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Neuseeland II

30.12.2014 - 29.01.2015 Auf der Südinsel oder Grabenkämpfe mit dem Touristenstrom!



„So ein Scheiss, ein blöder!“. Das Vorderrad gräbt sich tief in den von den Autos aufgewühlten Schotter und immer wieder rutschen wir mit unseren Lasteseln herum als fahren wir auf Glatteis.
Dazu kommt noch allerfeinstes Wellblech, dass es uns fast die Plomben raushaut. Blöde Autos.
Die Sonne knallt auf unsere Schädel und der Schweiss fliesst in Strömen. Die Haxen brennen wie Feuer, da es teilweise Steigungen mit bis zu 18 Prozent gibt und auf losem Schotter ist das kein Kinderfasching. Unsere Schuhe sind pitschnass, da wir durch etliche Flüsse waten haben müssen und überhaupt und sowieso stehen wir kurz vorm Kolbenreiber.
Sobald wir aber anhalten und uns umschauen, sind mit einem Schlag alle Strapazen vergessen, denn uns bietet sich ein allerfeinstes Panorama, mit schroffen Bergen, tiefblauem Himmel, saftig grünen Wiesen, wilden Bächen, ein paar verstörten Schafen und noch verstörteren Kühen, die uns zuerst misstrauisch beäugen und dann in heller Panik davonlaufen. Ausserdem herrscht wunderbare Ruhe und wir fühlen uns so richtig wohl in unserer Haut und sind froh dem ganzen Massentourismus entflohen zu sein.
Dank einer netten Schottin, die schon etliche Jahre in Neuseeland lebt und schon fast das ganze Land mit ihrem Tourenfahrrad erkundet hat, bekommen wir den Tipp den Rainbow Trail zu fahren.
Dieser Trail führt über einen Pass von der kleinen Ortschaft St. Arnaud im Norden der Südinsel, nach Hanmer Springs, wo es wie der Name schon sagt, heisse Quellen gibt. Da man nur mit einem Allradgängigen Fahrzeug die Strecke befahren kann, sehen wir ausser ein paar Kiwis (also jetzt die Neuseeländer, nicht die Viecherln) in ihren Autos ansonsten niemanden. Das ist uns bei weitem lieber als die unzähligen gemieteten Vehikel, wo von chinesischen Grossfamilien im Riesenwohnmobil bis hin zum abgegrindelten Backpacker in rostigen Klappermühlen alles dabei ist und auf den restlichen (asphaltierten) Strassen Neuseelands herumkurvt. Die meiste Zeit sind wir auf den knapp 100 Kilometern alleine. Herrlich.
Unser Nachtlager schlagen wir etwas vor der Passhöhe, auf einem der staatlichen Campingplätze, auf und geniessen die Sonne, die Berge und das Leben an und für sich.
Am nächsten Morgen erklimmen wir den Pass und dann rollen und schlittern wir gemütlich nach Hanmer Springs.
Die Piste spuckt uns dreckig und verstaubt direkt im Zentrum des Örtchens aus und wir kommen uns ein bisschen vor wie Ausserirdische unter den unzähligen sauberen und gutriechenden Touristen, die sicherheitshalber einen Meter Sicherheitsabstand von uns halten, damit sie nicht schmutzig werden. So haben wir halt mehr Platz.
Am Campingplatz angekommen müssen wir gleich mal Erste Hilfe bei unserem Zelt leisten, denn
durch die aggressive UV Strahlung dürfte sich das Aussenzelt im Laufe der Zeit einen schweren Sonnenbrand eingefangen haben und irgendwann reicht es auch dem besten Zelt und sagt sich: „Genug ist genug, ich reiss mich nicht mehr zusammen, sondern reiss einfach mal auf!“.
Das Material ist schon so spröde, dass sich beim Einfädeln der Zeltstange im Aussenzelt ein 30 Zentimeter langer Riss bildet. Na hoffentlich fängt es nicht zu regnen an.
Notdürftig versorgen wir den Schaden mit den mitgelieferten Flicken, aber wir werden uns in Christchurch, das ja nicht mehr all zu weit entfernt ist, um Ersatz umschauen müssen.

Die restlichen 150 Kilometer bis in die Stadt gestalten sich unspektakulär.
Christchurch, das ja durch ein Erdbeben im Jahr 2011 schwer in Mitleidenschaft gezogen worden ist, erscheint in manchen Teilen der Stadt so, als ob das Beben erst gestern stattgefunden hätte. Sogar im Zentrum gibt es noch eine Menge zerstörter Gebäude und die eingestürzte Kathedrale zeugt stumm von den verheerenden Momenten. Ehrfürchtig wandeln wir durch die Strassen und uns wird wieder einmal bewusst wie klein und verletzlich man letztendlich ist.

Da in Christchurch auch der Vertriebspartner von Exped, der Marke unseres Zeltes sitzt, versuchen wir unser Glück direkt vor Ort um mal zu schauen, was man denn mit unserem sonnenverbrannten Aussenzelt noch machen kann. 5 Jahre Garantie hätten wir ja.
Wie wir unser Zelt vor dem kompetenten Verkäufer (gleichzeitig Vertriebspartner) ausbreiten, achten wir gespannt auf seine Reaktion. Den Gesichtsausdruck kenne wir nur zu gut aus unserem Berufsleben und da ja oft ein Blick mehr als tausend Worte sagt,wissen wir sofort bescheid. Quasi hoffnungsloser Fall mit null Überlebenschancen.
Er rät uns Kontakt mit der Zentrale in der Schweiz aufzunehmen, was wir ja schon längst gemacht haben. Anscheinend ist es aber so, dass man dort nicht gerne mit dem „Fussvolk“ kommuniziert. Ist wahrscheinlich zu lästig. Es vergehen einige Tage ohne etwas von den Eidgenossen zu hören.
Somit beschliessen wir einfach ein neues Zelt zu kaufen und das „verbrannte“ nach Hause zu schicken. Interessanterweise bekommt der Vertriebspartner der ebenfalls eine Mail geschickt hat innerhalb von 24 Stunden prompt Antwort, die besagt dass jegliche Garantie ausgeschlossen ist, weil ja Gebrauchsgegenstand und sowieso. Ist ja nett dass wir das über drei Ecken erfahren. Uns benachrichtigt man natürlich nicht, wir haben das Drecksding ja nur bezahlt.  Erst auf meine dritte (etwas kritischere) Mail wird dann dafür innerhalb von 12 Stunden gleich zweimal geantwortet. Anscheinend fühlt sich der Product Manager etwas auf den Schlips getreten und schreibt uns einen Vortrag über die UV Strahlung in Australien und Neuseeland. Was die aber immer gleich so beleidigt sein müssen.
Wie ob und wann wir ein neues Aussenzelt bekommen, das erfahren wir natürlich nicht.
Denn mit einer neuen „Haut“ hätten wir wieder ein Ersatzzelt für das jetzige Zelt, dass wahrscheinlich auch wieder Sonnenbrand bekommen wird.
Geduldig warten wir immer noch auf eine Antwort.
Ich hoffe nur die Freunde bei Exped werken nicht auf die gleiche Weise wenn sie irgendeine professionelle Expedition,zum Beispiel zum Nordpol, auf den K2 oder in den brasilianischen Dschungel unterstützen. Wobei ich noch nie gehört habe, dass die so etwas machen. Ist wahrscheinlich auch zu lästig.
Sei es wie es sei, wir schützen nun unser neues Eigenheim (das dritte auf dieser Reise) mit einem riesigen Sonnensegel vor jeglicher UV Strahlung, dass es dem Herrn Product Manager bei Exped wahrscheinlich die Freudentränen in die Augen treiben würde, bei diesem Engagement unsererseits.

Mit neuem Haus machen wir uns von Christchurch auf, um weiter Richtung Süden zu pedalieren.
Unser Ziel heisst Curio Bay, dem südlichsten Punkt unserer gesamten Reise. Es ginge noch ein paar Kilometer südlicher, nämlich zum Slope Point, der auf einer geschotterten Stichstrasse liegt. Da wir aber nicht unbedingt Freunde von Strassen sind, die man wieder zurück fahren muss, nur damit man sagen kann: „Hossa, wir waren am südlichsten Punkt Neuseelands! Wir sind die Besten!“. Lassen wir das sein, aus dem Alter sind wir längst heraussen.
Curio Bay ist südlich genug für uns und wirklich ein Highlight. Dort gibt es auf der einen Seite der Bucht Delfine, die in den Wellen keine 10 Meter vom Strand entfernt surfen und herumhupfen wie die Wilden, und auf der anderen Seite einen versteinerten Wald bzw. das was davon übrig geblieben ist. Genau dort haben auch die seltenen Gelbaugenpinguine eine kleine Kolonie. Ausserdem gefallen uns die schroffen Klippen, das raue Klima, das Ungezähmte und das Wilde an dieser Gegend.
Die 500 Kilometer von Christchurch bis hierher waren dafür eher mau und langweilig und ich muss ehrlich gestehen, wir haben uns ein bisschen mehr erwartet, bei all den Lobeshymnen die wir  über die Südinsel Neuseelands  bisher gehört haben. Wobei wir da ja etwas befangen sind, weil wir ja doch schon so einiges gesehen haben auf dieser schönen Welt. Ich sag nur vier Jahre Engadin legen die Latte für schöne Berge und atemberaubende Landschaften ganz schön hoch. Oder wenn wir nur an die Rocky Mountains oder die Anden zurück denken. Da ist das Gehirn gnadenlos.
Was noch erschwerend dazu kommt und ziemlich nervt, sind die unzähligen (mehrheitlich Deutsch sprechenden) Touristen,  die voller Urlaubsglückshormone sind und sowieso alles toll und super finden und von jedem noch so kleinen Bächlein schwärmen, dass sie zu Hause nicht einmal eines Blickes würdigen würden. Auch da ist das Hirn gnadenlos.Ich sag nur blöde Hormone.
Überhaupt die Masse an Touristen die man an all den vielen touristischen Punkten antrifft, machen das Reisen hier etwas anstrengend. Man muss aber auch fairerweise anmerken, dass gerade jetzt Hochsaison ist. Trotzdem ist es nicht lustig, sich auf den Campingplätzen in den meist gut ausgestatteten Küchen, mit Horden von hungrigen Touris, Grabenkämpfe um einen freien Platz am Herd zu liefern. Unsere bewährte Taktik diese Kämpfe zu umgehen heisst „Linner“. Bei uns geht man brunchen, in Neuseeland gehen zwei hungrige Roadrunners linnern. Sprich wir machen eine Mischung aus Lunch und Dinner, was heisst dass wir meistens so gegen 16 Uhr unser Linner einnehmen. Das hat den Vorteil, dass meistens der Caravanpark noch recht einsam ist, weil ja alle auf Sightseeingtour sind. Somit haben wir meistens die gesamte Küche für uns alleine und wenn die Massen dann so gegen 18 Uhr eintrudeln, liegen wir schon gemütlich mit vollen Bäuchen in unserem Zelt.
Das gleiche am Morgen. Bei uns ist um 6:30 Uhr Tagwache. Viel zu früh für den gemeinen Neuseelandbesucher. Und Bingo, wir haben wieder die gesamte Küche für uns. Wenn wir dann so gegen 8:30 Uhr abrauschen, sehen wir die ersten verschlafenen Köpfe aus den Zelten oder Wohnmobilen schauen. Somit bewegen wir uns in einer Art Parallelwelt und bekommen so gar nicht soviel vom Trubel auf den Caravanparks mit.
Wir für uns haben jetzt festgestellt, dass Neuseeland bisher ganz nett war, aber extra dafür 24 Stunden in einer fliegenden Sardinenbüchse zu verbringen, nur damit danach sagen kann, dass es ja eh so ähnlich wie bei uns ausschaut, wäre es uns nicht wert.

Ausserdem ist uns das Wetter etwas zu unbeständig und auf was man sich beim Wetterbericht verlassen kann, ist dass man sich nicht darauf verlassen kann. Wahrscheinlich lesen die hiesigen Meteorologen den Kaffeesud oder befragen ein Orakel, denn hier gibt es so viele  unsichere Komponenten die kein Supercomputer der Welt in ein ordentliches Wettermodell umwandeln kann.
So kann es vorkommen, dass man verdutzt seinen Kopf aus dem Zelt steckt und einem die Sonne auf die Birne knallt, obwohl Starkregen angesagt ist. Oder man ist nass bis auf die Knochen und kann es eigentlich gar nicht glauben, weil eine Regenwahrscheinlichkeit von 0,003 Prozent prognostiziert war und laut genauem Onlineregenradar in Echtzeit es ja gar nicht regnen dürfte.
Also ich möchte nicht in der Haut eines neuseeländischen Meteorologen stecken.
Wahrscheinlich hausen die irgendwo gut abgeschirmt in einer Art Kommune, damit sie ja nicht mit der Aussenwelt in Kontakt kommen, denn sonst würden sie wahrscheinlich sofort gelyncht werden.
Wir trotzen aber tapfer allen Wetterkapriolen und arbeiten uns immer weiter Richtung Westküste.
Schon bald nach Invercargill sehen wir auch schon die ersten Berge und unser Herz schlägt seit längerer Zeit das erste Mal wieder etwas höher. Vor allem die Landschaft um Te Anau, von wo es zum Milford Sound geht, gefällt uns echt gut.
Aber auch unser Weg auf der guten Piste nach Queenstown über den Mavora Lake bildet ein bisheriges Highlight. Die beiden Seen liegen etwas abseits in einem Tal und dank Kaiserwetter spiegeln sich die umliegenden Berge im glasklaren Wasser. Wir nutzen die hochsommerlichen Temperaturen und nehmen ein erfrischendes Bad. Den Nachmittag verbringen wir damit, vor unserem Zelt zu sitzen, uns von der Sonne trocknen zu lassen und dem plätschern der Wellen zu lauschen. Schön diese absolute Ruhe. Wie man sieht gibt es ja doch noch ein paar Fleckchen die von den Massen verschont werden.
Der nächste Tag holt uns aber wieder in die Realität zurück, denn wir schippern mit dem hundertjährigem Dampfschiff TSS Earnslaw  über den grossen Wakatipu See nach Queenstown, dem wahrscheinlich touristischste Städtchen Neuseelands. Hier kann man so ziemlich jeden Blödsinn, angefangen von Bungeejumping bis hin zu Jetbootfahrten machen, und das zu horrenden Preisen. Wir verlassen aber fast fluchtartig den Ort, denn plötzlich von der Stille in den Trubel gestossen zu werden ist nicht lustig.
Da ist es hier in Cromwell, 70 Kilometer weiter, schon wieder viel entspannter.
Wir nehmen jetzt mal ein paar Tage die Beine hoch und warten auf unseren Besuch.
Denn für die nächsten sechs Wochen heisst es dann „2 Roadrunners with 1 Guestroadrunner on Tour“.
Wir freuen uns schon riesig zu dritt das Land unsicher machen zu können, doch davon das nächste Mal mehr.


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