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Peru III

Von Huaraz nach Huancayo

16.06.2008 - 01.07.2008 Von Huaraz nach Huancayo oder "Geh, gib ma doch dei Radl!!!"

In Huaraz muessen wir meine Federgabel "ausweiden" da sie aufgrund der Ruettelpiste durch die Entenschlucht Oel verliert. Wie der Zufall es will finden wir einen Touranbieter der uns eine Dichtung aus Lima bestellen kann und diese auch am naechsten Tag eintrifft. Im Radladen von Arturo zerlegen wir dann das gute Teil, bauen eine neue Dichtung ein und koennen sogar Originaloel nachfuellen, das Arturo zufaellig in seiner Werkstatt rumstehen hat.Das nennen wir positives Karma.

Nach vier erholsamen Tagen starten wir gut erholt und koennen entspannt Richtung Sueden rollen, da die Oesterreicher erwartungsgemeass bei der EM  ausgeschieden sind, somit verpassen wir auch nix mehr.Fuer 40 Kilometer haben wir noch Asphalt unter unseren Reifen, dann biegen wir auf eine Schotterpiste ab, die uns in den Nationalpark Huarascan fuehrt. Immer weiter fuehrt uns die Piste in duennere Luft und nach gut 20 Kilometer Geholpere erreichen wir einen Kontrollposten des Nationalparks ....... und stehen vor einem verschlossenem Schranken. Die 2 Parkaufseher sagen uns dass der Park geschlossen ist und wir unverzueglich wieder umkehren muessen. Verdutzt schauen wir uns an und entgegnen das mit einem vehementen:"NO!!!!". Sie erklaeren uns dass aufgrund klimatischer Veraenderungen die Schliessung veranlasst worden ist und ausserdem braeuchten wir eine Genehmigung aus Huaraz. Da wir aber absolut nicht gewillt sind umzukehren, beginnen zaehe Verhandlungen und als wir ihnen erklaeren dass wir mit unseren zwei Radeln am wenigsten zur klimatischen Veraenderung beitragen haben sie ein Einsehen. So rollen wir 20 Minuten und einen kleinen "Beitrag" fuer die Aufseherkassa spaeter durch den geoffneten Schranken und die 2 Aufseher winken uns noch eine ganze Weile nach. Ja, so ist Suedamerika. Geht net, gibts net. Da es schon relativ spaet ist fahren wir nur mehr ein paar Kilometer weiter um dann unser Zelt an einem wirklich idyllischen Plaetzchen aufzuschlagen. Wir haben von einer Ebene Aussicht auf ein paar schneebedeckte Berge, neben uns fliesst ein Baechlein vorbei und es herrscht absolute Stille. Herrlich. Das einzige klitzekleine Problemchen ist, dass wir uns doch schon auf 4100 Meter befinden und uns die Schaedel ganz schon brummen. Da hilft auch der schnell gekochte Cocatee wenig. Nach einer Pasta heisst es dann ab ins Zelt, denn sobald die Sonne hinter den Bergen verschwindet wird es empfindlich kalt. So schmeissen wir uns mit unserer Schiunterwaesche (Danke Sigi) und Hauben bewaffnet in die Schlafsaecke und fallen in einen oberflachlichen Schlaf. Des oefteren werden wir nach Atem ringend wach und dazwischen haben wir wirre Traeume. Am naechsten Morgen krabble ich aus dem Zelt um auf der Stelle wieder kehrt zu machen, denn sowohl Raeder als auch das Zelt sind mit einer dicken Eisschicht bedeckt. Ich sag nur -8 Grad. Waer wohl besser gewesen die Wasserflaschen mit ins Zelt zu nehmen. Die sind naemlich "on the rocks".So kuscheln wir uns noch in die Schlafsaecke und warten bis die ersten Sonnenstraheln uns waermen. Was dann kommt wird uns als eine der eindruecklichsten Erfahrungen unserer ganzen Reise in Erinnerung bleiben. War die Landschaft vorher schon beeindruckend, haut sie uns danach fast um vor lauter Schoenheit. Wir schrauben uns Kilometer fuer Kilometer und Hoehenmeter fuer Hoehenmeter nach oben. Das Kopfweh ist besser, dafuer plagt uns Uebelkeit  Nicht verwunderlich bei 180 Puls. Wie in Trance fahren wir die teils steilen Rampen hoch und es ist nicht moeglich einen klaren Gedanken zu fassen. Irgendwie fehlen doch ein paar Sauerstoffmolekuele. Dafuer macht die wunderbare Umgebung alle Strapazen wett und hinter jeder Kurve wartet eine neue Ueberraschung. Hinter uns das Tal durch den sich die Piste wie eine Schlange windet, unter uns ein kleines Fluesschen, vor uns eisbedeckte Schneeriesen. Wir zwaengen uns durch eine Lamaherde von gut 50 Tieren die uns mitsstrauisch beobachten, rollen an der Abbruchkante eines Gletschers vorbei und erreichen schnaubend wie 2 Dampfroesser endlich den hoechsten Punkt mit 4800 Metern. Radeln auf Mont Blanc Niveau. Sprachlos stehen wir da, teils wegen Atemnot, teils nur um diesen einzigartigen Moment zu geniessen. Wir koennen nochmal einen Blick zurueck auf die Bergkette rund um Huaraz erhaschen und sind einfach ueberwaeltigt. Genau solche Momente machen diese Reise aus und wir werden das immer in unseren Gedanken bei uns haben. Danach geht es noch einige Kilometer ziemlich holprig bergab um dann auf einer pipifeinen Aspahltstrasse gut 30 Kilometer wieder in dickere Luft zu rollen. Wir erreichen in der Daemmerung das kleine Staedtchen Huallanca und begeben uns auf Zimmersuche. Komischerweise sind saemtliche Hostales und Hospedajes voll. So super ist es dort auch nicht. Wir hegen den Verdacht dass sie an Gringos keine Zimmer vermieten wollen. Warum auch immer. Ein Platzerl finden wir dann doch noch in einem "Hotel", wo wir aber nach einer Zimmerinspektion die Nylonvariante (sprich Zelt) vorziehen. So bauen wir unser mobiles Heim mitten im Hof des "Hotels" auf. Was wir aber nicht wissen koennen, ist dass das "Hotel" anscheinend auch die Inbar in Huallanca ist. Die Rezeption wird kurzerhand zu einer Bar umgebaut, ein paar Stuehle aufgestellt, Musik in unglaublicher Lautstaerke aufgedreht und los kann es gehen mit dem kollektiven Besaeufniss. Da die Peruaner nicht gerade Hygeniefanatiker sind, wird meist nicht das Klo benutzt sonder es wird neben unser Zelt gepischt und auch gespieben. Das geht so bis in die fruehen Morgenstunden. Erholsamen Schlaf stellen wir uns anders vor. Als dann um 6 Uhr in der Frueh das Hausschaf Pingui seinen Kopf in den Zelteingang schiebt und uns mit interessiertem Blick mustert ist es ganz vorbei mit schlafen.

Unser Weg fuehrt uns wieder auf einer Schotterpiste die gar nicht so schlecht ist weiter, tendenziell bergab geht es entlang eines Flusses bis La Union um dann wieder auf einer holprigen Piste bergauf zu fahren. Nach dem Doerfchen Pachas geht es wieder fuer 15 Kilometer bergab, wobei das bergabfahren mindestens genauso anstrengend ist wie das rauffahren, weil die Piste doch ziemlich beschissen ist. In Tingo Chico, einem ziemlich heruntergekommen Dorf, genehmigen wir uns noch eine kleine Staerkung. Da das einzige Hotel nicht sehr einladend ausschaut beschliessen wir wieder die Nylonvariante in Anspruch zu nehmen. Wir fahren entlang des Flusses immer Ausschau haltend nach einem Zeltplatzerl. Die Suche entpuppt sich jedoch als ziemlich schwierig, da es hier alle 500 Meter ein Haus gibt und anscheinend ueberall Leute wohnen. Wir wollen es jedoch vermeiden in der Naehe von Menschen zu zelten, da wir schon von Ueberfaellen auf Radreisende gehoert haben. Bei der Armut in der diese Menschen leben koennen wir uns gut vorstellen das zwei reiche Gringos auf Raedern eine grosse Versuchung darstellen. So fahren wir Kilometer um Kilometer und hoffen nach jeder Kurve ein Platzerl zu finden. Dann endlich ein ebenes Stueckchen ein bisserl Abseits der Strasse, geschuetzt durch einen Erdwall. Ich plaudere noch kurz mit einem Paerchen das zufaellig des Weges kommt und vertrauenswuerdig aussieht und als ich ihnen erzaehle dass wir hier zelten wollen, reissen beide die Augen auf und reden irgendetwas von Raeubern und Moerdern. Dass wir diese Nacht nicht besonders gut geschlafen haben kann sich wohl jeder vorstellen. Jedes kleinste Geraeusch laesst uns hochschrecken immer im Hinterkopf die Raeuber und Moerder. Passiert is nix und irgendwann sind wir auch dann eingeschlafen.

Weiter geht es wieder bergauf und wir kommen in Doerfern vorbei wo die Menschen bitterarm sind. Irgendwie tun uns diese Leute leid, wenn man sieht wie ungerecht der "gosse Kuchen" doch aufgeteilt ist. Bei uns hat jeder Strom, fliessendes Wasser und genuegend zu Essen und es wir doch so viel gejammert wie schlecht es uns doch nicht geht. Ich sag nur typisch Oesterreicher! Es sollte jeder mal mit eigenen Augen sehen wie diese Leute hier leben und sich dann ueberlegen ob man noch jammert. Was uns weniger gefaellt ist die doch agressive Weise mit der uns die Leute um Geld anbetteln. Die Gringo Rufe sind wir ja sowieso schon gewoehnt. Aber als eine ganze Schar Kinder versucht mir meine Sandalen, die ich hinten an einer Tasche angehaengt habe, zu klauen gibt mir das schon zu denken. "Gib mir dein Geld!!!" hoeren wir so oft wie noch nie und eine Frau sagt zu mir: "Geh schenk mir doch dein Radl!!!". Teilweise kommen wir uns vor wie 2 rollende Sparschweinderln die nur gekommen sind um Geld in den Doerfern zu verteilen. In Chavanillo laeuft uns dann ein Besoffener durchs halbe Dorf nach und fragt mich staendig um Geld. Da reisst mir der Geduldsfaden und ich schreie ihn lauthals an: "Schleich dich!!!!". Am liebsten haette ich ihm eine aufgelegt so eine Wut hatte ich. Wobei man aber sagen muss dass uns das nur in diesem Tal passiert ist und eigentlich gar nicht dem Peru entspricht dass sich bisher uns geboten hat. Hoffen wir dass es bei dieser Ausnahme bleibt.

Wir radeln auf einer recht holprigen Piste wieder fast bis auf 4000 Meter nach oben und es fehlen nur noch 59 Kilometer bis nach Huánuco. Fast 2000 Hoehenmeter bergab sind es und da es noch sehr zeitig ist, beschliessen wir den Downhill anzugehen. Wer jetzt aber glaubt dass das ein Spass ist, der irrt. Brauchen wir doch 4 1/2 Stunden um dieses Bergabstueck zu bewaeltigen, weil die Piste in einem teils erbaermlichen Zustand ist und Mensch und Material sehr fordert. Ich koennt mir das mit einem vollgefederten Mountainbike lustig vorstellen, aber mit unseren schwerbepackten Lasteseln ist eine einzige Quaelerei. So erreichen wir wieder mal in der Daemmerung Huánuco und mieten uns fuer drei Tage im netten Hotel Imperial ein und erholen uns vom doch harten Ritt.Dafuer begleitet uns jetzt fuer die naechsten 400 Kilometer der Asphalt.

Einigermassen erholt verlassen wir Huánuco das auf 1950 Metern liegt und wir muessen auf den naechsten 120 Kilometern wieder auf 4330 Meter hoch. Irgendwie klappt das aber mit dem Radeln nicht so ganz gut wie wir uns das vorgestellt haben. Duerften wir uns doch wieder mal irgendeinen Keim eingefangen haben der uns Bauchschmerzen und die Flitzn beschert. Das nervt mit der Zeit und wir fuehren das auf die teils doch schlechten hygienischen Verhaeltnissen in den peruanischen Kuechen zurueck. Da waescht sich bestimmt nicht jeder Koch nach dem Pipi gehen die Haende. So ist der Durchfall unser staendiger Begleiter geworden. Wir beschliessen nach 68 Kilomter im Dorf Huariaca zu bleiben und uns auszuruhen. Ein Nachmittagsschlaefchen tut ganz gut. Am fruehen Abend gehen wir aber nochmals vor die Tuer da wir ja doch Hunger haben....... und kommen gerade recht zur grossen Dorffiesta . Ehe wir es uns versehen haben wir in der einen Hand ein Koerberl mit Brot und in der anderen eine Flasche warmen Zuckerrohrschnaps. Tanzend marschieren wir durch die Strasse und wir werden sofort von den Leute in ihre Mitte aufgenommen. Natuerlich muss jeder mit den Gringos anstossen und so trinken wir Stamperl um Stamperl. Am Hauptplatz spielen dann gleich mehrere Blasmusikkapellen und es wird ausgiebig gefeiert. Die Leute sind ausgesprochen freundlich und das rueckt das Bild das wir von Peru haben wieder ins rechte Licht. Wir sind dann aber so angesoffen, dass ich nicht mehr weiss wie wir heimgekommen sind und Heidi sich die ganze Sache noch ein paar Mal durch den Kopf gehen laesst. Wenn ihr versteht was ich meine. An ein Weiterfahren am naechsten Tag ist nicht zu denken und so liegen wir regungslos im Bett, denn jede Bewegung verursacht Uebelkeit. Hurensauferei!!! Wir sind halt keine 20ig mehr. War aber trotzdem lustig und hat uns den Menschen naeher gebracht. Ein gutes hatte die ganze Sache noch, der Durchfall ist auch weg.

So geht es nach einem Zwangsruhetag weiter und wir schrauben uns auf Asphalt auf 4300 Meter. Vorbei an Cerro de Pasco, der hoechsten Stadt der Welt, kommen wir zur Hochebene von Junin. Zwar ist die Strasse flach, aber bedingt durch die duenne Luft keuchen wir trotzdem ganz schoen. Wobei man sagen muss dass es uns diesesmal bei weitem besser geht als beim ersten Mal auf dieser Hoehe. Riesige Lamaherden grasen hier und vorbei geht es an einer grossen Lagune. Ueber Carhuamayo geht es nach La Oroya und die Raeder rollen fast wie von selbst. Da es am Morgen doch immer recht kalt ist (so um die 2 Grad plus) starten wir immer wie zwei Michelinmanderln dick eingemummelt mit saemtlichen Jacken, Haube und Handschuhen. Sobald aber die Sonne rauskommt wird es einigermassen ertraeglich. Von La Oroya aus fahren wir im Geschwindigkeitsrausch die 125 Kilometer in nur knapp 5 Stunden nach Huancayo wo wir einen Ruhetag einlegen.

Fogeln doch noch gut 550 Kilometer Piste und 5 ueber 4000 Meter hohe Paesse bis nach Cusco. Da sollte man schon ausgeruht sein.

So kann man sagen dass Peru jeden Tag eine Ueberraschung fuer uns bereit haelt und uns doch ganz schon fordert. Aber uns gefaellt es und das ist ja die Hauptsache.



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