsere vollbepackten Raeder vom Flughafen in Anchorage in Bewegung setzten. Im Laufe der Zeit haben wir uns aber immer mehr vom blutigen Anfaenger zum vorausschauenden Tourenfaherer entwickelt und auch die schwierigsten Abschnitte und Situationen gemeistert. Ich muss sagen wir sind ein perfektes Team.Nach einem erholsamen Tag im Zelt(es regnet die ganze Zeit) packen wir ein letztes Mal unsere Raeder auf und rollen gemaehchlich zurueck in die Stadt. Eine gemuetliche Bleibe ist bald gefunden und wir haben jetzt noch einige Tage Zeit um das Geschehene zu verarbeiten. So geht fuer uns schoen langsam aber doch ein unvergesslicher Lebensabschnitt zu Ende auf den wir unser ganzes Leben lang stolz zurueckblicken werden.



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