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Kolumbien II

Von Chiquinquira nach Ipiales

09.04.2008 - 02.05.2008 Von Chiquinquira nach Ipiales oder Schlimmer wirds immer, besser nimmer!!!

"Ja bist du denn deppert!!!!". Der Schweiss rinnt in Stroemen ueber mein Gesicht, die Wadeln brennen und ich lasse meinem Frust freien Lauf und schreie nicht ganz jugendfreie Flueche in den undurchdringlichen Dschungel. Wir befinden uns gerade auf dem Weg vom Mocoa nach Sibundoy im suedlichsten Zipfel Kolumbiens unweit der Grenze zu Ecuador. Seit ueber 5 Stunden kaempfen wir uns auf der bisher schlechtesten Piste unserer gesamten Reise unaufhoerlich nach oben. Ein rythmisches Fahren ist fast unmoeglich, denn unzaehlige spitze Steine lassen ein zuegiges Treten nicht zu. Ich schaue auf den Tacho und schuettle unglaeubig den Kopf. 6,5 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit!!!!!! Heidi ist noch aermer dran, denn sie muss einen Grossteil der Strecke schiebend bewaeltigen. Bei fast 50 kg Gesamtgewicht die ihr Rad samt Gepaeck auf die Waage bringt kein leichtes Unterfangen. Ploetzlich taucht im dichten Nebel ein Militaerposten auf und die Soldaten starren uns unglaeubig an als da zwei Gestalten mit ihren Raedern schiebend daherkommen. "Ab jetzt geht es nur mehr bergab. Es sind ungefaehr 25 Kilometer bis Sibundoy. No hay un problema!!!" toent es unisono von den Militaers. Na dann ist ja alles gut und wir kommen heute noch nach Sibundoy. Es sollte aber ganz anders kommen................. 
Rueckblende: 800 Kilometer weiter noerdlich und 3 Wochen frueher in Zipaquira.
Unglauebig stehen wir im riesigen Hauptschiff der Salzkathedrale und bringen unseren Mund gar nicht zu angesichts der riesigen Ausmasse die dem Koelner Dom um nichts nachstehen. Wurde doch die gesamte Kathedrale aus Salz gebaut und liegt ca. 60 Meter unter Tag. 8000 Menschen haben darin Platz (des is a ganze Menge). Ausserdem herrscht eine mystische Stimmung, da die gesamte Kirche nur mit spaerlichem blauem Licht ausgeleuchtet ist. Die Catedral de Sal ist einzigartig auf dieser Erde und so empfanden wir es auch. In Zipaquira gefaellt es uns ausserdem so gut dass wir die naechsten Tage faulenzend im Zimmer oder in einem der netten Cafes rund um den schoenen Hauptplatz mit dazugehoeriger Kirche verbringen. Bogota ist nicht weit entfernt und so beschliessen wir mit Oeffis hin zu fahren, denn mit dem Rad in der 6 Millionen  Stadt zu radeln entspricht nicht ganz unserer Vorstellung, obwohl es eine Menge Radwege geben soll. Unser Interesse gilt vor allem den unzaehligen Radgeschaeften die alle nebeneinander auf einer Strasse aufgereiht sind und so verbringen wir den ganzen Vormittag dort. Der Nachmittag gilt dann dem Sightseeing und wir sind dann doch froh als wir am Abend aus der hektischen Stadt wieder raus kommen.Nach 5 Tagen faulenzen heisst es aber dann fuer uns wieder in die Pedale zu treten und wir fahren von der Hochebene auf der Bogota liegt und wo sehr angenehme Temperaturen herrschen auf einer 30 Kilometer langen Abfahrt (juhu) wieder in die Hitze. Schoen langsam entwickelt sich diese zu unserem Erzfeind Nummer 2. Erzfeind Nummer 1 ist nach wie vor der Gegenwind, der einen in den Wahnsinn treiben kann. Irgendwann weit abgeschlagen reiht sich dann der Regen ein (der ist wenigstens schoen kuehl).So strampeln wir die naechsten Tage bei schweisstreibenden Temperaturen unsere Etappen ab und schauen dass wir so frueh wie moeglich unser Ziel erreichen um dann im "kuehleren" Zimmer den Nachmittag zu verbringen. Wir haben immer wieder nette Begegnungen mit den freundlichen Menschen. Einmal reicht uns ein Autofaherer ohne ein Wort zu sagen einfach ein Gatorade aus dem Fenster. Ein anderes Mal bekommt Heidi als Regalo (Geschenk) ein (falsches) Goldketterl geschenkt und ich eine Fusballdress. Auch bei den Militaerkontrollen haben wir immer einen rechten Spass und wir werden mit Fragen nur so bombardiert. Die Paesse kontrolliern Sie nie und auch unsere ach so wichtigen Zollpapiere muessen wir kein einziges Mal vorweisen. Wenn wir in ein Staedtchen kommen bilden sich regelmaessig Menschentrauben und die ueblichen Fragen werden gestellt. Ausserdem sind wir schon Meister im Zeitungsinterview geben. Einmal glaubte ich wieder ein Zeitungsinterview geben zu muessen als mich eine Frau unvermittelt mit sich schleift. Keine 2 Minuten spaeter aber sitze ich im Regionalstudio von Hobo (kleiner als Toztenbach) und bin live "On Air". Ich brabble irgendetwas in gebrochenem Spanisch daher und glaube dass niemand etwas verstehen konnte. Als ich aber auf den Hauptplatz zurueckkomme stehen alle Leute mit einem breiten Grinsen im Gesicht da und sind maechtig stolz zwei so "beruehmte" Persoenlichkeiten bei sich zu haben. Dabei fahren wir doch nur mit dem Radl in der Gegend umher. Unser naechstes Ziel heisst dann San Augustin wo wir in der Casa de Ciclista von Igel und Paola ein paar herrliche Tage verbringen. Die beiden Deutschen sind schon 7 Jahre mit dem Rad unterwegs und haben sich eine Finca in Kolumbien gekauft um dann dort zu wohnen. Ausserdem steht diese fuer Radfahrer aus aller Welt offen. Die Tage vergehen wie im Flug und wir geniessen mal nicht radfahren zu muessen. Die Temperaturen sind auch wieder angenehmer, liegt doch San Augustin auf 1700 Meter. Wir besichtigen den Parque Archeologico wo es unzeahlige Steinskulpturen zu bestaunen gibt, die von einer Hochkultur stammen, von der man eigentlich gar nicht viel weiss. Da wir aber nicht so die Fans von alten Steinen sind, spulen wir das Sightseeingprogramm zuegig ab um dann wieder auf der Finca in der Haengematte zu entspannen. Hach kann das Leben schoen sein! Aber auch alles Schoene hat einmal ein Ende und so verlassen wir schweren Herzens nach 4 Tagen San Augustin. Es faellt uns immer schwer einen Ort wo man sich ein wenig zu Hause fuehlt hinter uns zu lassen. Es folgen noch 2 schoene Etappen bis Mocoa durch dichtesten Regenwald ( und dort regnets wirklich immer). In Mocoa angekommen werden wir wieder von einer Menschentraube eingeschlossen und mit Fragen bombardiert. Ploetzlich taucht Freddy mit seiner Familie im Gewusel auf und laedt uns spontan zum Mittagessen ein. Als Draufgabe organisiert er uns noch ein Hotelzimmer und bezahlt dieses auch noch. Dafuer gibt es natuerlich eine Roadrunner. Den Nachmittag verbringen wir in der waagrechten, denn wir wissen dass uns morgen eine schwere Etappe erwarten wird. Und da sind wir wieder da wo ich angefangen habe zu schreiben. Zwischen Mocoa und Sibundoy. Und alles sollte anders kommen als erwartet.  So stuerzen wir uns in die Abfahrt auf der wir Spitzengeschwindigkeiten von gerade mal 13 km/h  erreichen. Nach knapp 10 Kilometern ist aber Schluss mit runterfahren und es geht dreimal duerft ihr raten, wieder steil bergauf. Es ist einfach zum Verzweifeln. Wenn wir aber mal unsere Koepfe heben und der Nebel sich ein wenig lichtet stehen wir in einem Meer von Gruen. Der Regenwald ist ueberall um uns und nur die schmale Ruettelpiste schneidet sich ein schmales Band durch diesen. Ab und an stuerzen Wasserfaelle in die Tiefe und unterbrechen mit lautem Tosen die sonst herrschende Stille. Wenn nicht gerade ein vollbesetzter Bus mit halsbrecherischen Manoevern an uns vorbeizischt. Wir sind heute Morgen um 6 Uhr gestartet und jetzt ist es schon 16 Uhr und noch lange kein Ende in Sicht. Zu allem Ueberfluss faengt es jetzt auch noch staerker zu regnen an und schoen langsam wird uns ziemlich kalt. Haben wir uns doch von knapp 600 Metern auf ueber 2000 Meter hochgearbeitet. Ein Auto haelt neben uns und bietet uns etwas zu trinken an, der Fahrer sagt uns ausserdem dass es in ca. 2 Kilometern ein Restaurant gibt. Unsere Rettung. Voellig erledigt erreichen wir knapp vorm Dunkelwerden das Restaurant "Buenos Aires" und duerfen unser Zelt unter einem Dachvorsprung aufbauen. Haben wir doch heute in 7 1/2 Stunden 50 Kilometer zurueckgelegt, das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 6,9 km/h. Dafuer sind wir ueber 2000 Hoehenmeter nach oben gefahren. Ich glaube mit einem vollgefederten Mountainbike koennte das sogar Spass machen, aber mit unseren vollbepackten "Lasteseln" ist das gar nicht lustig. Wir plaudern noch ein wenig mit dem Wirt und seiner Familie die hier in aermsten Verhaeltnissen wohnen, aber doch eine gewisse Zufriedenheit ausstrahlen die wir in unseren Breitengraden doch oft vermissen, um dann bald wie die Steinderln zu schlafen. Der naechste Tag ist dann ein wenig besser. Erstens haben wir nur noch 30 Kilometer vor uns und die Piste ist auch nicht mehr ganz so schlecht, ausserdem koennen wir nachdem wir nochmal auf 3000 Meter hochfahren endlich ins Tal sehen und erblicken Sibundoy. Die 15 Kilometer Abfahrt sind zwar nicht lustig  aber wir wissen dass knapp vor Sibundoy der Asphalt wieder anfaengt und das treibt uns an. Als wir dann endlich wieder auf diesem rollen entfahren uns laute Jubelrufe und die Leute schauen uns an als seien wir vom Mars. Am naechsten Morgen muessen wir nochmals auf eine arge Piste die uns wieder alles abverlangt und es geht wieder auf 3000 Meter. Die nachfolgende Abfahrt fuehrt uns dann zur Laguna  La Cocha wo wir unsere "Gipfelsiege" mit einer riesigen "Trutschen" (=span. fuer Forelle oder so aehnlich) und ein paar Bierlis feiern.
Haben wir doch jetzt die naechsten 1800 Kilometer nur mehr Asphalt vor uns. Ein wenig stolz sind wir natuerlich auch auf uns, da wir fuer die bisher schwersten Etappen auch keine fremde Hilfe in Anspruch nehmen mussten und so bisher fast jeden Meter mit eigener Muskelkraft zurueckgelegt haben. Zwar war dann die Fahrt bis zur Grenzstadt Ipiales auch kein Honiglecken, aber auf Asphalt rollt es sich halt doch leichter. So haben wir schon den ersten Vorgeschmack auf das bekommen das uns jetzt so erwartet und die Anden haben schon mal ihre Krallen gezeigt. Aber was einen nicht umbringt macht einen noch haerter. So werden wir noch ein paar Tage in Ipiales verbringen und die beruehmte Wallfahrtskirche Las Lajas besuchen um dann endgueltig Abschied von Kolumbien zu nehmen. Es wir kein leichter sein, denn wir haben das Land in unser Herz geschlossen und muessen alle Vorurteile die wir hatten revidieren. Nie hatten wir irgendwelche Probleme und schon gar keine gefaehrlichen Situationen. Laut Kolumbianern hat sich die Lage in den letzten Jahren dramatisch entspannt und wir wuenschen Kolumbien von ganzem Herzen dass es all seine Probleme in den Griff bekommt. Adios Colombia!!         
                               





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