HOME | Kontakt | Gästebuch | Das Phantom | Informationen Panamericana | Informationen Weltreise | Casa de Ciclistas | Links | Impressum

2Roadrunners  
Über Uns
Unsere Räder
Ausrüstung
Panamericana Berichte
Panamericana Fotos
Weltreise Berichte
Weltreise Fotos
Videos
Begegnungen
Der Roadrunner
Spendenaktion


Leben braucht Wasser


Optiker


Victorinox


Steripen


    Login  

> 2Roadrunners > Panamericana Berichte > Patagonien II


Patagonien II

28.10.2008 - 24.11.2008 Von Coyhaique ueber die Ruta 40 nach El Calafate und weiter nach Rio Grande

28.10.2008 - 24.11.2008 Von Coyhaique ueber die Ruta 40 nach El Calafate und weiter nach Rio Grande oder der Wind das himmlische Kind!!!

Gut erholt geht es von Coyhaique Richtung Puerto Ingenero Ibañez, von wo wir eine Faehre ueber den zweitgroessten See Suedamerikas, den Lago Argentino nehmen. Ein kraeftiger Rueckenwind schiebt uns ordentlich an und wir koennen die teilweise atemberaubende Landschaft wirklich geniessen, weil wir uns vorkommen wie auf Mopeds. Im kleinen Doerflein weht ein Sturm dass wir das naechtens oefters glauben dass es das Dach des Hostals im naechsten Augenblick holen muss. Der starke Wind ist auch der Grund dafuer, dass die Faehre am naechsten Tag nicht ablegen kann. So muessen wir halt einen Tag warten, was fuer unsere Haxerln gar nicht so schlecht ist. Die Fahrt nach Perito Moreno ist wieder von Rueckenwind gepraegt und wir bewegen uns immer weiter weg von den Bergen in die von uns so geliebte, flache Pampa. Dafuer fliegen wir nur so ueber den Asphalt und 45 km/h auf der Geraden ohne zu treten sind schon ein rechter Spass. Recht zeitig gelangen wir deshalb schon nach Perito Moreno das man aber nicht mit dem gleichnamigen Gletscher 600 Kilometer weiter suedlich verwechseln darf. Die "netten" Damen  auf der Tankstelle  haben naemlich geschaut wie  die Autobusse als wir sie fragen wie weit es denn noch nach Perito Moreno sei. Wir meinten das Zentrum des kleinen schiachen Ortes sie aber glaubten wir meinen den Gletscher und so schauen wir wie die Autobusse (oder wahrscheinlich noch bloeder) als sie uns sagen :" So ungefeahr 600 Kilometer, aber heute wird sich das wahrscheinlich mit dem Fahrrad nicht mehr ausgehen". Solche Scherzkueberln die Argentinier.

In Perito Moreno (dem Ort) kaufen wir nochmal ordentlich ein, denn was danach folgt ist mit Sicherheit kein Honiglecken. 600 Kilometer sind es auf der legaenderen Ruta 40 bis nach El Calafate (dort wo die Gletscher sind), wobei es auf der gesamten Strecke nur zwei gesicherte, aber beschraenkte Einkaufsmoeglichkeiten gibt uns sonst nur ein paar Estancias wo man Wasser bekommen kann. Das Ganze rundet dann noch gut 400 Kilometer Schotterpiste ab, kombiniert mit einem teilweise moerderischen Wind der einem locker ein oder zwei Tage aushebeln kann. So kann man sich vielleicht vorstellen dass wir doch ein wenig Schiss vor diesem Abschnitt haben und etliche Schauergeschichten im Umlauf sind, die uns nicht gerade ermutigen. Am Abend hauen wir uns nochmal ein Flascherl guten Rotwein rein um wenigstens ein wenig unsere Nervositaet zu besaenftigen. Am naechsten Tag starten wir dann bei einem doch schon stuermischen Wind , der Gott sei Dank von hinten kommt, und geniessen noch 50 Kilometer Aspahlt. Dann ist endgueltig Schluss mit Lustig und der Aspahlt endet von einem Meter auf den anderen. Dicke Steinbrocken liegen auf dem Weg und das Radeln wird gleich ungemein anstrengender. Wir erwarten jeden Augenblick die unendlichen Weiten der argentinischen Pampa, doch zu unserer Ueberraschung wird es recht huegelig und gegen Nachmittag weht kein Luefterl mehr. Kein Luefterl, das muss man sich mal vorstellen, da sind wir im sturmgepeitschten Patagonien  und wir fahren bei null Wind herum. So schaffen wir am ersten Tag ueber 90 Kilometer und schlagen unser Zeltlager bei einem windgeschuetzten Platzerl neben der Strasse auf. Normalerweise tun wir das nicht, aber es begegnen uns an diesem Tag gerade mal 10 Autos und des naechtens fahren gar keine. Ausserdem haben wir uns eine Hundedame eingetreten, weil ich das Hundsi bei einer Pause bei einem Bauarbeitercamp mit ausgiebigen Streicheleinheiten verwoehnt habe obwohl Heidi mir das ausdruecklich verboten hat. Nun laeuft das Vieh schon seit 20 Kilometer mit uns mit und alle Mittel es zu verjagen sind fehlgeschlagen. So haben wir halt einen Wachhund der die ganze Nacht brav neben unserem Zelt liegt. Am naechsten Morgen weht uns dann doch schon eine Steife Brise entgegen und wir muessen teilweise ganz schoen kaempfen um auf den Raedern zu bleiben. Die Hundedame ist auch noch mit von der Partie und laeuft die ganze Zeit mit heraushaengender Zunge mit uns mit. Wir wissen wenn wir nicht einen Weg finden den Hund loszuwerden, wird er mit Sicherheit hier in den Weiten sterben. So halten wir kurzerhand das naechste Auto auf das uns entgegenkommt und bitten die Insassen den Hund doch ins Bauarbeitercamp mit zu-nehmen. Gesagt getan und ehe es sich das liebe Hundsi versehen kann sitzt es schon auf der Ladeflaeche des Pickups und schaut uns mit traurigem Blick nach.War wohl Liebe auf den ersten Blick bei ihr. Aber besser ein gebrochenes Herz als zu verhungern oder zu verdursten. Somit war ein Problem geloest und wir koennen uns wieder voll und ganz aufs Radfahren konzentrieren. Nach etlichen Stunden mit Seit-, Gegenwind erreichen wir den ersten Versorgungspunkt. Bajo Caracoles heisst das kleine Nest und kann mit einem Hotel und einem Laden auftrumpfen. Wir staerken uns etwas um dann den Kampf gegen den Wind wieder aufzunehmen. Fuer ein paar Kilometer haben wir noch starken Seitenwind, doch dann macht die Strasse einen guenstigen Knick und wir rauschen bei feinstem Rueckenwind mit gut 25 km/h auf der Schotterpiste dahin. Immer wieder muessen wir abbremsen weil der Wind so anschiebt. Die Piste ist auch besser als erwartet, weil schon fleissig daran gearbeitet wird diesen Abschnitt bald zu asphaltieren und so kommen wir auch an diesem Tag weiter als erwartet. Heute pedalieren wir auch erstmals in den Weiten der patagonischen Pampa wo sich das Ende der Strasse in Luftspiegelungen aufloest und man scheint sich ueberhaupt nicht vom Fleck zu bewegen. Wir schaffen fast 100 Kilometer und finden auch ein halbwegs windgeschuetztes Platzerl zum Zelten. Recht bald schlafen wir dann ein, bis uns mitten in der Nacht ein Sturm weckt dass du glaubst gibts nicht. Immer wieder fegen Windboeen ueber unser Zelt, sodass wir meinen es muss jeden Moment abheben. Mit dem Schlaf schauts dann nicht mehr so gut aus und mit den ersten Sonnenstrahlen schaelen wir uns auch aus den Schlafsaecken. Der Zeltabbau gestaltet sich als aeusserst "lustig", weil der Wind so derartig stark weht, dass wir alle Haende voll zu tun haben unsere sieben Sachen beieinander zu halten. Heidi muss sich dann komplett auf das Zelt schmeissen damit es nicht davonweht. Irgendwie schaffen wir es aber dann doch und wir schieben unsere Raeder auf die Strasse. Der erste Versuch loszufahren misslingt, denn eine Windboe drueckt uns beide mal in den Strassengraben. Es gestaltet sich als aeusserst schwierig zu fahren, denn immer wieder stoesst uns eine Boe in den Graben. Manchmal laesst sich auch ein Sturz nicht vermeiden, denn man lehnt sich mit seinem ganzen Gewicht gegen den Wind, der dann urploetzlich nachlaesst man ins schlingern geraet und die naechste Windboe einen dann wieder in den Graben traegt. Beim ersten Mal denkt man sich noch :"Okay, nicht unterkriegen lassen!". Beim zehnten Mal denkt man nur mehr :"So ein Scheiss!!" und beim fuenzigsten Mal schreit man nur noch, obwohl das auch nichts bringt, weil der Wind so laut ist dass er die Flueche sofort verschluckt. So schieben wir die meiste Zeit und suchen hinter jedem auch nur so kleinen Busch ein wenig Schutz vor dem Wind. Nach 6 Stunden Fahrzeit (bzw. Schiebezeit) stehen gerade mal 40 Kilometer auf dem Tacho und insgesamt benoetigen wir fuer diesen Abschnitt 8 Stunden. Ich sag nur kein Bemmerl. Doch wo Schatten da auch Licht und die Strasse macht einen guenstigen Knick fuer uns und wider erwarten geht es sogar auf Asphalt dahin. Bei feinstem Rueckenwind zischen wir wieder ohne zu treten mit 45 km/h dahin und es macht ploetzlich wieder Spass. So fahren wir in den naechsten 2 Stunden noch 60 Kilometer wobei 50ig asphaltiert sind. Bei der Estancia La Verde fragen wir nach einem windgeschuetzten Zeltplatzerl und bekommen prompt ein Gaestezimmer zur Verfuegung gestellt. Das nenne ich Gastfreundlichkeit. So entkommen wir wenigstens in den Nachtstunden dem Wind. Am naechsten Morgen koennen wir es gar nicht glauben, denn es herrscht absolute Stille. Kein Lueftchen weht und das sollte auch den ganzen Tag so bleiben. Zeitig starten wir wieder, denn so ein Wetter muss man ausnutzen und wir koennen uns wirlich gluecklich schaetzen schon den 2ten windstillen Tag zu haben. Treten tun wir wie die Verrueckten und bisher sind wir jeden Tag mehr als 8 Stunden im Sattel gesessen. Schon langsam macht sich das mit einer zaehen Muedigkeit und einem fast unstillbaren Hunger bemerkbar. So fressen wir wie die Maehdrescher und fallen bei jeder kleinen Pause in einen kurzen, erholsamen Schlaf im Strassengraben. Die wenigen Autofahrerer denen wir begegnen schauen uns immer an als seien wir Ausserirdische und statt stehen zu bleiben und zu fragen ob wir etwas brauchen, werden sie nur langsamer um dann ein Foto von uns zu schiessen wie wir da im Strassengraben liegen. Das gibt Vertrauen! Auch an diesem Tag schaffen wir ueber 100 Kilometer und wir fahren bis um 21 Uhr. Als am naechsten Tag der Wecker um 1/2 6 Uhr laeutet glaube ich ,ich bin in einem falschen Traum. Doch Heidi belehrt mich eines besseren, naemlich dass es sich um die Wirklichkeit handelt und wir aufstehen muessen, da der Wind schon wieder ins Blasen anfaengt. Um 7 Uhr sitzen wir auf unseren Drahteseln und das Radeln geht irgendwie schon mechanisch, ausserdem weiss ich nicht mehr genau der wievielte Tag das jetzt ist seit dem wir uns auf der Ruta 40 befinden und ich hab einen Hunger dass du glaubst gibts nicht. Bis 5 Kilometer vor dem naechsten Versorgungspunkt, Tres Lagos, haben wir Ruecken-, Seitwind der uns schoen anschiebt. Ploetzlich dreht sich dieser und ein Seit-, Gegenwind haut uns wieder mal vom Radl. Fuer die naechsten Kilometer brauchen wir gut 1 1/2 Stunden und wir sind froh als wir endlich in Tres Lagos einrauschen und eine Cabaña mieten. Dieser Wind kann einen ganz schoen fertig machen. Die naechsten zwei Tage sind dann nur noch halb so schlimm weil fast alles asphaltiert und uns der Wind nur noch auf den letzten 30 Kilometern nach El Calafate aergert. So erreichen wir nach 6 1/2 Tagen erschoepft aber gluecklich das touristische Staedtchen das wieder alles zu bieten hat was das Herz begehrt und wenn wir zurueckblicken bleibt die Ruta 40 sicher immer tief in unserer Radfahrerseele verwurzelt. Die Landschaft war abwechslungsreicher als erwartet, die Piste gar nicht mal so schlecht und wir bekamen doch einiges an Tieren zu Gesicht. Da waren zum Beispiel die Guanacas, die aehnlich wie Lamas ausschauen und komisch wiehern wenn Gefahr droht, das sich aber eher anhoert als wuerde ein Motor nicht anspringen. Liebe Guerteltiere die wie ferngesteuert durch die Gegend laufen, und Nandus, straussenaehnliche Tiere die mit einem Affenzahn durch die Landschaft wetzen. Die koerperliche Anstrengung war auch nicht ohne denn wir sind im Schnitt mehr als 8 Stunden pro Tag im Sattel gesessen und haben einiges an Koerpergewicht verloren,dass wir aber sicher in El Calafate schnell wieder ausgleichen werden.

Das Highlight das El Calafate zu bieten hat sind die Gletscher zu denen wir natuerlich auch muessen. Wir buchen eine Bootsfahrt und koennen nicht nur den beruehmten  Perito Moreno Gletscher aus naechster Naehe bestaunen, sonder auch noch den Spegazzini Gletscher der mit ueber 80 Metern Hoehe der groesste seiner Gattung im Nationalpark ist. Immer wieder brechen riesige Eismassen von der Gletschermasse ab und stuerzen mit riesigem Getoese ins Wasser. Ein einmaliges Schauspiel. Zurueck geht es neben riesigen Eisbergen die in den verschiedensten Blautoenen schimmern. Wir geniessen die gebuchte Tour und mal nicht selber treten zu muessen um irgendwohin zu kommen. So geht ein schoener Tag zu Ende. Die naechsten Tage in El Calafate verbringen wir mit faulenzen und essen.

 Nach gut einer Woche sind wir dann wieder soweit gestaerkt um die letzten 1000 Kilometer bis zu unserem grossen Ziel, dem Ende der Welt in Angriff zu nehmen. Wir sind an diesem Tag so motiviert und fahren 201 Kilometer. Das bedeutet neuen Rekord. Ueber Rio Gallegos geht es dann weiter Richtung Feuerland und wir passieren noch einmal die argentinisch, chilenische Grenze. Bald darauf sehen wir zum ersten Mal den Atlantik auf unserer Reise in der Ferne blau schimmern. Am naechsten Tag setzen wir mit einer Faehre auf Feuerland ueber und unsere Herzerln pochen ganz schoen, denn unser Ziel rueckt immer naeher. Der chilenische Anteil von Feuerland ist nur wenig entwickelt und so gurken wir auf einer recht holprigen Piste in 2 Tagen Richtung Argentinien. Ein letztes Mal ueberqueren wir die Grenze und finden dann bald ein recht nettes Zeltplatzerl an der Steilkueste und fallen beim Rauschen der Meeresbrandung  in einen tiefen Schlaf. Ein herrlicher Rueckenwind schiebt uns am naechsten Tag nach Rio Grande und es fehlen nun nur mehr 240 Kilometer bis Ushuaia. Einfach unglaublich!!!!!!



Seite drucken