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Neuseeland I

15.12.2014 - 29.12.2014 Von Auckland nach Picton oder Hallo Neuseeland!


Schon beim Landeanflug auf Auckland sehen wir das üppige Grün der Nordinsel.
Das ist echt mal Balsam für unsere Augen, denn während unserer Zeit in Australien haben wir uns zu Spezialisten was Brauntöne betrifft entwickelt.
Jede noch so kleine Abstufung ist uns aufgefallen und oft haben wir stundenlang über beige und ocker philosophiert. Doch nun ist Schluss damit. Grün ist hier die dominierende Farbe.

Die Einreise verläuft unproblematisch und keine der Schauergeschichten über konfiszierte dreckige Zelte oder Fahrräder bewahrheitet sich.
Ich muss aber auch sagen, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und die Fährräder blitzeblanke geputzt, sodass sie fast wie neu ausschauen.
Dafür ernten wir sogar ein Lob vom Herrn Inspekteur und kurz später stehen wir in der Ankunftshalle des Auckland International Airports.
Welcome to New Zealand.
Die ersten zwei Kilometer im 19ten Land unserer Reise legen wir zu Fuss zurück, denn wir haben absolut keine Lust die Fahrräder direkt am Flughafen zusammenzubauen und beschliessen daher unsere verpackten Drahteseln und unser Gepäck mit den Flughafentrolleys ins nahe Hotel zu schieben, dass wir für die erste Nacht gebucht haben.
Jetzt ist so ein Flughafentrolley ein ziemlich bockiges Ding und eher nicht dazu gemacht über Gehsteige und vierspurige Strassen zu rumpeln, weil kleine Räder und jeder Stein wie Notbremse. Das macht uns aber gar nix und so schieben, zerren und ziehen wir unser gesamtes Hab und Gut bis direkt in das Hotel. Also ehrlich, radfahren ist dreimal besser.

Schon Tage vor unserer Ankunft haben wir mit Grauen die Wettervorhersage verfolgt.
Ich sag nur Dauersiffer. Nicht ein bissi Regen, nein Vollschütter sagt der Herr Wettermann an, und das für die nächsten zehn Tage. Na super.
Eigentlich sollte es ja laut Wetterbericht bei unserer Startetappe voll schütten……tut es aber nicht, es scheint sogar mal ganz kurz die Sonne. Als ich dann mal einen Kiwi frage wie des denn mit dem Wetter hier so ist, lächelt der nur vor sich hin und sagt so etwas wie : „Yuuuu, nivverr knooww in Niw Ziileend“.
Hääää?? Was spricht denn der für eine lustige Sprache. Englisch mit Sicherheit nicht.
Nach ein paar weiteren verwirrenden Konversationen finden wir uns damit ab, dass die Kiwis erstens unberechenbares Wetter haben und ein Englisch das auf keine Kuhhaut geht.
Gleich am darauf folgenden Tag das nächste einschneidende Erlebnis.
Es schüttet wie aus Schaffeln, obwohl kein Regen vorausgesagt wäre und kurzerhand entschliessen wir eine Cabin zu mieten, da wir absolut keine Lust auf nasse Füsse haben.
Bei der Frage wieviel die Cabin denn kostet, fragt mich die Besitzerin ob wir „biiding“ haben.
Also so eine Frechheit, so in der Privatsphäre herumzustochern und wissen zu wollen ob wir Petting machen. Wutentbrannt will ich schon das Weite suchen, bis Heidi mich aufklärt und meint dass die Gute nur wissen will ob wir unser eigenes Bettzeug, sprich „bedding“ mithaben. Ach so. Na sicher doch!
Seither führt nur mehr Heidi die Preisverhandlungen auf den Campingplätzen weil ich immer nur Bahnhof beziehungsweise Petting verstehe.

Ein paar Mal regnet es uns noch auf das Kopferl, aber nach insgesamt drei durchwachsenen Tagen präsentiert sich Neuseeland von seiner schönsten Seite. Blauer Himmel, sommerliche Temperaturen bis 30 Grad, angenehmer kühlender Wind von hinten und eine wunderschöne Landschaft.
Sanfte grüne Hügel zieren die Landschaft und es würde einem wirklich nicht wundern wenn plötzlich ein Hobbit über die Strasse hoppelt.
Auch der Verkehr hält sich in Grenzen und wir müssen feststellen, dass der schlechte Ruf der Neuseeländer was das Verhalten gegenüber Radfahrern betrifft, in Wirklichkeit gar nicht so schlimm ist. Die meisten fahren geduldig hinter einem her, wenn sich keine Möglichkeit zum Überholen bietet und lassen dann auch genügend Abstand wenn sie vorbeifahren. Das hätte es in Australien nicht gegeben.
Einmal passiert es uns aber doch, dass ein LKW extrem knapp an uns vorbeizischt. Wir spulen natürlich wieder das gewohnte Programm mit hupen, schimpfen, winken und wild in der Luft herumfuchteln ab. Keine fünf Kilometer kommt uns eben dieser LKW wieder entgegen. Der Fahrer hält abprubt an, sprintet auf unsere Strassenseite und entschuldigt sich vielmals für sein Verhalten und wünscht uns obendrein noch Frohe Weihnachten. Also so etwas ist uns bisher auf der ganzen Welt noch nicht passiert.

Unsere Route führt uns auf den „Forgotten World Highway“ und ein paar Mal kommen wir uns wirklich ein wenig forgotten vor. Es herrscht fast kein Verkehr, denn man ist komplett weg vom Hauptverkehrsstrom, die Strasse schlängelt sich über etliche Hügel durch üppigste Vegetation die schon fast tropisch anmutet. Riesige Farne zieren den Weg und ab und an plätschert ein kleiner Wasserfall durch die Gegend. Echt schön hier.
Wir kommen in das kleine Dorf Whangamomona, in dem exakt 46 Leute wohnen und befinden uns plötzlich nicht mehr in Neuseeland. Dies wird auch auf riesigen Schildern am Ortseingang klar gemacht und man wird darauf hingewiesen, dass man sich in der Republik Whangamomona befindet.
Weil im Jahr 1989 die Bezirksgrenze verschoben wurde und das bedeutet hätte, dass die Leute von Whangamomona nun zu einem anderen Bezirk gehört hätten und dadurch auch für ein anderes Rugbyteam spielen hätten müssen, haben sich die Bewohner kurzer Hand entschlossen eine eigene Republik mit allem drum und dran zu gründen. So gibt es alle zwei Jahre einen Republic Day, wo tausende von Menschen  aus ganz Neuseeland in das kleine Kaff strömen um dabei zu sein wie Opossums gehäutet werden, Schafe durch die Strassen getrieben werden und ganz wichtig, ein neuer Präsident gewählt wird. Der erste Präsident war ziemlich lange im Amt und hat die Geschäfte geschickt von seinem Wohn- und Arbeitsplatz, nämlich einer Wiese gelenkt. Es handelte sich um ein…….Schaf. Der zweite Präsident war eine Ziege.
Also Humor haben sie die Neuseeländer, das muss man ihnen lassen.

Weiter geht es Richtung Südwesten und schon bald erblicken wir in der Ferne den imposanten Kegel des über 2000 Meter hohen Mount Taranaki. Wir haben echt Glück und können dank des perfekten Wetters den Vulkan in seiner vollen Pracht bewundern. Nicht ein Wölkchen trübt den Himmel und gibt uns Blicke aus allen erdenklichen Perspektiven. Neuseeland gefällt uns echt gut.
Überhaupt ist das Wetter viel besser als erwartet. Täglich fliessen literweise Schweiss auf den Asphalt und wir müssen ganz schön saufen um den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen. Da kommt es uns gerade recht, dass sie in den Supermärkten österreichisches Bier verkaufen.
Es gibt nämlich fast nichts schöneres als nach einem anstrengenden Tag ein kühles (gutes) Bier zu zischen.
So vergehen die ersten zwei Wochen wie im Flug. Weihnachten geht so gut wie spurlos an uns vorüber, da wir auch an den Feiertagen im Sattel sitzen um unsere gebuchte Fähre auf die Südinsel, die von Wellington abfährt, zu erreichen.
Jetzt in der Hochsaison scheint jeder in Neuseeland irgendwohin in den Urlaub zu fahren, dazu kommen noch die unzähligen Touristen die das Land fast überschwemmen. Da kann man sich wahrscheinlich vorstellen, dass einiges los ist und es gar nicht so leicht war ein günstiges Fährticket zu ergattern.
Aber wo ein Wille da ein Weg und so stehen wir pünktlich am Fährableger in Wellington.
Nun geht es mal gemütlich mit dem Schiffchen nach Picton auf die Südinsel und dort machen wir mal ein paar wohlverdiente Ruhetage und schauen dann was uns so erwartet.
Laut Neuseeländern soll es hier ja noch schöner sein.
Na da sind wir ja gespannt.



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