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Peru IIII

02.07.2008 - 22.07.2008 Von Huancayo ueber Ollanta und Machu Picchu nach Cusco

02.07.2008 - 22.07.2008 Von Huancayo ueber Ollanta und Machu Picchu nach Cusco oder Achterbahnfahrt in den peruanischen Anden

"Endlich!!!!" laut jubelnd stehen wir an der Kreuzung nach Abancay und haben endlich wieder Asphalt unter unseren Raedern. Wenn uns jetzt wer fragen wuerde was die groesste Erfindung der Menschheit ist, wuerden wir unisono mit :"Asphalt!" antworten.

Doch machen wir eine kleine Rueckblende. Nach einem Ruhetag verlassen wir Huancayo und koennen noch fuer gut 70 Kilometer auf Asphalt rollen. Da spielt es keine Rolle wenn wir die Haelfte bergauf strampeln muessen. Eine rasante Abfahrt bringt uns in das nette Doerflein Izcuchaca welches wir ueber eine alte Steinbruecke erreichen. Noch einmal fuellen wir unsere Energiereserven mit einem deftigen Mittagessen auf, denn jetzt ist es fuer die naechsten 550 Kilometer vorbei mit Asphalt.

Bis Ayacucho brauchen wir 3 Tage auf einer gar nicht mal so schlechten Piste. Ausserdem gibt es keine langen Anstiege sondern es geht in einem staendigen bergauf und bergab in einem engen Tal dahin. Nach dem Dorf Mayocc weitet sich dieses und wir fahren ploetzlich durch einen riesigen Kakteenwald, der uns an die Baja California erinnert. Noch einmal muessen wir einen kleinen Pass mit 3000 Metern ueberwinden um dann nach Ayacucho rollen zu koennen. Das Staedtchen gefaellt uns auf Anhieb und wir verbringen 3 nette und erholsame Tage dort. Es wird auch die Stadt der 37 Kirchen genannt und man trifft wirklich fast an jedem Eck auf eine. Ausserdem war Ayacucho frueher der Sitz der gefuerchteten Terrororganisation "Sendero Luminoso" (Leuchtender Pfad) und somit fast voellig von der Aussenwelt isoliert. Heute merkt man von seiner grauen Vergangheit nichts mehr und wir geniessen das Teiben auf der Plaza de Armas. Ausserdem lernen wir einen peruanischen Koch mit Oesterreichfaible kennen der extra fuer uns Grammelschmalz und Wiener Schnitzel zubereitet. Schmeckt zwar nicht ganz wie daheim, aber der Wille zaehlt.

So brechen wir gut erholt eines Morgens Richtung Abancay zu unserem "Angstabschnitt" auf. Bis Abancay sind es gut 400 Kilometer auf Piste und dann nochmals 200 Kilometer bis nach Cusco (auf Asphalt), wobei wir 5 Mal auf 4000 Meter oder drueber muessen um dann mehrfach wieder auf 2000 Meter runterzufahren. Wir wundern uns warum so wenig Verkehr in den Strassen herrscht und werden dann von den Leuten aufgeklaert dass heute und morgen Generalstreik ist und es keine oeffentlichen Verkehrsmittel verkehren. Riesige Steine auf der Strasse machen ein Durchkommen fuer Autos oder Busse unmoeglich, mit unseren Raedern umkurven wir die Hindernisse aber mit Leichtigkeit. Ausserdem zeugen noch rauchende Autoreifenreste von den Aktivitaeten der vergangenen Nacht.So begegnen wir in den naechsten 2 Tagen gerade mal 3 Fahrzeugen. Auch nicht schlecht, dann werden wir wenigstens nicht so eingestaubt. Bald befinden wir uns aber schon auf der schlechten Piste die uns in knapp 55 Kilometern auf 4300 Meter fuehrt. Zuguterletzt gesellen sich zur schlechten Piste noch Magenkraempfe bei uns beiden dazu ( das wird doch nicht das Schnitzi gewesen sein?) und machen das Radeln nicht gerade zur Freude. Schoen langsam geht uns das auf den Wecker. Es vergehen keine 3 Tage in denen wir nicht irgendwelche Probleme mit unserem Verdauungstrakt haben. Dafuer bin ich schon zum perfekten Wildnisgackser mutiert. Habe ich mich doch am Anfang unserer Reise vehement gestraeubt in die Buesche zu gacken, ist das jetzt die leichteste Uebung fuer mich. Daher richten wir einen allgemeinen Aufruf an alle peruanischen Koeche:" BITTE WASCHT EUCH DOCH DIE HAENDE NACH DEM HAEUSL GEHEN!!!!!!!" Vielleicht hilfts ja.

Wir verbringen wieder eine kuehle Nacht auf 4100 Meter, wobei wir jetzt schon viel besser mit der Hoehe klarkommen als zu Beginn. Ausser ein paar naechtlichen Panikattackerln wegen Atemnot, haben wir keine Probleme mehr. Noch etliche Kilometer rollen wir am naechsten Tag den Bergruecken entlang um dann in unzaehligen Serpentinen wieder ins Tal zu stuerzen. Je weiter wir nach unten kommen desto waermer wird es und wir entledigen uns alle paar Hundert Hoehenmeter einem Kleidungsstueck. Keine Angst wir sind nicht nackt auf 2000 Meter angekommen, aber wir brauchen nur mehr unsere kurze Hose und Leiberl. Bloederweise gibt es ab 2800 Meter diese bloeden Mistviecher namens Moscos, die ausschauen wie liebe kleine Obstfliegerln, aber beissen wie Sau und unschoene Bissstellen hinterlassen. Fuer die 60 Kilometer Abfahrt brauchen wir den ganzen Nachmittag und wir errichten unser Nachtlager neben einem Fluss und freuen uns auf einen gemuetlichen Abend im Zelt. Bloederweise wird es aus dem nichts, weil wir uns bei der Zufahrt zum Fluss jeder so an die 30 Dornen in jeden Reifen eingefahren haben. Somit verbringen wir den Abend mit "herausoperieren" der Dornen und Patschen picken.Am naechsten Abend befinden wir uns wieder auf 3800 Meter und wir werden von einem freundlichen Bauern eingeladen in seinem Schuppen zu uebernachten. Kommt uns das doch gerade recht, den auf dieser Hoehe werden die Naechte doch empfindlich kalt und ein Dach ueber dem Kopf haelt doch einiges an Kaelte ab. Der Bauer wohnt mit seiner Frau in einem Haeuschen das dem Schuppen aehnelt, es gibt kein fliessend Wasser geschweige denn elektrischen Strom. Ein paar Schafe weiden vor unserem Schuppen und ein paar Kuehe beaeugen uns misstrauisch. Trotz all der widrigen Verhaeltnisse macht der Bauer keinen unzufriedenen Eindruck. Lustigerweise nennt er uns immer "Mami" und "Papi". So schnell gehts in Peru und man wird Eltern. Die naechsten Tage geht es in gleicher Weise weiter. Wir fahren rauf auf 4000 Meter, fahren runter auf 2000 Meter, fahren rauf auf........... usw. In Andahuaylas einem kleinen Staedchen in den Anden genehmigen wir uns noch einen Ruhetag, da diese Etappen doch ganz schoen an die Substanz gehen. Sitzen wir doch taeglich so an die 7 Stunden oder laenger im Sattel.Dann endlich der lang erwartete Moment, unser letzter Pass auf Schotter. Von der Passhoehe kann man schon Abancay sehen, das nur mehr 20 Kilometer Luftlinie entfernt liegt, aber auf dem Landweg sind es noch gut 70 Kilometer. Unzaehlige Serpentinen geht es wieder auf einer Holperpiste entlang und dann endlich erreichen wir die Kreuzung und der Asphalt ist wieder unser staendiger Begleiter.

Noch 2 Mal muessen wir auf kanpp 4000 Meter, aber auf Asphalt rollt es doch um einiges besser und so stellen wir unseren Hoehenmeterrekord auf. Auf der Strecke von Abancay nach Limatambo fahren wir 2408 Hoehenmeter auf 117 Kilometer.Ich glaub momentan duerften wir bei der Tour de France nicht mitfahren weil wir einen viel zu hohen Haematokritwert haetten. Dafuer befinden wir uns in der Form unseres Lebens. Ein einziger Pass trennt uns noch von Ollanta von wo wir mit dem Zug nach Machu Picchu fahren wollen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Von Ollanta nach Machu Picchu und dann nach Cusco oder Disneyland in Peru

Als wir in Ollanta auf dem Hauptplatz einrollen koennen wir es anfaenglich gar nicht glauben. Laufen doch ueberall Touristen herum, perfekt gekleidet als wuerden sie auf den Mount Everest kraxeln wollen, bestaunen uns diese und schiessen Fotos von uns. Naja ist ja doch nicht so was alltaegliches wenn 2 verstaubte Gestalten auf ihren Fahrraedern so daherkommen. Wir muessen zunaechst ein wenig herumfragen um eine guenstige Bleibe zu bekommen, denn die Preise sind hier doch um einiges hoeher als wir es gewoehnt sind. Haben wir doch einen kleinen Kulturschock nach all den Wochen in den peruanischen Anden in den netten Doerfen mit den lieben Menschen, der Einsamkeit, den wenigen Touristen. Und dann das. Dann haut es uns fast aus den Socken als wir die Zugtickets fuer die Bahnfahrt nach Machu Picchu kaufen. Verlangen die doch fuer 42 Kilometer pro Person Hin und Retour 44 Euro!!!! Und das ist noch die billigste Variante. Das ist Aerger als bei den OEBB. Die Perurail, fest in englischer und chilenischer Hand, fuehren ein Monopol und koennen somit die Preise bestimmen wie es ihnen gerade passt. Ausserdem ist es bei Strafe verboten mit dem Lokalzug zu fahren, wo man fuer die gleiche Strecke umgerechnet 2 Euro bezahlt. So schlucken wir unseren Aerger hinunter und freuen uns trotzdem auf die Tempelanlage. Die Zugfahrt nach Aguas Calientes, dem Ausgangspunkt nach Machu Picchu, ist ganz nett. Es geht immer dem Rio Urobamba entlang, anfaenglich noch vorbei an schneebedeckten Bergen, dann kommt man in einen subtropischen Regenwald bis man endgueltig im Bahnhof von Aguas Calientes einfaehrt. Dort angekommen bietet sich uns eine touristische Scheinwelt, fast wie in Disneyland. Ueberall gibt es Lokale mit voellig ueberteuerten Speisen, hunderte Verkaufsstaende und jeder moechte dir etwas verkaufen oder andrehen. Wir finden trotzdem ein billiges Hostal in dem wir eine fast schlaflose Nacht verbringen, weil auf dem nahen Fussballplatz ein Konzert ist und diese Dillos bis um 1/2 3 Uhr morgens aber so was von falsch spielen, das an Schlaf nicht einmal im Geringsten zu denken ist. Der Wecker laeutet um 5 Uhr 30 und reisst uns unsaft aus unseren Traeumen. Wollen wir doch bei Sonnenaufgang bei der Tempelanlage sein. Den Bus wollen und koennen wir uns nicht leisten, verlangen die doch fuer die ca. 20ig minuetige Fahrt satte 9 Euro. Da gehen wir lieber. Gerade noch rechtzeitig erreichen wir den Aussichtspunkt, und dann liegt sie vor uns, die Anlage von Machu Picchu.

Gerade schieben sich die ersten Sonnenstrahlen ueber den Bergruecken und tauchen die gesamte Anlage in ein sanftes Licht. Ueberwaeltigt geniessen wir das Schauspiel und lassen das ganze Spektakel auf uns einwirken. Weiss man doch sehr wenig ueber die Bedeutung dieser Stadt und es gibt viele Spekulationen.Fuer uns war es auf alle Faelle die ganzen Muehen wert und wir erkunden die gesamte Anlage ausgiebig. Wer mehr ueber Machu Picchu erfahren moechte :

http://de.wikipedia.org/wiki/Machu_Picchu

Nach 4 Stunden suchen wir dann doch das Weite, denn der Besucheranstrom reisst nicht ab und es stroemen mehr und mehr Leute in die Anlage. Einen bitteren Beigeschmack hinterlaesst der Besuch doch. Zahlen wir 28 Euro pro Person Eintritt und dann gibt es nicht einmal eine Broschuere oder einen Plan, bzw. nicht einmal irgendwelche Informationstafeln. Wir haben in der gesamten Anlage nicht mehr als 5 Ordner gesehen, die fuer ein wenig Ordnung sorgen sollten, den man kann das gesamte Areal muehelos erkunden, ueberall rumlaufen und alles angreifen. Wir meinen dass es bei diesem Eintrittspreis zumindest Absperrungen geben sollte, damit die vielen Leute nicht ueberall ungehindert rumtrampeln koennen, damit dieses wunderbare Kulturerbe noch laenger erhalten bleibt. Ausserdem fragen wir uns wo das ganze Geld hinfliesst? Wahrscheinlich haben der Kulturminister und sein ganzer Stab immer einen schoenen Betriebsausflug. Auf den Bahamas oder so.

Wir lassen den Tag in Aguas Calientes noch in den gleichnamigen heissen Quellen ausklingen und plantschen ganze 3 Stunden im warmen Wasser herum. Wenn man schon mal in Peru in dem Gretzel ist wo Machu Picchu liegt, muss man ja fast hin. Aber einmal im Leben genuegt. Fuer uns zumindestens.

Von Ollanta fahren wir dann ueber Pisaq, wo wir den sehr touristischen Sonntagsmarkt besuchen, ueber einen 3800 Meter hohen Pass direkt nach Cusco, der Stadt des Pumas. In der Inkazeit hatte die Stadt den Umriss eines Pumas und wurde auch Nabel der Welt genannt, weil alle 4 Inkapfade aus dem damals riesigen Reich auf dem Hauptplatz zusammenliefen. Heute ist nicht mehr viel von der Inkakultur uebrig geblieben, ausser dass auf den (erdbebensichern) Grundmauern viele Kolonialbauten und Kirchen gebaut wurden. Jaja die lieben Spanier. Uns gefaellt Cusco ausgesprochen gut und wir werden die Stadt ausgiebig waehrend ein paar Ruhetagen erkundigen. Denn dann geht es schon bald ins naechste Land unserer Reise, naemlich nach Bolivien. Vamos a ver.



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