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Patagonien

05.10.08 - 27.10.2008 Von Temuco ins chilenische Seenland, nach Argentinien und danach auf die Careterra Austral (Chile)

05.10.08 - 27.10.2008 Von Temuco ins chilenische Seenland, nach Argentinien und danach auf die Careterra Austral (Chile) oder Tage des Donners, bzw. Tage des Regens!

Von Temuco machen wir uns bei fruehlingshaften Temperaturen Richtung Seenland auf und die Landschaft in der wir radeln erinnert uns ein bisserl an daheim. Fast wuerde man meinen rund um den Hegerberg zu radeln, waeren da nicht die schneebedeckten Vulkane die sich ab und an zeigen. Von Villarica geht es dann auf einer guten Schotterstrasse nach Pangipulli, einem kleinen netten Doerflein das direkt am See liegt und wir geniessen einfach nur das schoene Wetter, die eher leicht zu fahrenden Etappen und dass das Leben so schoen sein kann. Leider muessen wir dann auf die Autobahn schwenken, da sich bei unserer beider Vorederradnaben komische Geraeusche einstellen und das mal angeschaut gehoert. Also auf nach Osorno, der naechsten groesseren Stadt. Die Naben werden serviciert und halten jetzt hoffentlich bis nach unten. Unser weiterer Weg fuehrt uns dann zurueck nach Argentinien ins argentinische Seenland. Da wir irgendwie eine Gabe besitzen, dass immer wenn wir eine chilenisch, argentinische Grenze ueberqueren eine Schlechtwetterfront anrauscht, kann man sich jetzt wahrscheinlich vorstellen wie das Wetter wurde. Regen begleitet uns hinauf zum Pass, der dann je hoeher wir kommen in ein "kuscheliges" Schneeregnen und dann in "herzhaften" Schneefall uebergeht. Aber alles kein Problem, weil das kennen wir ja schon vom letzten Mal. Oben angekommen ziehen wir all unsere Sachen an die wir haben, weil huhu ist es schon. Pitschnass erreichen wir Villa La Angostura, das erste Staedtchen nach der Grenze, und finden ein nettes Hostal eines argentinischen Radfahrers, das eigentlich noch geschlossen haette, aber fuer Radreisende gern eine Ausnahme macht.Radfahrerbonus eben. Zwei angenehme Tage verbringen wir  nur vor dem Kamin und schauen dem tristen Treiben (es regnet die ganze Zeit) draussen zu. Am dritten Tag bessert sich das Wetter aber und wir radeln bei strahlendem Sonnenschein weiter Richtung San Carlos de Bariloche. Vorbei geht es an glasklaren Seen, die von schneebedeckten Bergen umrandet sind. Fuer uns ist dieser Teil Argentiniens bisher der schoenste und das Radeln macht richtig Spass. San Carlos de Bariloche hingegen enttaeuscht uns jedoch ein wenig, da es sich um eine sehr touristische Stadt handelt und es uns irgendwie zu hektisch ist. Das merken wir schon bei der Einfahrt in die Stadt, wo uns die unzaehligen LKWs, Busse und Autos am liebsten in den Strassengraben geschubst haetten. Ich kann in solchen Situationen ziemlich auszucken und so kommen viele, viele wilde Flueche aus meinem Mund bis wir endlich im Zentrum sind. Auch Radfahrer haben ein Recht auf der Strasse fahren zu duerfen!!!! Danach geht es noch eine Weile am schoenen Lago Nahuel Huapi entlang und dann wird es doch ganz schoen huegelig, aber bei der grandiosen Landschaft ist das einfach nur wurscht. El Bolson dann ist wieder ein sehr entspanntes Staedtchen, wo es seinerzeit etliche Hippies verschlagen hat, die jetzt noch dort wohnen. Wir bekommen aber wenig mit von Sex, Drugs and Rock n Roll. Dafuer treffen wir die beiden Schotten Ben und Rosemary wieder, ich glaub das ist jetzt das fuenfte Mal. Das Wiedersehen begiessen wir mit 3 Litern Wein (Heckenklescher) und am naechsten Morgen brummt uns ganz schoen der Schaedel. Trotzdem heisst es fuer uns zur Arbeit zu gehen, sprich weiter zu radeln. Das letzte groessere Staedtchen in Argentinien ist Esquel, danach folgt die endlose weite Pampa. Auf dem Weg dorthin sehen wir das erste "Vorsicht starke Winde" Schild, und koenen nur sagen "Bienvenidos a Patagonia". Esquel, eine walisische Siedlung, ist nicht ohne Charme und wir legen einen Ruhetag ein. Schlafen tun wir in einem 30 Bettenschlafsaal, wobei wir die einzigen sind, weil eben noch Vorsaison. Halbwegs ausgeruht starten wir wieder Richtung Chile um die Careterra Austral in Angriff zu nehmen. Diese Strasse ist ein Prestigeobjekt noch aus der Zeit des Militaerdiktators Pinochet, der die Trasse aus militaerstrategischen Gruenden anlegen liess. Fuer die Leute dort hiess das eine wesentliche Erleichterung ihres Lebens, da vorher manche Orte nur mit dem Schiff oder Flugzeug erreichbar waren. Ausserdem mussten die Menschen, wenn sie in den Norden wollten ueber  Argentinien reisen, weil es eben keine Strasse gab. Der Bau gestaltete sich als sehr aufwendig , da die Landschaft  zerklueftet ist und von etlichen Fjorden und Fluessen unterbrochen wird. Bis heute ist nur ein kleiner Teil asphaltiert und die einzig wirlich nennenswerte Stadt ist Coyhaique ca. in der Mitte. Die naechste Stadt im Norden ist Puerto Montt, ca. 700 Kilometer entfernt. Dazwischen gibt es nur kleine Doerfer mit maximal 5000 Einwohnern. Das ist ungefaehr so, als wuerde zwischen St. Poelten und Innsbruck nur ein kleiner Teil aspahltiert sein und es nur kleine Dorferln gaebe. Ausserdem denken die Leute hier in ganz anderen Dimensionen. So gehts mal fuer 300 Kilometer zum Einkaufen in den naechsten Supermarkt.

Eines nicht so schoenen Tages machen wir uns Richtung Grenze auf. Der Aspahlt endet schon auf argentinischer Seite und ein boeser, boeser Wind weht uns einmal ins Gesicht, einmal in den Ruecken.Wie gesagt haben wir eine Gabe, die uns immer schlechtes Wetter beschert, wenn wir die Grenze ueberqueren wollen. Und siehe da, nachdem wir die argentinischen Grenzformalitaeten bei einem praepotetenten Beamten erledigt haben (der erste auf unserer ganzen Reise, war halt ein junger Bub mit vielleicht einem zu kurzen Spatzi) und zur chilenischen Seite kommen, haut es einen Vollschuetter runter dass du glaubst gibts nicht. Alles warten hilft nichts und so schmeissen wir uns bei stroemenden Regen ins Gefecht um die letzten 10 Kilometer nach Futaleufu in Angriff zu nehmen. Ich hab noch vergessen zu erwaehnen dass dieser Teil Chiles zu den regenreichsten Gebieten der Erde gehoert (aha,darum ist alles so gruen) und die einzig wirlich realistische Reisezeit Dezember und Jaenner ist, weil sich da die Niederschlaege in Grenzen halten. So wird in den naechsten Tagen unsere Lieblingsbeschaeftigung nach dem Radeln, Ofenhocken und Sachen trocknen. Unsere Schuhe haben schon ein paar Brandmale davongetragen, da wir sie immer direkt auf den Ofen legen, damit sie schneller trocknen. Ich sag nur in 7 Tagen 6 mal Regen ist nicht wirklich ein Vergnuegen. Das geht vom kanadischen Sprueher (verdammt er hat uns wieder gefunden), bis hin zum chilenischen Niesler und zum Vollschuettdassduglaubstdusaufstabregen. Wenigstens ist die Strasse nicht all zu schlecht und wir kommen doch recht gut voran. Unsere Etappenlaenge bestimmen immer die Doerfer, denn zelten macht bei diesem Wetter keinen Spass. Die Landschaft ist dafuer vom Allerfeinsten (wenn man mal was sieht) und wir geniessen es trotz des vielen Regens hier zu fahren (zumindest manchmal). Die Naturstrasse fuegt sich perfekt in die Landschaft ein, mal passiert man einen smaragdgruenen Fluss, mal faehrt man an einem tiefblauen See vorbei. Lustigerweise gibt es auch einiges an Getier auf der Strasse, da der wenige Verkehr der hier herrscht sie nicht im geringsten stoert. Ausser zwei Radfahrer kommen daher, da kann es schon passieren dass ganze Kuh-, Schaf-, Pferdeherden oder alle durcheinander in wilder Panik kilometerweit vor einem herlaufen weil sie nicht in das dichte Gestruepp fluechten koennen.

 Dann kommt wieder einmal so ein Tag den man am liebsten aus seinem Gedaechtnis streichen moechte. Wir fahren vom netten Hafenstaedtchen Puyhuapi bei wolkenverhangenem Himmel weiter und das naechste Dorf ist gut 90 Kilometer entfernt. Also doch ein ganzes Stueckerl auf einer Schotterstrasse. Komischerweise sagen die Leute immer wenn wir sie nach dem Wetter fragen, dass es am naechsten Tag "superbonito" werden soll, doch von dem "superbonito" sehen wir wenig. Ausserdem reden immer alle von einer Wasserknappheit!?!. Wir saufen hier halb ab und ich glaub wenn man mit einer Spitzhacke in den Boden haut, sprudelt eine Quelle raus und die reden hier von Wasserknappheit. Wir radeln und radeln, ein paar Baustellenabschnitte hier und da, doch wir kommen gut voran. Ploetzlich fuehlt sich bei meinem Rad etwas komisch an, bei genauer Pruefung stellen wir einen Speichenbruch fest. Aber nicht dass man jetzt glaubt wegen der schlechten Piste. Nein, hat doch die bloede Tussi vom Hostal letze Nacht unbedingt ins letzte Winkerl muessen (im Holzschuppen) wo unsere Raeder standen und hat natuerlich nicht geschaut dass diese abgesperrt waren und fest daran rumgezerrt. So wundert es mich nicht dass die Speichen abreissen. Also das ganze Radl abgeladen, die Ersatzspeichen aus dem untersten Tiefen meiner Tasche herausgekramt, neue Speiche eingebaut, in der Zwischenzeit fegt eine Windboe mein ganzes Gewand in den Matsch (juhu), Hinterrad einbauen, Rad aufladen, weiterfahren. Keine 10 Kilomter weiter schreit Heidi ploetzlich : "Ich glaub ich hab einen Achter!". Ich denk mir jetzt ist sie paranoid geworden und siehe da, beim Speichencheck finden wir eine gebrochene Speiche. Na super. Ich glaub obwohl wir schon gut 40 Kilometer von Puyuhuapi entfernt waren, duerfte die "liebe" Dame vom Hostal noch unsere Schimpftriaden auf sie gehoert haben. Also alles noch mal von vorne. In der Zwischenzeit hat es auch noch ein "bisserl" zu regnen begonnen und wahre Sturzbaeche stuerzen die Strasse runter. So scheissen wir wieder eine ganze Weile rum, um uns danach wieder auf den Weg zu machen. Wir haben nur die Rechnung ohne den Wirt, sprich einem 500 Meter hohen Pass, gemacht auf den wir uns nun raufquaelen muessen. Steigungen dass es einen fast vom Radl haut, Windboen die das gleiche tun und eine recht holprige Piste versuessen uns das Leben. Gut 2 Stunden kurbeln wir die 12 Kilometer bis zur hoechsten Stelle. Alles ist patschnass, einerseits aussen vom Regen, andererseits innen vom schwitzen. Die Gore Tex Produkte sind ja ganz in Ordnung, wenn man die Betriebstemperatur nicht ueberschreitet, wenn man aber knapp vorm Kolbenreiber steht, sind sie wie Plastiksackerln. Aber vielleicht hilfts ja gegen unsere Cellulitits. Runter geht es auch nicht schneller, weil die Piste doch nicht so gut ist und so stehen um halb vier Uhr erst 54 Kilometer auf dem Tacho. Eh nur mehr 36 Kilometer bis zur trockenen Hospedaje! Wieder im Tal angekommen hoert schlagartig der Regen auf und die Strasse ist staubtrocken, duerfte sich wohl um eine Wetterscheide handeln. So geht es Kilometer fuer Kilometer weiter und dann war er ploetzlich da, der gelobte Asphalt. Wir glauben nun das groebste ueberstanden zu haben, doch da irren wir. Bauen die doch da noch eine Steigung ein, dass es mich mit dem Radl halb ueberschlaegt weil es so steil ist, bzw. so haben wir es beide empfunden weil wir doch schon ein bisserl muede waren. Voellig fertig erreichen wir nach ueber 7 Stunden Fahrzeit Villa Amenguales und fallen todmuede ins Bett, vorher hocken wir aber noch eine ganze Weile vor dem warmen Ofen. Dafuer entschaedigt wenigstens der naechste Tag fuer die Strapazen und wir fahren bei fast wolkenlosem Himmel eine sehr entspannte Etappe und sehen erstmals den wirklichen Reichtum den die Landschaft  hier bietet. Der Hoehpunkt ist dann als zwei Kondore knapp ueber unseren Koepfen kreisen und sich immer hoeher in die Luft schrauben. Dies ist wirlich ein schoener Anblick und minutenlang stehen wir nur da und schauen dem Schauspiel zu. Der letzte Tag nach Coyhaique bietet wieder die ganze Regenpalette und ein schoener Rueckenwind traegt uns den letzten kleinen Pass hinauf, von wo wir einen herrlichen Ausblick auf die Stadt haben. Erschoepft aber gluecklich wieder einen schwierigen Abschnitt geschafft zu haben rollen wir in Coyhaique ein und goennen unseren mueden Haxerln mal ein paar Tage Pause. Ich glaub sie habens sich verdient!

Da wir ja sowohl in Argentinien wie in Chile eine Weile verbracht haben, koennen wir nun doch ein wenig vergleichen, und wir muessen sagen dass wider erwarten Chile gar nicht mal so teuer und Argentinien nicht so billig ist. Der Lebensstandard ist hoeher als in den noerdlicheren Nachbarstaaten, aber doch noch weit entfernt von dem was unseren Lebensstandard in Europa, speziell in Oesterreich, Deutschland oder der Schweiz entspricht. Was uns besonders auffaellt ist die grosse Schere zwischen Arm und Reich. Sowohl in Chile als auch in Argentinien. Teilweise leben die Leute in Huetten wo es kein fliessend Wasser und Strom nur ueber eine Solarpaneele gibt, dann sieht man aber wieder Villen dass es einen fast umhaut. Das alles stimmt uns ein bisschen nachdenklich, denn zu Hause in unserer heilen Welt verschliesst man gerne die Augen vor dem was da so vor sich geht im Rest der Welt. Wenn wir wieder heimkommen werden wir das sicher alles mit anderen Augen sehen und unseren kleinen Problemchen hoffentlich nicht mehr mit dem Ernst gegenuebertreten mit dem wir es vorher gemacht haben. Ausserdem haben wir uns immer ueberlegt dass unsere Reise nicht nur unter dem Spassfaktor stehen soll, sondern wir wollen auch damit irgendetwas bewirken. Nur wussten wir zu Beginn nicht was oder wem wir helfen koennen. Nach ueber einem Jahr auf Reisen wissen wir es nun. Wir haben viel Elend, Armut und Ungerechtigkeiten gesehen und die die am meisten darunter leiden sind die Kinder. Wir glauben jedes Kind sollte ein Recht auf eine unbeschwerte, glueckliche Kindheit haben auf die es dann wenn es aelter ist zufrieden zurueckblicken kann. Somit steht der Entschluss fest. Wir wollen den Kindern helfen und zwar in Form einer Patenschaft. Mit 1 Euro pro Tag kann man schon sehr viel erreichen und dieser Betrag schmerzt keinen von uns wirklich. Wenn man aber bedenkt einem Kind damit eine schoene Kindheit zu ermoeglichen dann sollte man unserer Meinung nach nicht lange ueberlegen. Alle die diese Zeilen lesen, sollten sich mal einen Moment Zeit nehmen und darueber nachdenken.

Hier noch ein paar Organisationen wo man eine Patenschaft uebernehmen kann:

www.plan-deutschland.de

www.worldvision.at/index.php?mysid=468lqktp5vcg7meqrdav9jlv5p6p9ont&id=58

www.sos-kinderdorf.at/Pate-werden/Pages/default.aspx



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