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Australien VI

14.11.2014 - 15.12.2014 Von Melbourne nach Adelaide oder Tschüss Australien

Gleich mal vorweg.
Die Fährfahrt von Tasmanien nach Melbourne geht problemlos über die Bühne.
Keine Leibesvisitationen, keine Verhöre, rein gar nichts.
Wir agieren nach dem Motto: „ Was der Herr Securitymann nicht weiss, macht ihn auch nicht heiss“.
Dieses mal sind wir nämlich nicht so blöd und stellen unsere Totenkopfflasche mit dem Benzin offen zur Schau, sondern packen sie einfach in eine Packtasche und schon ist das Problem aus der Welt.
Was man da jetzt über die Sicherheitsmassnahmen denken soll, bleibt jedem selbst überlassen.

In Melbourne angekommen müssen wir uns mal mental auf die letzten 1200 Kilometer nach Adelaide vorbereiten, denn ehrlich gesagt sind wir schön langsam „Australienmüde“.
Immer öfters sind wir mit unseren Gedanken schon in Neuseeland und auch unsere Augen brauchen mal ein bisschen Abwechslung.
Da kommt aber die Great Ocean Road gerade recht, denn in allen Reiseführern wird sie als eines der Tophighlights einer Australienreise angepriesen.
Dementsprechend hoch sind auch unsere Erwartungen.
Aber ehrlich gesagt, wenn man jetzt nicht dort war, hat man meiner Meinung nicht so viel versäumt.
Klar hat man immer wieder ein paar spektakuläre Abschnitte, aber deshalb um die halbe Welt zu fliegen, erscheint uns ein wenig übertrieben.
Die berühmten „zwölf Aposteln“, riesige Sandsteintürme die der Steilküste ein wenig vorgelagert der Brandung trotzen, reissen die Sache aber wieder ein wenig heraus.
So sehr wir uns aber auch bemühen, wir zählen gerade mal vier Aposteln. Wir fragen uns nur wo die anderen acht hin sind? Mittagspause, Betriebsausflug oder Burnout wegen Unterforderung. Weil einfach nur so im Meer rumzustehen ist ja auch nicht das gelbe vom Ei.
Sei es wie es sei, schön sind sie trotzdem anzuschauen die vier Aposteln.

Erschwerend dazu kommt noch, dass es fast jeden Tag regnet. Ich weiss, ich habe das schon so oft geschrieben, aber irgendwie geht uns das Wetter in Australien ziemlich auf den Wecker.
So etwas unbeständiges haben wir bisher noch nirgendwo erlebt.
Da kann es passieren dass es einen Tag 31 Grad hat und du schwitzt wie ein kleines Schweinderl,aber keine zwölf Stunden später hat es nur mehr 16 Grad und ein kalter Wind aus der Antarktis weht dir um den Schädel dass du glaubst gibt es nicht.
Glücklicherweise haben wir die meiste Zeit auf unserem letzten Abschnitt Rückenwind und die Räder flitzen nur so dahin. Denn sobald wir die Great Ocean Road verlassen, die eigentlich Great Wet Road heissen sollte, ist es bretteleben.
So schaffen wir an einem Tag einen unglaublichen 27iger Schnitt und fahren in fünfeinhalb Stunden 148 Kilometer. Das macht dann zugegebernmassen schon Spass.

Wir kommen in der kleinen Ortschaft Beachport vorbei, wo es einen Salzsee gibt in dem der Salzgehalt des Wasser sechs mal so hoch ist wie im Meerwasser. Diese Chance wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen um einmal wie ein Korken im Wasser herumzutreiben. Die Wetterbedingungen laden zwar überhaupt nicht zum Baden ein, weil wieder einmal Sturm, bewölkt und Temperaturen um die 15 Grad, aber in dem Fall ist uns das wurscht. Mit der Videokamera bewaffnet stehe ich am Seerand und gebe Heidi das Kommando zum Treiben. Die legt sich „gemütlich“ ins Wasser ……und säuft ab wie ein Stein.
Zwei andere Touris treiben neben uns wie Schlauchboote durch das Wasser und haben ihren Spass dabei. Nun bin ich an der Reihe ……und saufe ebenfalls ab wie ein Stein.
Wir probieren es immer und immer wieder und versinken jedes mal wie die Titanic. Jetzt schauen auch die anderen Touris blöd, weil so etwas bekommt man ja auch nicht alle Tage zu Gesicht, wie da zwei komische Gestalten der Physik trotzen. Nach ein paar erfolglosen Versuchen ist es uns dann endgültig zu blöd und auch zu kalt und so verlassen wir schwer geschlagen das Schlachtfeld.Unsere Theorie ist, dass es mindestens 2 Prozent Körperfett bedarf um zu treiben, und die haben wir nicht :-)
Wir beobachten noch eine Weile die beiden anderen, die alle nur erdenklichen Verrenkungen probieren um auch so wie wir unterzugehen,die schiessen aber jedes mal wieder wie ein Korken an die Oberfläche. Lustig.

Knapp vor Adelaide machen wir noch blöde Witze dass wir nun auch Australien trotz aller giftigen Viecherln überlebt haben. Keine Stunde später machen wir an einer einsamen Restarea Pause und mampfen genüsslich unsere Kekse.
Plötzlich hüpft Heidi wie ein kleines Rumpelstilzchen vom Bankerl und schreit halb Australien zusammen, ich habe natürlich nichts besseres zu tun und hüpfe ebenfalls wie ein grosses Rumpelstilzchen in der Gegend herum und schreie wie am Spiess obwohl ich nicht die geringste Ahnung habe warum sie so schreit, geschweige denn warum ich so brülle. Ich schreibe dieses Verhalten eindeutig dem Gruppendruck zu.
Bis ich aus dem Augenwinkel eine circa 1,5 Meter lange Brownsnake durch meine Füsse schlängeln sehe. Sogar den Luftzug ihrer flinken Bewegung kann ich an meinen Knöcheln spüren.
Jetzt muss man wissen, dass diese Schlangenart ziemlich giftig ist und wenn einem so ein Viecherl beisst, die Chancen den Löffel abzugeben relativ hoch sind.
Glücklicherweise verschwindet das Viech aber genau so schnell wie es aufgetaucht ist wieder im nächsten Busch und lässt zwei verdutzt schauende Radfahrer zurück.
Des öfteren haben wir Schlangen am Strassenrand oder noch weiter weg beobachtet, aber dass einem dann gleich so ein Viech durch die Haxen kriecht, dass brauchen wir dann auch nicht.

So wird uns wenigstens in den letzten Tagen nicht langweilig und Adelaide kommt immer näher.
Doch umso näher das Ende in Australien rückt, desto öfter denken wir auch an die letzten sechs Monate zurück. So lange wie hier, waren wir in noch keinem Land.
Über 10.000 Kilometer sind wir auf diesem Kontinent geradelt und doch sind wir erst bei der Hälfte angelangt. Eben diese extremen Distanzen haben uns gerade zu Beginn etwas zu schaffen gemacht. Aber da der Mensch ja ein Gewohnheitstier ist, macht es einem irgendwann nichts mehr aus, dass es halt 400 Kilometer bis zum nächsten Supermarkt sind.
An was wir uns bis zum Schluss absolut nicht gewöhnen können ist das Wetter und der Wind. Gewohnheitstier hin oder her.
Mit solchen Wetterkapriolen haben wir echt nicht gerechnet. Von Hagel, Starkregen, Sturm, Frost, Gewitter und extremen Temperaturschwankungen ist die ganze Palette vertreten.
Damit, dass die Australier keine Radfahrer mögen, haben wir uns bis ganz zum Schluss nicht abfinden können. Besonders rund um die grossen Städte, von denen es ja Gott sei Dank eh nur 6 in ganz Australien gibt, war es immer besonders schlimm und nicht nur einmal wurde uns der Stinkefinger gezeigt oder „nette“ Worte aus dem geöffneten Fenster zugerufen.
In solchen Situationen setzen wir auf Zeit, denn die meist ausgefressenen Autofahrer werden über kurz oder lang einen Schlaganfall, Herzinfarkt oder zumindest einen Diabetes Typ 2 mit eitrigen Zehennägeln bekommen. Das ist dann quasi unsere stille Rache, und da wir ja vom Fach sind, wissen wir ja was die „armen“ Schlucker erwartet.
Es ist aber so, dass Australien noch ein Entwicklungsland ist, was den rücksichtsvollen Umgang mit Radfahrern betrifft und ein paar Mal haben wir uns schon eine mittelschwere Erdölkrise gewünscht, damit die Idioten mal zu Fuss gehen oder eben auf das Fahrrad umsteigen müssen.
Aber das ist reines Wunschdenken.

So erreichen wir mit einem lachendem und weinendem Auge die Adelaide Hills,von denen wir einen schönen Überblick über die gesamte Stadt haben. Unglaublich, unsere Australienetappe ist tatsächlich zu Ende.
Es gibt aber einen bestimmten Grund warum wir bis nach Adelaide geradelt sind, und nicht gleich einen Flieger von Melbourne nach Neuseeland genommen haben.
Und dieser Grund heisst SCHWEINSBRATEN.
Ja, richtig gelesen. Für einen Schweinsbraten nehmen wir gerne 1200 zusätzliche Kilometer in Kauf. Oft hat uns eben dieses Stückerl Fleisch die nötige Motivation gegeben um an schweren Tagen weiter zu radeln.
In Adelaide wohnt nämlich Georg „das Phantom“, ursprünglich aus Eichgraben bei Wien nun schon seit 12 Jahren in Australien, und der hat uns schon seit langer Zeit diesen Festschmaus versprochen.
Ich kann euch nur sagen, wenn man für ein Schweinsbratl 32.200 Kilometer radelt, schmeckt dieser besonders lecker.
Als krönenden Abschluss gibt es noch eine Original Sachertorte und einen guten Kaffee.
Danke Georg, Rebecca, Laura und Phoebe, you made our day!!!

Leicht wird uns der Abschied wirklich nicht gemacht, denn auch das Wetter zeigt sich plötzlich von seiner besten Seite und wartet mit sommerlichen Temperaturen auf.
Dazu überschütten uns unsere Warmshowers Hosts Anthea und Steve mit Gastfreundschaft.
Ihr Haus liegt keine zwei Minuten vom herrlichen Strand entfernt und so geniessen wir immer den spektakulären Sonnenuntergang und machen kilometerlange Spaziergänge mit ihrem Hund „Blue“.
Ausserdem kommen wir in den Genuss mal SUPen ausprobieren zu können.
SUPen?? SUP bedeutet StandUpPadelling und ist eine recht lustige Sache wenn man es kann.
Heidi findet sich recht schnell mit der Materie zurecht und SUPt herum wie ein Profi.
Bei mir hat es anfänglich eher etwas mit FOFTB zu tun was soviel bedeutet  wie „FallingOftenFromTheBoard“.
Gleich ein paar Mal mache ich einen superben Bauchklatscher auf das Brett, nur um dann schmerzgekrümmt wie ein kleiner Schrimps ins Meer zu kullern.
Aber auch ich schaffe es nach einer Weile auf dem Board zu bleiben und ich muss sagen das SUPen macht richtig Spass.

Die beiden machen auch einen Ausflug mit uns in die angrenzende Weinregion und wir fahren von einem Weingut zum Nächsten und probieren ein paar edle Tropfen und geniessen die schöne Landschaft. Das Leben kann schon schön sein.

Aber wie das halt mal so ist, hat alles einmal ein Ende und so heisst es auch für uns Abschied nehmen.
Wenn wir nun zurück blicken, blicken wir auf 6 ereignisreiche, anstrengende und manchmal auch abenteuerliche Monate zurück. Nun heisst es aber den Blick nach vorne zu richten, denn das nächste Land wartet ja bereits und heisst Neuseeland.
Mit ziemlicher Sicherheit können wir aber sagen, dass wir nochmal nach Down Under zurück kommen, denn wir haben ja erst die Hälfte von Australien beradelt.
Und wer uns kennt, weiss dass wir keine halben Sachen machen :-)



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