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USA I

12.03.2015 - 15.05.2015 USA Teil 1 oder Ich bin der Speichenkönig von the USA

PÄNG. Wie ich dieses Geräusch hasse. Noch dazu wenn man gerade bei einem Kaffee sitzt und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lässt. Anscheinend freut es gerade eine Speiche an meinem Hinterrad gerade gar nicht mehr und reisst mir nichts dir nichts, unvermittelt genau in der Mitte. Wie zwei Maikäferl wenn es blitzt schauen wir uns ungläubig an. Das kann jetzt aber nicht sein. Sofort schiesst mir ein Bericht von Yvonne und Christian, unseren Schweizer Radfreunden durch den Kopf, die genau dasselbe Problem 2014 in Malaysien hatten. 80 Kilometer später gibt die nächste Speiche ihren Geist auf und reisst wieder genau in der Mitte. Anscheinend hat die Firma Sapim eine Charge schlechter Speichen hergestellt, die jetzt schön verteilt auf der ganzen Welt ihren Geist aufgeben. Nach ein wenig Recherche im Internet kommt raus dass eine ganze Menge armer Tourenradler genau dasselbe Problem hat. Dass das bei mir passiert ist auch irgendwie klar, denn anscheinend ziehe ich solche Dinge an, wie das Licht die Motten. Nach meinem Speichendesaster in Südostasien habe ich mir extra die von Rohloff empfohlenen Speichen der Firma Sapim bestellt. Blöde Idee. Da ist Heidi einfach zu beneiden. Fast 40.000 Kilometer fährt sie mit dem ersten Satz DT Swiss Speichen ohne auch nur das kleinste Problem zu haben, und das obwohl sie so ziemlich jedes Schlagloch dass es auf diesem Planeten gibt mitnimmt.
Nun sitzen wir in dem schmucklosen Städtchen Yakima im Bundesstaat Washington und ich bekomme mein Laufrad zum vierten Mal auf dieser Reise neu eingespeicht. Somit erhebe ich Anspruch auf den Titel „Speichenkönig of the USA“ weil 128 Speichen plus 10 Ersatzspeichen in zwei Jahren ergibt nach Adam Riese 138 Speichen in zwei Jahren. Und das nur am Hinterrad. Das muss mir erst mal einer nachmachen.
Durch die ungeplanten Ruhetage haben wir aber auch Zeit ein wenig zur Ruhe zu kommen, denn immerhin sind wir schon zwei Monate im Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten, haben schon mehr als 3.000 Kilometer zurückgelegt und eine Menge Dinge erlebt und das müssen wir erst einmal verarbeiten.
Doch nun mal von Anfang an.

Die ersten zehn Tage machen wir quasi Urlaub vom Urlaub und lassen unsere Räder unangetastet in der Ecke stehen und steigen auf die Luxusversion, nämlich auf ein Mietauto, um.
Gemeinsam mit meinem besten Freund Didi „El Reifenlutscher“ Höfer, der extra den weiten Weg auf sich nimmt und aus Herzogenburg eingeflogen wird, machen wir eine kleine Rundreise.
Die Wiedersehensfreude ist gross und es gibt vieles zu erzählen und es tut echt gut wieder mit jemandem sprechen zu können, der einen kennt. Denn auf Dauer ist es ganz schön anstrengend immer und immer wieder die gleichen Fragen beantworten zu müssen.
Auf der Hitliste ganz oben stehen: „Wieviel Kilometer pro Tag?“, „Wieviel Patschen?“, „Wo fahrt ihr hin?“, „Wo kommt ihr her?“. Bei der Antwort auf die letzte Frage merken wir des öfteren, vor allem in den USA dass unser Gegenüber keinen blassen Schimmer hat, wo den dieses Austria liegt. Sobald wir aber in perfekter Arnold Schwarzenegger Manier „I´ll be back!“ imitieren, geht den meisten ein (kleines) Licht auf.

Die Tage vergehen wie im Flug und zu unseren Highlights gehören ein mächtiger Hangover in Las Vegas (die Einzelheiten werden natürlich nicht verraten, denn „what happens in Vegas, stays in Vegas“), die beeindruckenden Weiten des Death Valleys, die schönen Strände rund um Los Angeles, die verrückten Typen am Venice Beach und natürlich das sommerliche Wetter. Gerade nach Neuseeland sind die Temperaturen ein Traum für uns und wir schwitzen wieder einmal so richtig und geniessen die wärmenden Sonnenstrahlen auf unserer Haut. Gut, dass wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst haben, dass sich das sehr bald wieder ändern wird.
Ausserdem ist es wirklich beeindruckend für uns, wie einfach alles mit einem Auto geht. Kurz mal in den Supermarkt, kein Problem. Schnell 400 Kilometer durch die Wüste, locker am Nachmittag zu schaffen. In unseren kleinen Gehirnen hat in den letzten zwei Jahren so etwas wie eine Transformation stattgefunden und wir rechnen nur mehr in Radtagen, umso erstaunlicher für uns was man mit einem Auto alles für Distanzen bewältigen kann.
Für mich sind die ersten Tage hinter dem Steuer besonders hart, denn nach über einem Jahr Linksverkehr, vertut man sich schon gerne mal. Ein guter Indikator sind aber Heidi und Dieter, die jedes Mal wie am Spiess schreien und sich aus Todesangst  im Auto verkeilen und mir mit diesen Aktionen liebevoll mitteilen, dass ich wieder einmal als Geisterfahrer unterwegs bin.
Nach einer wirklich schönen und lustigen Zeit mit Höfi, heisst es aber wieder Abschied nehmen und wie wir um die Ecke der Abflughalle des Los Angeles Airports verschwinden sehen, haben wir das erste Mal einen kurzen Anfall von Heimweh und mir kommen die Worte aus Cesare Paveses Tagebuch <Das Handwerk des Lebens> in den Sinn die folgendermassen lauten: „Reisen ist eine Gemeinheit. Es zwingt dich, Fremden zu vertrauen und wegzugehen von der Wärme deines Zuhauses und deiner Freunde. Du bist ununterbrochen aus dem Gleichgewicht. Nichts gehört dir, nichts als die absolut notwendigsten Dinge- die Luft, der Schlaf, die Träume, das Meer, der Himmel - alles Dinge die mit Ewigkeit zu tun haben. Oder eben mit dem, was wir uns darunter vorstellen.“

Manchmal ist es für uns nicht leicht sich auf das Unvorhersehbare einzustellen. Und wir haben fast jeden Tag das Unvorhersehbare. Das macht es einerseits extrem abwechslungsreich, aber auch recht anstrengend und nach über zwei Jahren „on the road“ wünschen wir uns manchmal so etwas wie ein wenig Alltag.
Die Heimwehgedanken verschwinden aber genau so schnell wie sie gekommen sind und so stehen wir nach zwei weiteren „Vorbereitungstagen“ im Riesenmoloch Los Angeles einigermassen motiviert in den Startlöchern.
Wir fahren keine hundert Meter mit unseren vollbepackten Lasteseln und schon werden wir von allen Seiten angesprochen. Das ist uns in den letzten zehn Tagen nie passiert, als wir inkognito als normale Touristen unterwegs waren. Da hat man es wieder, Radfahren verbindet.
Was auch gleich auffällt, ist dass die Autofahrer recht rücksichtsvoll mit uns umgehen und bei weitem nicht so deppert sind wie die Kiwis oder die Australier. Und das in der Autonation Nummer eins. Das hat sich auch nach zwei Monaten und drei verschiedenen Bundesstaaten nicht geändert. An dieser Stelle möchte ich mal die „Bronzene Roadrunneranstecknadel am Silberband mit rosa Rüschen“ für die netten amerikanischen Autofahrer vergeben.

Immerhin haben wir schon fast 40.000 Kilometer in den Beinen und man sollte meinen eine 14 tägige Pause macht uns durchtrainierten Athleten nichts. Ich muss aber sagen, es ist jedes Mal wieder aufs neue eine Qual nach einer längeren Radabstinenz in den Sattel zu steigen. Mal ganz abgesehen davon, dass man an den ersten Tagen einen roten Arsch hat wie ein Pavian, der dazu auch noch schmerzt als sei man nie mehr als 10 Kilometer am Stück gefahren, glaubt man dass einem die Haxen abfallen. Jeder Hügel kommt einem vor als würde man den Grossglockner bezwingen und im Flachen schaut man alle paar Kilometer auf den Tacho, weil es einem vorkommt als würde man auf der Stelle treten.
Einen Vorteil hat die Sache aber, denn am Abend schlafen wir wie erschlagen einen erholsamen 12 Stundenschlaf ohne auch nur einmal des Nächtens in die Büsche zu müssen, so müde sind wir.
Unsere Route führt uns anfänglich entlang der Küste von Los Angeles bis nach Ventura, wo wir dann aber dem Meer den Rücken kehren, denn unser nächstes Ziel heisst Sequoia Nationalpark. Wir müssen eine kleine Bergkette überqueren, und unsere roten Hintern und schmerzenden Haxen lassen uns jeden Meter richtig „geniessen“. Oben angekommen werden wir aber für die Schinderei belohnt, denn es bietet sich ein unglaublicher Ausblick auf das San Joaquin Valley, der Nahrungsmittelkammer Kaliforniens. Da es sich aber um ein wüstenähnliches Gebiet handelt, ist es uns echt ein Rätsel wo die soviel Wasser herbekommen um die unzähligen Obst- und Gemüseplantagen zu bewässern.
Erschwerend dazu kommt noch dass Kalifornien seit vier Jahren unter einer aussergewöhnlichen Trockenheit leidet und die Leute aufgefordert werden sparsam mit dem kostbaren Nass umzugehen.
Da der Mensch aber bekanntlich ja ein bissi ein Trottel ist, verwundert es uns auch nicht, wie wir miterleben wie der eine oder andere Dillo am Campingplatz zehn Minuten oder mehr duscht. Wahrscheinlich wird erst ein Umdenken stattfinden, wenn kein Tropfen Wasser mehr aus der Dusche kommt.
Jetzt haben es so wüstenähnliche, trockene Gebiete an sich, dass es dort recht heiss wird, und so schwitzen wir dass du glaubst gibt es nicht. Bei den Pausen wird jeder kleinste Schatten genutzt, nur damit einem nicht die Sonne auf den Schädel knallt. Saufen tun wir wie die Kühe und so schütten wir uns literweise kalte Cola im 1,65 Literbecher in den Rachen.
Im Sequoia Nationalpark angekommen, wo wir die gleichnamigen Riesenbäume sehen wollen, ändert sich das mit den warmen Temperaturen aber recht bald. Wir klettern in einem halben Tag auf die über 2000 Meter gelegene Bergkette und finden uns plötzlich im dichtesten Wald wieder. Die Sequoias sind echt beeindruckend und ehrfürchtig fahren wir an den bis zu 2000 Jahre alten Riesen vorbei. Schon gigantisch wie gross so ein Baum werden kann, vor allem wenn man bedenkt, dass das alles aus einem einzigen Samenkorn entstanden ist.
Den Nachmittag verbringen wir am Campingplatz, wo noch so ziemlich alles im Winterschlaf liegt, da noch immer Vorsaison ist.
Gegen Abend machen wir ein schönes, wärmendes Lagerfeuer, denn auf dieser Höhe wird es bereits vor Sonnenuntergang empfindlich kalt. Bald verkriechen wir uns in unsere Schlafsäcke. Am nächsten Morgen dann der Kälteschock. Minus 6 Grad zeigt das Thermometer an und sogar die Schaltzüge bei meinem Rad sind eingefroren. Vom  gefrorenen Wasser in unseren Trinkflaschen machen wir uns einen guten „Kakao on the rocks“.
Wie zwei Sonnenanbeter strecken wir unsere klammen Fingern, der hinter dem Bergen aufgehenden Sonne entgegen und es dauert eine ganze Weile bis wir einigermassen auf Betriebstemperatur kommen.
Glücklicherweise wartet aber bald ein 1500 Meter Downhill auf uns.
Doch auch in tieferen Lagen ist uns noch immer kalt und irgendwie mögen wir uns gar nicht mehr aufwärmen, obwohl die Temperaturen schon wieder in den zweistelligen Bereich geklettert sind und die Sonne vom Himmel lacht.
Wir machen kurzerhand auf einem Parkplatz Halt und legen uns in voller Montur auf den von der Sonne aufgewärmten Asphalt. Die anderen Touristen, in kurzen Hosen und T-Shirts, machen einen grossen Bogen um die zwei komischen Gestalten, die da bibbernd am Boden rumkugeln.
Eigentlich wäre auch der Yosemite Nationalpark auf dem Programm gestanden, aber aufgrund eines kleinen Wintereinbruchs drehen wir unsere Lenker knapp vor dem Parkeingang wieder Richtung Westen um zurück zur Küste zu kommen. Einmal halb erfrieren reicht uns.
Leider ist es aber ab diesem Zeitpunkt vorbei mit den hochsommerlichen Temperaturen und die nächsten Wochen sind eher frisch.
Statt kühler Cola gibt es ab jetzt nur mehr brühwarmen Kaffee und das literweise.

Zurück an der Küste geniessen wir das Treiben in San Francisco und ich muss sagen es ist immer wieder ein Erlebnis diese Stadt zu besuchen. Manche Plätze haben eben das gewisse Etwas und San Francisco gehört definitiv dazu. Von unseren Hosts Martin und Heidi, die so etwas wie Warmshowers Profis sind, denn über 200 verschwitzte Radfahrer haben die beiden schon empfangen, machen wir ausgedehnte Touren durch die Stadt.
Ohne Gepäck geht es natürlich gleich viel leichter die steilen Strassen rauf und runter zu radeln und vor allem die Golden Gate Bridge zieht uns in ihren Bann. Aber auch sonst hat die Metropole einiges zu bieten und langweilig wird uns in San Francisco nicht.
Nach zwei Tagen aber heisst es wieder Abschied nehmen und wir radeln entlang der Küste Richtung Norden. Jedem mit dem wir über unsere Route reden, sagt dass wir in die „falsche Richtung“ fahren, weil uns der Wind genau ins Gesicht bläst. Das mag stimmen, aber für uns ist es trotzdem die „richtige Richtung“, halt mit Gegenwind, aber das gehört zum Radfahren dazu. Ich glaube so etwas wie eine „falsche Richtung“ gibt es gar nicht.
Kurz nach San Francisco, am Highway Number One bieten sich uns echt spektakuläre Aussichten und wir können uns gar nicht an der schroffen Küste und den vom Wind aufgepeitschten Pazifik satt sehen. Wir sind doch schon etliche tausend Kilometer am Meer entlang gefahren, aber was wir hier sehen ist mit Abstand am Schönsten. Der Verkehr hält sich sehr in Grenzen, da die meisten am parallel verlaufenden Highway 101 fahren. So sind wir oft kilometerlang alleine auf der gewundenen Küstenstrasse und können die Ausblicke in vollen Zügen geniessen. Anstrengend ist es trotzdem, weil es selten Küstenstrassen gibt die flach sind und ausserdem ein stürmischer Gegenwind bläst. Die Temperaturen steigen trotz Sonnenschein nie so richtig an und auch im Sommer bekommt es hier nicht mehr als 20 Grad. Ausserdem kann es passieren dass ein zäher Nebel vom Meer her über die Küste zieht und man tagelang in der Nebelsuppe rumgurkt.
So gesehen sind wir recht glücklich, denn die meiste Zeit scheint die Sonne. Aber kalt ist uns trotzdem ständig. Am Abend geht es für uns immer schon recht zeitig in den Schlafsack, denn irgendwie geht uns die Kälte echt an die Knochen. Welch schönes Gefühl das ist, wenn die Zehen nach einer gefühlten Ewigkeit wieder auftauen und einem schön wohlig warm wird und man seinen gesamten Körper wieder spüren kann.
Am Morgen dann gleich das erste Fitnessprogramm, nämlich Ankleiden.
Es ist gar nicht leicht, wenn sich zwei Erwachsene auf knapp 3 Quadratmetern nebeneinander anwurschteln. Da wird geschubst, gerempelt und gestossen weil einfach zu wenig Platz ist.
Beinlinge, Radhose,  kurze Hose darüber, Radtrikot, Ärmlinge, Langarmtrikot, Windweste, Merinowollweste und eventuell noch die Regenjacke, dann Kappe oder Haube und fertig ist das Michelinmanderl.Unglaublich was man alles an Kleidung in so ein kleines Zelt stopfen kann. Naja, wenigstens ist uns danach immer warm, bewegen kann man sich zwar fast nicht mehr, aber auch egal.
Auch die Körperpflege reduziert sich auf ein Minimum, den Zahnfleisch wegzischen und Kryotherapie im Gesicht machen einen wach, aber angenehm ist es nicht.
Gegen den immer intensiver werdenden Körpergeruch klatschen wir jeden Morgen eine neue Schicht Deo Roll On unter unsere Achseln und gut ist es.
Wobei man aber anmerken muss, dass die Infrastruktur gerade am Highway 1 und auch später auf der 101 wirklich ausgezeichnet ist. Da gibt es kein mitschleppen von Futtervorräten, keine Sorge ob man auch genug Wasser mit hat, denn es gibt in vernünftigen Abständen immer wieder kleine Grocery Stores oder Supermärkte.
Auch Campingplätze gibt es ausreichend, wobei man als Radtourist eigentlich nur die staatlichen Stateparks wirklich nutzen kann, ausser man ist Millionär. Verlangen doch die kommerziellen RV Parks bis zu 40$ pro Nacht, nur damit man sein Zelt auf einem vertrockneten Platzerl aufstellen darf. Sonst darf man sich nicht all zuviel erwarten und eine Campkitchen oder einen Aufenthaltsraum sucht man vergeblich. Es ist halt alles auf die riesigen Wohnmobile ausgerichtet und in diesen rollenden Häusern braucht man den ganzen Schnickschnack nicht, der für uns so wichtig wäre. Hauptsache es gibt Kabelanschluss auf jedem Stellplatz. Manchmal nehmen diese RV Parks gar keine Zelte mehr.
Nur zum Vergleich, wir bekommen schon ein Motel für 45$, inklusive Frühstück.
Die staatlichen Parks haben jedoch sogenannte Hiker Biker Sites, wo man pro Person 5$ oder 6$ bezahlt. Von Bundesstaat zu Bundesstaat sind diese jedoch verschieden angelegt. In Kalifornien zum Beispiel sind die Hiker Biker Sites immer neben dem Klo, Wasser ist gleich um die Ecke und alles darauf ausgelegt, dass man sich nach einem anstrengenden Tag nicht mehr all zuviel bewegen muss. In Oregon hingegen machen sich es die Betreiber anscheinend zum Spass die HB Sites so weit wie möglich von allem und jedem zu errichten. So spielen wir bei unserer Ankunft immer das Spiel „Such das Zeltplatzerl“. Einmal schaffen sie es im Nehalem Statepark in der Nähe von Astoria , dass das Häusl 800 Meter entfernt ist. Eindeutig zu weit um in der Nacht schnell mal auf´s Klo zu gehen. So werden halt die umliegenden Büsche ausgiebig bewässert. Zur Verteidigung muss man aber anmerken, dass es in Gehweite in grausliches Dixiklo gibt.

So radeln wir jeden Tag gemütlich um die 80 Kilometer, haben eine Menge Höhenmeter zu bewältigen und mühen uns ein wenig mit dem Gegenwind ab. Spass macht es trotzdem.
Sobald aber der Highway One endet und man auf dem 101 weiterfahren muss, ist es mehr oder weniger vorbei mit der Idylle, da der Verkehr wieder merklich zunimmt und das ist immer so etwas wie eine Spassbremse für uns.
Anfänglich kann man noch schöne Nebenstrassen nutzen, die unter anderem auch zur Avenue of the Giants führt, wo wir wieder an riesigen Redwoodbäumen vorbeifahren.
Immer weiter geht es für uns nach Norden durch Kalifornien und Oregon. In Astoria verlassen wir die Küste und das nächste Mal werden wir das grosse Wasser erst wieder in New York sehen.
Traurig sind wir darüber aber nicht besonders, denn schon wenige Kilometer vom Meer entfernt lässt der Wind nach und es ist gleich nicht mehr so kalt.
Entlang das mächtigen Columbia Rivers fahren wir noch ein Stückchen in Oregon nur um dann über eine Brücke die uns in das Städtchen Longview führt, nach Washington zu strampeln.
Die Temperaturen steigen sogar bis über 25 Grad und wir geniessen es einfach nur in der Sonne sitzen zu können.
Ausserdem sind wir nicht so die „Meertypen“ sondern uns sagen eher die Berge zu und da hat es schon ein paar in Washington. Schon von weitem sehen wir den flachen Bergkegel des Mount St. Helens der ja ein Vulkan ist und vor 35 Jahren quasi sein Spitzerl nach einem gewaltigen Ausbruch verloren hat. Waren eh nur schlappe 400 Meter welche der Berg danach niedriger war. Fast daneben thront der schneebedeckte Mount Rainier und unsere Herzerln machen einen Extrasprung bei diesem herrlichen Anblick.
Die frühsommerlichen Temperaturen lassen uns wieder schön schwitzen. So macht Radfahren Spass.
Auf unserem Weg nach Montana müssen wir noch über die Sierra Cascade und auf unserem Weg über den White Pass begleitet uns ein leichter Nieselregen. Man muss es ja nicht gleich übertreiben mit dem schönen Wetter.
Alle Leute die wir treffen, sagen uns dass es auf der anderen Seite ja sowieso viel besser ist, denn da regnet es fast nie und es ist viel trockener. Optimistisch blicken wir auf der Passhöhe in eine dicke Wolkendecke. Wenn die Leute sagen dass es hier fast nie regnet, dann wird das schon stimmen.  Blöd nur das es die ganze Nacht durchregnet und die Temperaturen wieder in den Keller sinken. Am Morgen steht der halbe Campingplatz unter Wasser und wir bereiten unser Frühstück am einzigen Platz zu, der überdacht ist. Nämlich am Häusl.
Über das „Welcome Spring“ Schild  das am Stadteingang von Yakima angebracht ist, können wir nur lachen. Ja wo ist denn nun der blöde Frühling?
Statistisch regnet es hier im Mai 2,7 Tage. Wir sind nun 3 Tage da und es regnet die ganze Zeit. Komisch.
Aber im trockenen Motelzimmer ist das alles nicht so schlimm und der Wetterbericht für die nächsten Tage verspricht Sonnenschein und Temperaturen um die 27 Grad.
Na da kann ja gar nichts mehr schief gehen auf unserem Weg nach Montana.
Oder?



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