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Australien V

Australien V
In Tasmanien
20.10.14 - 27.11.2014


UUPS, she did it again!

Sanft schaukelnd bringt uns die riesige Fähre mit dem klingenden Namen „Spirit of Tasmania“ von Melbourne auf einer elfstündigen Nachtfahrt nach Tasmanien, in den Hafen von Devonport. Beinahe wäre es aber gar nicht dazu gekommen, da ich nämlich beim Einchecken so etwas wie ein „Situation“ verursacht habe. Bekanntlich haben Lügen ja kurze Beine. In diesem Fall waren sie sogar sehr kurz. Um genau zu sein, ungefähr fünfundsiebzig Meter Luftlinie.
Im Prinzip habe ich ja auch nicht gelogen, sondern nur nicht alles erzählt.
Bevor man nämlich auf das Schiff darf, wird da ganz wichtig von siebzehn verschiedenen Securityleuten gefragt und auch kontrolliert was man denn so dabei hat.
Waffen? Explosive Stoffe? Gasflaschen?
Natürlich nicht. Oder schauen wir so aus, als ob wir  nichts besseres zu tun hätten, als ein Waffenarsenal und einen Gasgriller in unseren Packtaschen herum zu schleppen?
Die Benzinflasche für den Kocher „vergesse“ ich zu erwähnen und beinahe wären wir auch auf das Schiff gekommen…..bis zum letzten Checkpoint. Da steht ein ganz wichtiger Kerl und hat nichts besseres zu tun als unsere Räder genau zu betrachten. Blöd, dass die Benzinflasche knallrot ist und noch dazu ein schmucker Totenkopf auf dieser prangt. Können die nicht solche Flaschen in einem beruhigenden Pastellton färben und vielleicht noch irgendwelche Tierbabys darauf drucken?
Natürlich springt dem Kerl das Corpus Delicti gleich ins Auge, weil diese noch dazu recht schmuck im Flaschenhalter steckt.
Ziemlich streng fragt er mich, ob ich denn nicht gefragt wurde ob ich etwas explosives bei mir habe. Ich wende eine bewährte Taktik an und stell mich einfach mal tot und ignoriere den Wichtigtuer. Das macht ihn nur noch strenger und so stelle ich auf eine andere ebenso bewährte Taktik um und spiele den blöden Touristen.
„Ähh, etwas Explosives? Nein, aber Herr Security das ist doch nur Benzin für unseren Kocher. Das ist doch nicht explosiv, oder?. Hihi.“
Der findet das gar nicht lustig und quatscht irgendetwas in sein Funkgerät und sagt zu mir, so können wir nicht auf das Schiff, das ist viel zu gefährlich.
Glaubt der tatsächlich dass ich mich, mit den geschätzten zweihundertzwanzig Millilitern die noch in der Flasche sind, überschütte und als lebende Fackel auf die Brücke des Schiffes laufe um den Kapitän anzuzünden, damit ich nachher, natürlich schwer verbrannt, das Schiff kapere und nach Österreich zurück schippere?
Alles diskutieren hilft nichts, der Benzin muss weg. Ich biete an, ihn gleich vor Ort zu entsorgen, damit das Problem aus der Welt sei.
So einfach geht das dann auch nicht. Da wird mal eine zweite Kollegin geholt, die verschwindet mit der Flasche, wobei sie diese hält als sei es ein Atomsprengkopf.  Zehn Minuten später kommt sie wieder zurück und überreicht mir lächelnd die Flasche…..gefüllt mit Wasser. Verstehe das wer wolle, aber zumindest dürfen wir auf das Schiff und meine Benzin- bzw. Wasserflasche bekomme ich auch wieder.
Als ich dann noch frage ob sie denn die ganzen Autotanks auch mit Wasser auffüllen, weil da ist ja auch Benzin drinnen und somit extrem gefährlich, verschwindet ihr Lächeln in Sekundenschnelle und weicht einem vernichtendem Blick. Natürlich werden mein Name, meine Buchungsnummer und mein Vergehen aufgeschrieben. Auch nicht schlecht, jetzt stehe ich auf der Blacklist eines Fährunternehmens. Wir sind ja schon gespannt wie das beim Zurückfahren wird.
Erwähnenswert ist noch, dass auf das Schiff ungefähr 1218 Autos passen und wahrscheinlich genau so viele Motorräder, soll heissen es gibt recht viel Platz. An Fahrräder denkt aber wieder mal niemand und so werden unsere, mit noch drei weiteren Drahteseln direkt beim Eingang  behelfsmässig mit einer dünnen Schnur vertäut.
Was machen die bloss wenn da eine ganze Gruppe Australier auf Fahrradausflug nach Tasmanien fährt? Wobei wenn man genau nachdenkt, passiert so etwas wahrscheinlich nie. Ist einfach zu anstrengend, für die Aussies.

Die Fährfahrt an und für sich ist recht kurzweilig, weil wir bis Mitternacht im Bordkino Filme schauen und dazu die teuersten Popcorn ever, mampfen. Danach machen wir es uns in den „bequemen“ Sesseln der Holzklasse gemütlich und verbringen den Rest der Nacht damit, nicht von diesen zu rutschen oder einen Bandscheibenvorfall zu bekommen.
In Devonport angekommen empfängt uns für Tasmanien typisches Wetter. Leicht bewölkt, recht kühl und eine steife Brise weht uns ins Gesicht.
Auf der Fähre lernen wir Carmen und Andrew aus Deutschland kennen, die ebenfalls mit dem Fahrrad für drei Monate in Australien und Neuseeland unterwegs sind und beschliessen spontan ein Stückchen gemeinsam zu fahren.
Unser erstes Etappenziel heisst Narawntapu Nationalpark. Jetzt ist das schon schwer zu lesen, zum Aussprechen fast unmöglich ohne einen Knoten in der Zunge zu bekommen.
Am besten ist, man sagt: „Wir fahren in den  „I wanna poo“ Nationalpark.“
Was übersetzt soviel heisst, wie „Ich muss gacken Nationalpark.“
Wem bloss solche Namen einfallen?
Wobei irgendwie ist der Name gar nicht so unrichtig, denn sobald wir den Nationalpark mit dem netten Campingplatz erreichen, sehen wir überall soweit das Auge reicht, kleine Gackwürsterln herumliegen. Da dürfte ein ganz schöner Wildwechsel herrschen.
Und siehe da, als es zu dämmern beginnt sind wir regelrecht umzingelt von Wallabys, Kängurus und anderen kleinen Viecherln, die genüsslich auf Futtersuche sind und sich von ein paar Radfahrern nicht die Bohne stören lassen. Die Tiere sind keinen Meter von unserem Zelt entfernt und ab und an sieht man  ein kleines Kopferl von einem Babywallaby aus dem Beutel der Mama schauen. Sogar einen Wombat bekommen wir zu sehen und Heidi verfolgt das arme Tier gut einen halben Kilometer nur um ein schönes Foto zu bekommen. Auch unternehmen wir eine kleine Wanderung zum nahen Strand, der kilometerlang und menschenleer ist, und beim Rückmarsch beobachten wir gut fünfzig Kängurus die sich das saftige Gras schmecken lassen.
Ganz klar dass so ein Haufen Viecher auch viele Haufen produzieren.
Uns gefällt so etwas ausserordentlich gut, denn man ist mitten drinn, statt nur dabei.
Jetzt nicht die Haufen, sondern die Viecherln.
Am nächsten Morgen sind wir echt erstaunt über die milden Temperaturen, denn es hat immerhin zwölf Grad und das Zelt ist staubtrocken. Im Laufe des Tages wird es sogar so warm, dass wir schwitzen. Wie lange haben wir das nicht gehabt?
Das ändert sich aber ein paar Stunden später schlagartig, als ein gewaltiges Gewitter niedergeht und den halben Parkplatz des Supermarktes, in dem wir gerade einkaufen, unter Wasser setzt. Dazu gesellt sich noch ein netter Hagelschauer und die Temperaturen sind wieder in der für uns gewohnten Zone , nämlich im „Mir ist ein bissi kalt“ Bereich.
Am nächsten Tag lacht aber wieder die Sonne von einem wolkenlosem, blauen Himmel und wir geniessen die wärmenden Strahlen.
Über die nette Stadt Launceston geht es in einem ständigen auf und ab Richtung Ostküste und nach drei gemeinsamen Tagen verabschieden wir uns herzlich von Carmen und Andrew.
Wir schlagen unser Nachtlager bei einem Sportplatz auf und schlafen den Schlaf der Gerechten. Plötzlich schreckt uns ein lautes „PLOPP“ aus dem Träumeland.
Wüssten wir es nicht besser, würde man meinen ein überdimensionales Kukuruzkörnderl  (= Maiskorn) sei gerade zu einem Popcorn mutiert, mir aber kommt sofort der Song „OOPPS I DID IT AGAIN!“ von Britney Spears in den Sinn.
Da wir aber dieses Geräusch nun schon nur zu gut kennen, wissen wir auch gleich was es zu bedeuten hat. Nämlich Rückenschmerzen für die nächsten Tage.
Auf unserer, zugegebenermassen bequemen, Luftmatratze mit Daunenfüllung steht als Zusatz UL drauf. Das bedeutet jetzt nicht UltraLanglebig oder UnzerstörbareLiegefläche. Nein, es soll darauf hinweisen dass diese Ultralight ist.
Jetzt ist es aber so, dass Ultralight und Langzeitreise nicht unbedingt perfekt zusammen passen und so sind in den letzten vier Monaten vier Matten aufgeplatzt.
So auch in dieser Nacht und meine Matte hat wirklich Ähnlichkeit mit einem grossen Popcorn……nach einem schweren Autounfall.
In der Mitte hat sich die Lamellierung gelöst und ein dicker Hubbel zieht sich über die gesamte Länge der Matte.
Da rutscht man dann von einer Seite auf die andere und mit dem erholsamen Schlaf ist es vorbei.
Gut nur dass der Hersteller Exped auch ein sehr gutes Kundenservice in Australien bietet und nach nur vier Tagen herumrutscherei halte ich eine neue Matte in Händen.
Dieses mal aber nicht die UL Version. Schauen wir mal wie lange das Ding hält. 5 Jahre Garantie haben wir ja.
Entlang der Küste kommen wir in das kleine Ortschafterl Bicheno.
Dort soll es eine Menge Zwergpinguine geben, und die wollen wir natürlich zu Gesicht bekommen.
Jetzt hat man zwei Möglichkeiten.
Möglichkeit Eins: Man bucht eine Touritour für teures Geld und hatscht hinter einem Führer her.
Möglichkeit Zwei: Man sucht die Viecherln auf eigene Faust.
Es ist jetzt sicher nicht schwer zu erraten für welche Variante wir uns entschieden haben. Ein kleiner Tipp, Möglichkeit Eins ist es nicht.
 Wir lernen noch ein nettes Pärchen auf dem Campingplatz kennen, die schon am Vorabend Pinguine gesichtet haben und uns anbieten mit ihnen mit zu kommen. Dazu gesellt sich noch ein Paar aus Hongkong, die ebenfalls auf Fahrradweltreise sind.
So macht sich unsere illustre Runde in der Dämmerung auf, um Zwergpinguine zu suchen.
Ich komme mir vor wie ein Navy Seal, weil wir am Strand entlang schleichen als seien wir von einem Sonderkommando auf geheimer Mission. Kommuniziert wird nur über Zeichensprache und am Ende weiss keiner mehr was der eine vom anderen will. Was müssen diese Viecherln auch so schreckhaft sein?
Doch dann kommen tatsächlich mindestens zwanzig Pinguine bei völliger Dunkelheit von ihrem harten Arbeitstag im Meer zurück zum Strand und laufen ganz ungeniert über die Strasse.
Wir bleiben ungläubig stehen und schauen dem Treiben zu.
Anscheinend stehe ich genau im Weg, denn vor mir bleiben abprubt vier Tiere stehen.
Auge in Auge stehe ich nun den „riesigen“ Zwergpinguinen gegenüber.
Wer gibt als erster nach?
Ich bewege mich keinen Millimeter und nach einer Weile scheint es den Viecherln auch Wurscht zu sein, dass ich da in der Gegend rum stehe und so laufen sie ganz selbstbewusst über meine Füsse. Einer testet sogar meine Wade und zwickt mal ein wenig darauf herum. Kurz darauf sind die Pinguine wieder von der Dunkelheit verschluckt.
Solche Momente erfüllen uns mit absoluter Zufriedenheit und sind tausend Mal besser als die Tiere in einem Zoo hinter dicken Gitterstäben zu beobachten.

Die restliche Zeit in Tasmanien verbringen wir damit, wieder zu unserem Ausgangspunkt, nämlich nach Devonport, zurück zu radeln.
Zuerst geht es von Hobart zum Mount Field Nationalpark, wo es wunderschöne Wasserfälle, riesige Bäume und Glühwürmchen gibt.
Jetzt fliegen aber diese Glühwürmchen nicht so wie bei uns durch die Gegend, sondern sind richtige Würmer die in der Gegend rumleuchten.
Wieder einmal kommen wir uns vor wie bei den Navy Seals und versteckt hinter einem Baum warten wir auf die einbrechende Dunkelheit. Warum wir nur flüstern, wissen wir selber nicht, aber vielleicht sind ja die Würmer genauso schreckhaft wie die Zwergpinguine.
Sobald es dunkel wird, fängt es mitten im Wald überall in zartem Grün zu leuchten und zu funkeln an. Uns erinnert das irgendwie an eine Weihnachtsbeleuchtung, was ja auch zur Jahreszeit passen würde. Komischerweise interessiert sich ansonsten niemand für das Spektakel und so geniessen wir die absolute Stille und starren gebannt auf die Würmer.
Das hätten wir auch nicht geglaubt einmal in einem stockfinsteren Wald zu stehen und Würmer zu beobachten.

Danach geht für uns durch die Mitte Tasmaniens  über den Great Lake weiter Richtung Norden, der für uns jetzt gar nicht so gross scheint. Dafür erinnert uns die Landschaft da oben, wir sind immerhin auf über tausend Meter geklettert, sehr an Patagonien. Wir fühlen uns auf die Ruta 40 in Argentinien versetzt und erwarten jeden Moment irgendwo ein Guanaco oder ein Nandu durch die Gegend hüpfen zu sehen.
Auch der Wind passt fabelhaft zum Gesamtbild, denn es fegt seit drei Tagen schon wieder ein Sturm über unsere Köpfe, dass du glaubst gibt es nicht. Natürlich auch noch aus der falschen Richtung.
Dass ganz Australien inklusive Tasmanien so ein Windloch ist, davon schreibt natürlich wieder kein Reiseführer.
Da wird immer nur von idyllischen Stränden, herrlichen Gebirgszügen oder romantischen Küstenabschnitten geschrieben, von dem ständigen „Lüftchen“ kein Sterbenswörtchen.
Würde sich ja auch blöd anhören, wenn da geschrieben stünde: „Der idyllische Strand von Bicheno lädt gerne für ein paar Tage zum Verweilen ein. Das Meer spiegelt sich in der Sonne in den verschiedensten Blautönen und man kann so richtig die Seele baumeln lassen. Seien Sie aber bitte vorsichtig und nehmen Sie unbedingt Seile mit, damit Sie sich an einem Baum festbinden können, da es oft sehr starke Winde mit Böen über 270 km/h gibt.“
Auch peitschen immer wieder garstige Regenschauer über uns nieder und wir können gar nicht verstehen dass es in Australien ein Wasserproblem gibt. So viel Regentage hatten wir schon lange nicht mehr.
So erreichen wir nach zweieinhalb Wochen wieder Devonport und sind schon gespannt wie zwei Gummiringerln wie die Rückfahrt mit der Fähre nach Melbourne wird.
Danach treten wir zu unseren letzten 1000 Kilometern in Australien an, denn Adelaide ist quasi nur mehr einen Katzensprung entfernt. Einen australischen Katzensprung :-)



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