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Bolivien/Argentinien

16.08.2008 - 27.08.2008 Von Uyuni ueber Tupiza zur argentinischen Grenze und weiter nach Salta

16.08.2008 - 27.08.2008 Von Uyuni ueber Tupiza zur argentinischen Grenze und weiter nach Salta oder Endlich im "Gelobten Land"

Ein kalter Wind (Gott sei Dank von hinten) pfeifft uns um die Ohren, der Sand knirscht zwischen unseren Zaehnen und immer wenn ein Autobus mit einem Affenzahn an uns vorbeirauscht, bekommen wir eine neue Ladung Sand ins Gesicht gepustet. Wir sind gerade auf dem Weg von Uyuni nach Tupiza und kommen in den Genuss der bolivianischen Pisten. Wenn wir nicht gerade auf einer Waschbrettpiste dahinholpern, macht uns tiefer Sand das Leben schwer. An ein zuegiges Fahren ist nicht zu denken und ab und an zwingt uns die Piste gepaart mit dem Wind auch vom Rad. Da ist es uns nicht zu verdenken, dass wir des oefteren  laute Flueche in die endlosen Weiten schreien. Hoeren tuts zwar eh keiner, aber uns geht es danach ein wenig besser. Dann ist das noch so eine Sache mit den Menschen hier. Wir haben da eine Theorie: So ca. ab 3800 Metern gibt es einfach zu wenig Sauerstoff, damit das ganze Hirn ausreichend "belueftet" wird und dadurch sind die Leute einfach ein bisserl deppert. Wenn wir irgendwo um eine Bleibe fragen wird einmal grundsaetzlich mit "No!" geantwortet. Manchmal sitzen die Menschen  nur teilnamslos da und schauen was die Gringos da machen. Man muss aber auch bedenken dass die Leute hier ausgesprochen arm sind und taeglich ums Ueberleben kaempfen muessen, ausserdem ist die Gegend wirklich trostlos und die Doerfer durch die wir kommen haben selten Elektrizitaet oder fliessend Wasser. Andererseits hatten wir in Peru so nette Begegnungen mit den Leuten und die waren auch wirklich arm. Also wird es schon was auf sich haben mit dem "Sauerstoffmangel".

So kaufen wir in den kleinen Doerfern nur immer ein paar Sachen ein, sofern man das Geschaefterl findet, denn die sind immer sehr gut getarnt und man muss sich erst durchfragen, was gar nicht so leicht ist, weil eben die Menschen ein bisserl beschraenkt sind, um dann weiter zu fahren und unser Zelt irgendwo windgeschuetzt aufzustellen. Die Naechte sind immer recht frisch, so um die -10 Grad, und es ist nicht wirklich eine Freude in dieser Gegend zu zelten. Dick eingemummelt zwaengen wir uns in unsere Schlafsaecke um trotzdem bibbernd vor Kaelte einzuschlafen. Am zweiten Tag erreichen wir dan Atocha, ein kleines Staedtchen im Nirgendwo, und fuellen unsere Vorraete wieder auf. War die Strecke bis jetzt eher flach wird sie nun huegelig mit etlichen sausteilen Anstiegen von bis zu 20%. Da treibts einem schon das Weisse aus den Augerln und wenn man oben angekommen ist, steht man mal ein paar Minuten nach Luft japsend da und denkt sich ob die Bolivianer denn komplett deppert sind. Wir kaempfen uns Huegel fuer Huegel weiter und erreichen nochmal eine Hoehe von 4200 Meter. Der kalte Wind der in einer ziemlichen Staerke blaest laesst das Ganze noch kaelter wirken und irgendwie sind wir schon froh wenn wir endlich wieder in dickere Luft abtauchen koennen. Noch einmal muessen wir die Nacht auf ueber 4000 Meter verbringen und eben wegen der Kaelte fange ich mir eine patzige Blasenentzuendung und Heidi eine schoene Erkaeltung ein. So fahren wir beide geschwaecht Richtung Tupiza und ein Ruhetag ist fix eingeplant. Als wir so dahinzockeln treffen wir auf einen anderen Reiseradler namens Glenn aus England, der seit 2 1/2 Jahren unterwegs ist und von England aus nach Australien gefahren ist und nun ein wenig Suedamerika erkundet. Gemeinsam radeln wir die letzten Kilometer nach Tupiza und bewundern die tolle Landschaft die sich uns nun bietet. Wir kommen nach einer Abfahrt in ein Tal mit vielen Canyons und das Ganze erinnert uns an Utha in den USA.Tupiza gefaellt uns ausgesprochen gut und es ist endlich wieder warm. Wir koennen bis spaet am Abend mit kurzem Leiberl rumlaufen und das geniessen wir in vollen Zuegen. Zufaellig treffen wir Nicole aus der Schweiz wieder, die wir auch schon in La Paz getroffen haben. Die Welt ist halt doch ein Dorf. Nach 2 erholsamen Tagen starten wir gestaerkt um die letzten 100 Kilometer Piste in Bolivien in Angriff zu nehmen. Wieder laesst eine Waschbrettpiste kein zuegiges Vorankommen zu, doch uns treibt einfach nur der Gedanke an dass uns bald das "Gelobte Land" und Asphalt erwartet. Und dann endlich sehen wir schon von der Ferne das schwarze Band aufblitzen und immer naeher kommen. In Villazon, der Grenzstadt zu Argentinien, beginnt wieder der Asphalt und laute Jubelschreie von uns durchdringen die Stille.

Unserer Meinung nach bekommen die Strassen in Bolivien von uns den "schwarzen Peter" fuer die miserablesten Pisten, noch vor Peru, weil in Peru konnte man wenigstens einigermassen fahren wenn es flach war. In Bolivien ist nicht einmal das moeglich, eben wegen den Waschbrettpisten. Aber Scheiss drauf, damit ist ja jetzt Schluss, denn wir haben endlich wieder Asphalt unter unseren Reifen.

Noch eine letzte Nacht verbringen wir in Bolivien um am naechsten Morgen motiviert an die Grenze zu fahren. Dort erwartet uns eine elendslange Menschenschlange und wir muessen geschlagene dreieinhalb Stunden warten, bis wir endlich die daemlichen Stempel in unseren Paessen haben.So lange hat es an einer Grenze noch nie gedauert. Doch dann betreten wir das "Gelobte Land" und es ist wirklich alles anders. Gleich nach dem Grenzbaum steht ein Schild auf dem steht dass es eh nur mehr 5121 Kilometer bis nach Ushuaia sind. Also sind wir ja quasi schon fast fertig mit radeln. Die Grenzstadt auf argentinischer Seite La Quiaca wirkt auf uns etwas seltsam und wir wissen anfaenglich nicht was es ist. Doch nach einiger Zeit kommen wir drauf, es sind die vielen geparkten privaten Autos die uns ein wenig verwirren. Haben wir doch in den letzten Monaten kaum jemanden gesehen der ein eigenes Auto hat, und hier gibt es sie wieder zuhauf. Wir rauschen gleich mal in den erstbesten Supermarkt und freuen uns wie die kleinen Kinder ueber das nicht gerade berauschende Angebot, aber wir muessen nicht mehr in der halben Stadt herumlaufen um all unsere sieben Sachen zu bekommen. Es ist wie im Paradies.Hier geht auch alles wieder gesitteter zu und wir staunen nicht schlecht, als ein Auto auf einer menschenleeren Kreuzung bei einer roten Ampel stehenbleibt und brav wartet bis es gruen wird. Unglaublich.

Die erste Etappe in Argentinien geniessen wir richtig, es geht eher flach dahin, der Wind kommt von hinten und der Asphalt ist ein Traum. Wir fahren und fahren und fahren und am Abend stehen ploetzlich 161 Kilomter auf dem Tacho. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir die Uhr wieder eine Stunde nach vor gedreht haben und somit Tageslicht bis knapp vor 20 Uhr haben, ausserdem treibt uns ein Campingplatz zu dieser Leistung an. Unser erster oeffentlicher Campingplatz seit Californien, mit allem Drum und Dran. Da macht das Radeln Spass. Am naechsten Tag geht es in der gleichen Tonart weiter und wir kommen zu einem noch besseren Campingplatz wo wir unser Zelt aufstellen. Dort treffen wir auf Andrej, der mit seinem Rad bis nach Alaska will. Natuerlich gibt es viel zu erzaehlen und die Stunden vergehen wie im Flug. Hatten wir doch am Vortag noch Minusgrade am Morgen, koennen wir es kaum glauben als wir aus dem Zelt krabbeln und das Thermometer 12 Grad plus!!!! anzeigt. Befinden wir uns doch nur mehr auf 1200 Metern und da wird es einfach nicht mehr so kalt. Ausserdem kann man wieder richtig atmen und die Haxerln haben wieder volle Power. Mit kurzer Hose und Leiberl starten wir zu unserer Etappe nach Salta, das wir auch am spaeten Nachmittag erreichen und wo wir nun ein paar Ruhetage einlegen werden. Sind wir doch in den letzten 3 Tagen fast 400 Kilometer geradelt.

Eines muss man aber noch zu Argentinien anmerken. Die Preise sind doch um einiges hoeher als in Peru und Bolivien und es wird noch ein Weilchen dauern bis wir uns an das etwas hoehere Preisniveau gewoehnt haben. Dafuer gibt es wieder qualitativ hochwertiges Essen, man kann den Salat bedenkenlos verzehren und das Wasser aus der Wasserleitung ist trinkbar. Wir sind einfach im "Gelobten Land"



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