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Kolumbien

Von Cartagena ueber Mompos nach Chiquinquira

21.03.2008 - 08.04.2008 Von Cartagena ueber Mompos nach Chiquinquira oder Hitze, Regen und viele, viele Berge

Kolumbien. Wer in unseren Breitengraden von diesem Land spricht, denkt in erster Linie an Drogen, Guerillas und Entfuehrungen. Dass das drittgroesste Land Suedamerikas aber noch einiges mehr zu bieten hat, von dem wissen nur die wenigsten. Auch uns ging es so und unser anfaenglicher Plan war, dass wir von Panama City direkt nach Quito fliegen. Aber im Laufe der Zeit wurde uns Kolumbien von anderen Reisenden immer schmackhafter gemacht und alle hatten so ein Funkeln in den Augen wenn sie von diesem Land sprachen. So betraten wir mit etwas gemischten Gefuehlen erstmals suedamerikanischen Boden und ich muss sagen die Raeder rollen genauso wie "oben". Unsere Zweifel wurden aber sehr schnell ueber den Haufen geworfen, da uns Cartagena vom ersten Augenblick an in seinen Bann zog. Vor allem die wunderschoene Altstadt mit ihren verwinkelten Gaesschen und kolonialen Bauten mit den reichlich verzierten Holzbalkonen hatte es uns angetan. So kam es dass wir gleich eine ganze Woche in Cartagena verbrachten. Wir schlenderten durch die Gassen um bei dem einen oder anderen Cafe eine Pause einzulegen und dem Treiben zuzuschauen. War doch gerade Semana Santa (Osterwoche) und da ist halb Kolumbien auf Urlaub, und da Cartagena eines "der" Touristenziele ist, kann man sich vielleicht vorstellen dass ganz schoen was los war. Wir erkundeten aber auch das Nachtleben mit den beiden Schweizern Nicole und Michael, die wir auf dem Booterl kennenlernten. Vorwiegend hielten wir uns in den "Subbars" (=Substandardbars, dort wo keine Touris sind )  auf und hatten eine Menge Spass. Einmal hatte die doch schon etwas aeltere Wirtin ein Auge auf mich geworfen und mich zum Tanzen aufgefordert. Ich und tanzen, das ist wie Schnee in der Karibik. Aber da ja ein paar Bierli bekanntlich ein wenig enthemmen schlug ich mich, natuerlich unter den strengen Augen Heidis, ganz tapfer. Auch Michael gab sein Bestes und ich muss sagen es war ein sehr lustiger Abend. Auch der Wirtin duerfte es gefallen haben, denn sie busselte gleich jeden zweimal von uns zum Abschied. Ein anderes Mal wurden wir von Diana, einer Angestellten des Hotels wo wir wohnten, eingeladen um mit ihr am Wochenende um die Haeuser zu ziehen. Wir fuhren ein wenig ausserhalb des Zentrums und dort war wirklich die "Hex" los. Auf einer Strasse gab es ca. 20ig Discotheken nebeneinader, aber es waren auch unzaehlige Leute auf der Strasse die tanzten. Die Zeit verging wie im Flug und so fielen wir um 5 Uhr ziemlich beschwippst in unsere Betten. Aber wer jetzt glaubt wir haben nur Party gemacht, der irrt gewaltig. Laut einem bladen Pifgonen, der die Einreiseformalitaeten fuer den Captain unseres Bootes machte, muessten wir unsere Raeder laut einem Gesetz bla. bla. bla. verzollen lassen. Wenn wir das nicht tun, koennten uns im schlimmsten Fall die Raeder weggenommen werden. Da wir ja gewissenhafte Buerger sind standen wir voll motiviert mit unseren Raedern vor weit aufgerissenen Augen direkt im Zollbuero und brabbelten in gebrochenem Spanisch (wir sind so faul) etwas von verzollen. Ich glaub wir waren die ersten die soetwas je gemacht haben.......und werden auch die letzten sein. War aber trotzdem ganz lustig, weil ich dann das Formular selbst am Computer ausfuellen durfte und alle ganz gespannt schauten was ich denn da jeztz reintippe. Ein paar Unterschriften spaeter waren auch unsere Raeder legal im Land. Ob das wohl wer kontrolliert? Fuer uns hiess es nach fast 2 woechiger Radabstinenz Abschied von Cartagena nehmen und unsere Route fuehrte uns zunaechst suedlich durch eher flaches Terrain. Der Schweiss floss in Stroemen und die Hitze hatte schon ein bisschen was perverses an sich. Drueckte sie uns doch den Schweiss schon beim Nixtun aus allen (wirklich allen) Poren und ab und zu kam uns doch der Wunsch nach einem klitzekleinen Schneeschauer (sehr unwahrscheinlich) ueber die Lippen. Bald machten wir jedoch eine Knick nach Westen und unser naechstes Ziel hiess Mompos. Die Stadt steht ebenfalls  wie Cartagena unter dem Weltkulturerbe der UNESCO. Wir hatten einige Polizeikontrollen zu passieren, die aber bei weitem nicht so haeufig waren wie angenommen. Einmal schuettelte uns ein Polizist ca. 5 Mal die Hand bis wir wieder weiterfahren durften. Die Leute sind ueberhaupt ausgesprochen freundich und hilfreich und es bilden sich regelmaessig Menschentrauben um uns wenn wir mal eine Pause einlegen. Einmal mussten Heidi und ich sogar Autogramme geben. Bevor wir auf einer guten Asphaltstrasse nach Mompos rollen konnten, hiess es fuer uns den Rio Magdalena zu ueberqueren. Mit einer "Faehre". Wobei Faehre ist ein wenig uebertrieben, denn es handelte sich um ein Schiffernakel wo schon einige Mopeds verladen waren. Wo sie unsere Raeder hinpacken wollten war uns ein Raetsel. Ihnen glaub ich auch, denn sie hatten sich ein klitzekleines Bisschen verkalkuliert und nicht damit gerechnet dass unsere Raeder so viel Platz einnehmen. Aber des wird scho irgendwie gehn!!! So kam es dass mein Rad lieblos am Bug verzurrt und Heidis Gefaehrte zwischen die Mopeds gepresst wurde. Gott sei Dank sind die Ortliebtaschen so robust und ausserdem sind sie mit einem duennen Stahlseil (Diebstahlschutz) gesichert, denn sowohl beim Be- sowie beim Entladen hingen sie nur mehr an diesem. Ansonsten wuerden jetzt zwei Radtaschen als Fischbehausung im Rio Magdalena dienen. In Mompos goennten wir uns einen Ruhetag und beraumten unser Sightseeingprogramm gleich am fruehen Morgen an damit wir dann den ganzen Tag im A/C gekuehlten Zimmer vor dem Fernseher unsere mueden Haxerln ausstrecken konnten. Auch solche Tage sind mal ganz angenehm. Erwartete uns doch am naechsten Tag eine Staub und Schotterpiste die es teilweise ganz schoen in sich hatte. Wir verpassten natuerlich die einzige Abzweigung zu der Bruecke die ueber den Rio fuehrte (weil auch nix angeschrieben ist) und mussten wieder mal auf die "Faehre" zurueckgreifen. Diesesmal war es ein groesseres Ruderboot und die Ueberfahrt dauerte nur ein paar Minuten. Wir schafften trotz holpriger Piste ueber 100 Kilometer und duerften ausgeschaut haben wie paniert, denn die Besitzerin der Hospedaje ruempfte ein wenig ihr Naserl als sie uns sah. Ich ging gleich mit der gesamten Radlmontur unter die "Dusche". Wobei Dusche ein wenig uebertrieben ist, weil nur ein Trog mit Wasser und eine kleine Schoepfkelle vorhanden waren. So spritzt man sich halt ein bisserl den Dreck vom Koerper. Am naechsten Tag hatten wir nur noch wenige Kilometer Schotter um dann wieder auf der Carratera 45 auf feinstem Asphalt  Richtung Sueden zu rollen. Nun war es bald vorbei mit lustig denn es erwarteten uns die Auslaeufer der Cordillera  Este. Da ging es dann ganz schoen zur Sache und Etappen mit fast 2000 Hoehenmetern waren keine Seltenheit. Von Bucaramanga ging es dann zunaechst  mal runter auf 600 Meter um dann im eindrucksvollen Canyon Chicamocha wieder auf ueber 1700 Meter zu krabbeln. Uns erwartete eine 25 Kilometer lange Steigung, wobei wir mit atemberaubenden Ausblicken fuer die Strapazen belohnt wurden. Ein Gutes hatte die Kletterei doch fuer sich, denn wir hatten wieder ein angenehmeres Klima und die Hitze war nicht mehr ganz so extrem. Jetzt wird sich der eine oder andere fragen, ja was ist den mit dem Regen, die Roadrunners sind in der Regenzeit in Kolumbien unterwegs und schreiben nix von Regen? War bisher alles halb so schlimm. Bis auf ein falsch eingeschaetztes "Weltuntergangsgewitter" das uns wenigstens eine schoene Abkuehlung bescherte und ein paar naechtlichen Gewittern, hatten wir nur einmal einen "Halbregentag". Doch auch dieses Wolkerl verzog sich bald und uns lachte die Sonne wieder entgegen (die kolumbianischen Wolkerln sind bei weitem nicht so hartnaeckig wie die kanadischen). Die weitere Strecke fuehrte uns huegelig ueber San Gil nach Socorro, wobei uns die Landschaft sowie die Stadterln irgendwie an Italien erinnern. Wir hatten noch einige Bergerln zu erklimmen bis wir Chiquinquira erreichten das nur mehr 150 Kilometer von Bogota entfernt liegt. Hier legten wir einen Zwangsruhetag ein, weil wir uns beide ein bisserl eine Magendarmverstimmung  eingefangen hatten. Achja und noch was. Das Defektteuferl hat nicht zugeschlagen, dafuer aber die Frau mit der Schere. Da Heidi meine staendige Suderei wegen meinen Haaren nicht mehr aushielt und sie mir schon ziemlich auf den Wecker gingen, liess ich sie mir kurzerhand schneiden. Wollte ich sie doch bis Feuerland wachsen lassen, aber ich glaub dann haetten sich wahrscheinlich die kleinen Kinder zu Tode gefuerchtet wenn sie mich gesehen haetten. Also alles in allem betrachtet gefaellt uns Kolumbien bisher sehr gut. Wir fuehlten uns in keinster Weise auch nur im Geringsten unsicher. Die Leute scheinen sehr gut mit der Situation umzugehen und von einem Land das im "Buerger- und Drogenkrieg" steckt bekommen wir aber rein ueberhaupt nichts mit.



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