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Australien III

20.08.2014 - 01.10.2014  Entweder zuviel oder gar nix!

H2O oder besser bekannt als Wasser ist ein sehr bestimmendes Element während unseres Aufenthaltes in Australien. Entweder gibt es so gut wie keines und wir kommen uns vor wie zwei Kamele in der Wüste, wobei wir keine zwei praktischen Höcker als Wasserspeicher haben, sondern unsere Wasservorräte am Fahrrad befestigen müssen. Da wird dann mit jedem Tropfen sehr sparsam umgegangen und die Körperpflege auf ein Minimum zurückgeschraubt, weil trinken einfach viel wichtiger ist, als gut zu riechen. Wir greifen auf unsere altbewährte Deo Roll On Technik zurück, die wir schon erfolgreich in Kirgistan angewandt haben und jeden Tag wird eine neue, wohlduftende Schicht unter unsere Achseln geklatscht. Nicht so tragisch im Outback, weil da eh niemand wohnt. Blöd in den dicht besiedelten Gebieten. Ein guter Indikator für eine anstehende Dusche ist, wenn man durch den Supermarkt streunert und sich plötzlich die Leute naserümpfend umdrehen und wie Spürhunde in der Gegend herumschnüffeln oder kontrollierend unter den eigenen Achseln riechen ob es nicht sie selbst sind, die da so stinken. Meistens tritt dieses Phänomen nach ungefähr drei oder vier Tagen Duschabstinenz auf. Aber man muss halt Prioritäten setzen und wie sagt man so schön: „Dastunken ist noch keiner!“.
Das andere Extrem ist dann, dass es zuviel Wasser gibt….und zwar in Form von Salzwasser oder Regen. Fangen wir mal mit dem Salzwasser an. Der ganze Kontinent ist im Prinzip eine grosse Insel und dümpelt gemütlich im Meer dahin. Wir lassen es uns nicht nehmen zwei kleine Ausflüge zu machen um auch diese Welt kennen zu lernen. In Cairns buchen wir eine Tour zum Great Barrier Reef um ein wenig zu schnorcheln. Blöderweise haben wir uns dafür wieder einmal denn schlechtesten Tag des Monats ausgesucht, denn das Meer ist ein wenig aufgewühlt und die Sonne zeigte sich nur am Morgen. Aber anscheinend ist das für diese Jahreszeit, laut Crewmitglieder, gar nicht so unüblich dass es bis zu drei Meter hohe Wellen gibt. Trotzdem ist es für uns beide ein Erlebnis der besonderen Art, wie wir das erste Mal den Kopf unter Wasser stecken und am Riff entlang schnorcheln. Die Wellen lassen uns zwar rauf und runter schaukeln, so dass wir uns vorkommen wie auf einer Achterbahn, aber was wir sehen ist beeindruckend. Hunderte verschiedene Fische schwirren herum und wenn mal kurz die Sonne durch die Wolkendecke lacht, erstrahlen die Korallen in den buntesten Farben. Wenn wir unsere Köpfe über die Wasseroberfläche halten, können wir die unterschiedlichen Blautöne erkennen, die die Wassertiefe beziehungsweise die Form des Riffs anzeigen.
Das Great Barrier Reef ist streng genommen die grösste, zusammenhänge lebende Masse unseres Planeten, denn die Gesamtlänge beläuft sich auf rund 2500 Kilometer und verläuft parallel zur Ostküste Australiens.
Sogar vom Weltall aus kann man diesen riesigen Makrokosmos sehen, doch in unserem kleinen Boot können wir diese Ausmasse nicht im geringsten erahnen.
Aufgrund der Tatsache dass Winter ist und die Sonne nur recht spärlich scheint, sind wir nach 15 Minuten im Wasser herumtreiben wieder an Bord unseres schaukelnden Schiffes und auch unsere Körper schaukelt es nur so vor Kälte. Man sieht also, so ein Ausflug ist eine einzige Schaukelei.
Besonders gelungen ist die Idee ein Mittagsbüffet aufzubauen, dazu gibt es Wein und Bier und zum Abschluss noch Käse und Obst.
Jetzt weiss man ja, wenn es ein Büffet gibt, neigt der normale Mensch dazu, zuviel zu fressen. Wir auch.
Blöd nur, wenn es dann noch drei Stunden mit extremen Wellengang zurück in den sicheren Hafen geht. Heidi und ich sprechen bei der Rückfahrt, genauso wie alle anderen Passagiere, nur das Notwendigste, denn wir sind damit beschäftigt das gute Essen und den Wein so gut es geht in uns zu behalten. Angeblich schliesst ja Käse den Magen, dieses mal scheint es eher umgekehrt zu sein.
Ich sag nur Massenspeiberei im Spital ist ein Kinderfasching dagegen. Die Crewmitglieder kommen fast nicht nach mit dem austeilen der Speibsackerln und mit einer gemütlichen Ausflugsfahrt hat das am Schluss nur mehr wenig gemeinsam. Eher mit einem Betriebsfest in den Endzügen wo alle schon so angesoffen sind, dass keiner mehr reden kann und alle nur mehr herumtorkeln.
Schön war es aber trotzdem.

Der zweite Ausflug ist da schon eher nach unserem Geschmack, weil da müssen wir nicht selber ins kalte Wasser, sondern die Aufgabe besteht darin auf die Wasseroberfläche zu starren.
Jetzt fragt sich wahrscheinlich der eine oder andere, was denn das für ein blöder Ausflug ist, mit einem Boot auf das Meer zu fahren und dann wie behämmert auf das kühle Nass zu glotzen.
Ich sag nur dreissig Tonnen und fünfzehn Meter Länge sind ein guter Grund.
In Hervey Bay, oder besser gesagt in den Gewässern davor, tummeln sich von August bis November tausende Buckelwale. Diese machen hier eine kurze Rast auf ihrem langen Weg in die Antarktis, wo sie den Sommer verbringen, um ihre Jungen und sich selbst noch mal richtig aufzupäppeln, damit sich eine wärmende Fettschicht für die kalten Gewässer bilden kann. Schaut sicher aus der Ferne lustig aus, wie da zwanzig Leute auf einem kleinen Katamaran stehen und gebannt auf das Meer glotzen.
Plötzlich aber sehen wir, keine dreissig Meter von uns entfernt, eine Wasserfontäne in die Höhe schiessen, gefolgt von einem lauten Fauchen. Unsere erste Walsichtung!
Der Kapitän steuert geschickt auf den sanften Riesen zu. Wir glauben schon dass er wieder in die Tiefen des Meeres abgetaucht ist, als ganz unvermittelt neben uns ein dunkler Schatten auftaucht. Dieser wird immer grösser und grösser und plötzlich schaut uns ein riesiges Auge interessiert an. Keine zwei Meter ist der Wal nun von unserem Boot entfernt und es ist ein unglaubliches Gefühl dieses riesige Säugetier aus unmittelbarer Nähe zu sehen.
Für uns ist dieser Moment  einfach unbeschreiblich schön. Ein Tier in seiner natürlichen Umgebung zu beobachten, und dann noch ein so grosses dazu, ist für mich nicht in Worte zu fassen. Umso unverständlicher ist es für uns beide, dass man diese eleganten Riesen aus Profit- und Geldgier beinahe ausgerottet hat.
Wir sehen noch etliche andere Wale die mit lautem Tosen aus dem Wasser springen und Pirouetten drehen, mit ihren Flossen auf die Wasseroberfläche schlagen, am Kopf stehen und stolz ihre Schwanzflossen präsentieren oder einfach nur interessiert am Boot vorbei schwimmen. Am Abend kehren wir mit vielen schönen Erinnerungen nach Hause und der Wellengang war nicht mit dem vom ersten Ausflug zu vergleichen, so dass wir sogar das Essen vom Büffet bei uns behalten können.

In Hervey Bay folgt dann gleich die nächste Konfrontation mit Wasser. Nämlich in Form von Regen. Bei uns zu Hause assoziieren die meisten, wenn sie an Australien denken, rote Erde, Wüste, heiss und trocken. Das mag für grosse Teile sogar zutreffen, aber was wir hier erleben erinnert uns eher an den Weltuntergang. Schon in der Nacht regnet es unablässig und unser neues Zelt besteht die Prüfung mit Bravour und hält uns schön trocken. Am nächsten Morgen hören wir kein Prasseln mehr und denken das Schlimmste sei wohl überstanden. Wie ich so aus dem Zelt krabbeln will und den Reissverschluss vom Eingang öffne, traue ich kaum meinen Augen. Genau vor uns hat sich ein riesiger See gebildet und ist keine fünfzig Zentimeter vom Zelteingang entfernt. Anscheinend steht unser Zelt an der tiefsten Stelle des Campingplatzes und das gesamte Regenwasser fliesst dort hin, aber nicht ab. Die vorbeifahrenden Autos schlagen schöne Wellen, die fast ins Zelt schwappen. Herrlich.
Wir entschliessen uns kurzfristig  unser Heim einen Platz weiter zu tragen, wo eine kleine Erhebung vor der Überschwemmung schützen soll.
Für kurze Zeit zeigt sich sogar die Sonne und wir machen blöde Scherze, wie übervorsichtig wir nicht schon wieder waren. Mir nichts dir nichts aber, schieben sich plötzlich wieder dicke, schwarze Wolken vor die Sonne und keine fünf Minuten später schüttet es, dass man beinahe seine Hand nicht mehr vor Augen sieht.
Wir suchen Schutz in der überdachten Küche des Caravanparks und harren der Dinge.
Unglaubliche Wassermassen fallen vom Himmel und innerhalb kürzester Zeit steht die ganze Wiese unter Wasser. Unser Zelt schaukelt wie ein kleines Booterl gemächlich auf dem frisch entstandenem See dahin und wenn wir keine Heringe eingeschlagen hätten, würde es wahrscheinlich davon schwimmen. Kurzer Hand leiten wir eine Notevakuierung ein und bringen all unsere Sachen, inklusive Zelt in die Campingküche um dort unser Lager aufzuschlagen.
Wir sind echt froh diese Option zu haben, denn bei dem Sauwetter will wirklich keiner im Zelt hocken. So nutzen wir den Unterstand der Küche für die nächsten zwei Tage und ich muss sagen, es schläft sich gleich entspannter, wenn man den Regen auf ein Wellblechdach prasseln hört, als dass dieser unablässig auf das Zelt zu trommelt.
Ganze zwei Tage dauert das Siffwetter und laut Wetterbericht soll es soviel schon seit sechzig Jahren nicht mehr geregnet haben.
Na das haben wir wieder gebraucht.

Auf unserem weiteren Weg nach Süden beruhigt sich das Wetter dann Gott sei Dank wieder und die Sonne lacht wieder vom Himmel. Was bleibt, ist der ständige Wind, meistens aus der falschen Richtung.
In Noosa Heads an der Sunshine Coast dann die nächste Konfrontation mit Wasser.
Wir erhalten eine Einladung von Margaret und David, die wir vor ein paar Wochen auf einer Restarea getroffen haben, bei ihnen vorbei zu schauen und ein paar Tage in dem kleinen Städtchen an der Küste zu verbringen.
Dankend nehmen wir das Angebot an und wir werden mit leckerem Essen, einem weichen Bett und einer herrlichen, heissen Dusche verwöhnt. Das Duschen war schon wieder bitter nötig, denn mittlerweile sind schon wieder vier Tage ohne ausreichende Körperpflege vergangen. Wohlriechend und wieder wie normale Erdenbürger ausschauend unternehmen wir einen kleinen Spaziergang zum Strand und in den nahen Nationalpark, der auf einem Hügel liegt und schöne Blicke auf die Bucht wirft in der Noosa Heads liegt. Weit hinten am Horizont sieht man dicke, schwarze Wolken aufziehen. Wir schätzen die Situation ab und bestimmen aufgrund von Windrichtung, Sonnenstand, Wellenhöhe und der Flugrichtung der Vögel, selbstsicher dass das Gewitter mit Sicherheit vorbeiziehen wird. Da kann uns keiner mehr was vormachen.
Fünf Minuten später öffnet der Himmel genau über uns seine Pforten und wieder einmal schein die Welt unterzugehen. Schön langsam wird das fad. Innerhalb kürzester Zeit sind wir bis auf die Knochen nass und das Wasser läuft in Sturzbächen die Strasse entlang. Da es eh schon Wurscht ist, spazieren wir gemütlich zu Davids und Margarets Haus zurück. Ein komisches Geräusch auf unseren Regenjacken, das sich deutlich vom Regen unterscheidet lässt uns eine kurzen Blick in den Himmel werfen.
Wie kleine Nadeln prasseln uns plötzlich kleine, weisse Kugerln ins Gesicht. Was ist denn nun schon wieder los?
Hier haben wir es mit dem festen Aggregatzustand von Wasser zu tun, nämlich mit Eis, in Form von Hagel. Und dann soll uns noch einmal wer erzählen in Australien ist es so heiss und trocken.
Das Gewitter verzieht sich genauso schnell wie es gekommen ist und wenn wir die zehn Minuten irgendwo gewartet hätten, wären wir gar nicht nass geworden.
Aber so ist das halt mal im Leben.

Unserer weiterer Weg führt uns dann wieder weg von der Küste da bereits hundertfünfzig Kilometer vor Brisbane der Verkehr stark zunimmt und wir keine Lust haben bei irgendwem am Auto als überdimensionale Kühlerfigur zu enden.
Da wären wir wieder einmal bei den „lieben“ Autofahrern. Die meisten sind ja wirklich rücksichtsvoll und überholen mit schönem Abstand. Aber dann gibt es immer wieder schwarze Schafe, die einem den Tag wirklich verderben können.
Ausserdem dürften gerade diese Zeitgenossen an einer mysteriösen Krankheit leiden die vermutlich direkt das Gehirn angreift. Vorwiegend das Motorische-, das Seh- und das  Sprachzentrum sind stark in Mitleidenschaft gezogen. Leute mit dieser Krankheit, auffälligerweise nur Männer, folgen immer dem gleichen Muster.
Erstens wird aufgrund der Beeinträchtigung des Sehzentrums so knapp überholt, dass einem der Windstoss fast in den Graben haut.
Erstaunlicherweise funktioniert das Gehör tadellos, denn wenn wir dann hupen wird sofort reagiert.
Dies passiert dann nicht mehr so zielgerichtet, weil ja vermutlich das Motorische Zentrum auch schwer in Mitleidenschaft gezogen ist. Da wird wie wild auf die Bremse gestiegen und das Steuer verrissen und zwar immer Richtung Strassenrand. Komischerweise kann der Kranke ohne Probleme das Fenster herunterlassen.
Danach merkt man auch gleich die schwere Beeinträchtigung des Sprachzentrums, den der Betroffene versucht mit hochrotem Kopf irgendwelche Worte in seinem Mund zu formen, die meistens unverständlich sehr laut und spuckend herausgebrüllt werden.
Versucht man dann auch noch dem Erkrankten zu erklären dass es sehr gefährlich ist in diesem Zustand ein Auto zu lenken, setzt der komplette Ausfall des motorischen Zentrums ein, denn dieser fuchtelt dann nur noch unkontrolliert, vorwiegend mit der linken Hand herum und versucht irgendetwas mit seinen Fingern zu formen, dass so ausschaut als wolle er an den Strassenrand deuten. Nachdem der Kopf dann so rot ist wie ein überreifer Paradeiser und jede Sekunde zu explodieren scheint, sind innerhalb kürzester Zeit alle Symptome wieder verschwunden und der Erkrankte zieht mit quietschenden Reifen von dannen.
Gott sei Dank scheint diese Krankheit aber nicht ansteckend zu sein und nur Leute mit einem IQ eines Styroporkugerls zu befallen.
Somit halten sich diese sonderbaren Begegnungen sehr in Grenzen.

Je weiter wir uns von der Küste und auch den Vororten Brisbanes entfernen, umso ruhiger wird es wieder und das Radeln macht richtig Spass.
Es macht uns auch nichts aus dass sich ein paar Hügerln in den Weg stellen, denn flaches Terrain hatten wir in letzter Zeit genug.
So pedalen wir durch eine Landschaft aus sanften Hügeln mit blühenden Wiesen und Bäumen, da schön langsam der Frühling Einzug hält.
Je weiter wir aber wieder Richtung Westen fahren, desto steiler werden diese Hügeln denn wir kommen der Great Dividing Range, ein Gebirgsmassiv dass die Küste vom Outback trennt, immer näher.
Erinnerungen an Sumatra werden wach, als wir ausgerechnet bei der Landesgrenze zwischen Queensland und New South Wales, einen Anstieg mit zwanzig Prozent zu bewältigen haben. Die spinnen ja die Australier.
In der gleichen Gangart geht es in den nächsten Tagen weiter und wir schrauben uns über teils extrem steile Anstiege immer weiter nach oben.
Heidi, der Chefnavigator, hat nämlich unbewusst eine Route zur höchsten Stadt Australiens, nach Armidale, geplant. Diese liegt zwar „nur“ auf tausend Meter über dem Meer, aber der Aufstieg ist extrem kräftezehrend, da es nicht stetig bergauf geht, sondern ständig rauf und runter. So schaffen wir an einem Tag auf fünfundsechzig Kilometern fast zweitausend Höhenmeter zu klettern. Dieser anstrengende Tag wird noch dadurch abgerundet, dass es in dem kleinen Dörfchen Ebor, unserem Etappenziel auf tausenddreihundert Metern, auch noch gemütlich zu regnen anfängt wie wir doch etwas erschöpft in der Dämmerung ankommen. Kurzer Hand wird der überdachte Sportkomplex zum Zeltplatz umgewidmet, obwohl etliche Verbotsschilder davor warnen gerade dies nicht zu machen. Das ist uns in diesem Moment aber ehrlich gesagt vollkommen Wurscht, denn bei zwei Grad und Nieselregen ziehen wir einen trockenen Zeltplatz einer nassen Wiese eindeutig vor.
Überhaupt ist es manchmal nicht so einfach einen Zeltplatz zu finden. Denn eine der Hauptbeschäftigungen der Australier ist es anscheinend Zäune zu bauen.
Manchmal sind die Distanzen einfach zu gross, als dass man immer eine schöne Restarea erreichen kann und so müssen wir auch wild zelten.
Blöd nur wenn alles,aber auch wirklich alles eingezäunt ist. Da kommen einem schon manchmal die Gedanken ein Stacheldtrahtimperium in Australien aufzubauen, denn damit muss man ja Millionen verdienen. Ausserdem hängen überall Verbotsschilder herum, die einem mitteilen, dass man wenn man das Grundstück unerlaubterweise betritt, sofort erschossen, gevierteilt, geteert und gefedert und am Hauptplatz der nächsten Stadt erhängt wird. Vor wem die solche Angst haben?
So müssen wir manchmal zu etwas unerlaubten Mitteln greifen und schlüpfen das eine oder andere Mal schnell durch das Gatter und verdrücken uns irgendwo, wo uns keiner sieht. Wir nehmen aber nur die Tore, wo sie einem nur mit der Polizei drohen und nicht mit den oben erwähnten Sachen. Sicher ist sicher.
Erwischen tut uns nie wer, weil die Weiden einfach zu gross sind, als dass man die täglich kontrollieren kann und zwei schmale Reifenspuren fallen da kaum auf.

Am nächsten Tag kommen wir bei trockenem Wetter ziemlich erschöpft in Armidale an und mieten uns für drei Tage eine Kabine auf dem Campingplatz um mal wieder ein Dach über dem Kopf zu haben. Denn auch in Armidale werden die Nächte recht frisch und wir schlafen in unseren kuschligen Betten, geschützt vor den Elementen den Schlaf der Gerechten.
Das kleine Städtchen gefällt uns ausgesprochen gut und wir können auch verstehen warum diese Gegend New England genannt wird.
Wenn man es nicht besser wüsste, würde man glauben in irgend einem Städtchen in England herum zu laufen. Es gibt alte Kirchen, Häuser aus Ziegelsteinen und ein nettes Zentrum mit Fussgängerzone und ebenfalls alten, richtigen Häusern.

Nach Armidale geht es in der gleichen Gangart weiter wie zuvor. Ein ständiges Auf und Ab lassen unsere Haxerln am Abend ganz schön schmerzen. Dazu kommt noch dass es in der ersten Nacht, wo wir uns auf tausend Metern befinden, so kalt wird, dass sich am Morgen eine schöne Eisschicht über unser Zelt und die Räder gelegt hat. Jetzt soll mir noch einer kommen, dass es in Australien so heiss ist.
Gott sei Dank trocknet die Sonne mit ihren wärmenden Strahlen alles schnell ab.
Da wären wir schon beim nächsten klitzekleinen Problem. Kondensation.
Jeden Morgen ist unser Zelt so nass, nämlich an der Innenwand, als ob es an nächtlicher Inkontinenz leidet. So stehen wir immer wie die Sonnenanbeter vor unserem Zelt und drehen und wenden es, damit es ja schön trocken wird. Denn ein pitschnasses Zelt einzupacken, danach steht uns wirklich nicht der Sinn.
Das nächste was auffällt, besonders nachdem wir die Grenze von Queensland nach New South Wales, sind die teilweise echt schlechten Strassen.
Wir bevorzugen immer die Nebenstrassen, da wir ja wie oben beschrieben nicht als Kühlerfigur eines Wahnsinnigen enden wollen. Was wir da teilweise zu sehen und vor allem zu spüren bekommen erinnert uns wieder zurück an Zentralasien.
Es schaut fast so aus, als ob die Australier einen Strassenbaulehrgang in Kirgistan besucht hätten, denn die Ähnlichkeit mit kirgisischen Strassen ist oft verblüffend.
Manchmal gibt es keinen ebenen Meter, man holpert nur so dahin und wenn die Schlaglöcher ausgebessert sind, dann nach der „kirgisischen Kerzentropftechnik“. Soll heissen, dass einfach in das Schlagloch ein Patzen Teer reingeschmiert wird und sich so „lustige“ Huppel in verschiedenen Höhen bilden. War es vorher schon holprig dann ist es jetzt die reinste Freude für unsere Hintern.
Diese Abschnitte sind aber meist nicht all zu lange und wechseln sich dann wieder mit einigermassen fahrbaren Belag ab.

So bringt uns unser Route immer näher Richtung Sydney, doch bevor wir uns ins Grossstadtgewusel stürzen, machen wir noch einen kleinen Schlenker in die Blue Mountains. Dieser kostet uns einige Liter Schweiss denn die Steigungen sind mit bis zu zwanzig Prozent alles andere als angenehm zu fahren. Dazu kommt noch eine wahre Verkehrslawine, da das Zentrum von Sydney nur mehr knapp siebzig Kilometer entfernt ist und es eine Menge „Frischluftdepperter“ gibt, die das Wochenende in den Blue Mountains verbringen wollen.
Geschätzte siebenunddreißig Liter Schweiss und achtundzwanzig Nahtodeserlebnisse später, stehen auch wir am Aussichtspunkt, der uns einen schönen Überblick über den riesigen Canyon bietet. Der Name der Blue Mountains rührt daher, dass die Eukalyptusbäume Dunst abgeben, der vor allem an Sonnentagen für einen blauen Schimmer sorgt. Ich persönlich aber glaube, dass der Blaustich eher von den Abgasen der unzähligen Autos kommt.
Alles in allem können wir sagen, dass wir jetzt nicht so beeindruckt sind von dem was wir sehen. Die Landschaft ist zwar schön, aber für uns muss das Drumherum auch passen, und eine vierspurige Autobahn direkt in die Berge zu bauen ist nicht so ganz nach unserem Geschmack. Auch das Radfahren macht da weniger Spass und bei dem Verkehrsaufkommen werden sogar Erinnerungen an Indonesien wach.
Aber im Nachhinein ist man bekanntlich ja immer gescheiter.

Nach weiteren zwei anstrengenden Tagen mit viel Verkehr und ständigem Auf und Ab stehen wir stinkend und erschöpft vor der Haustür von Irene und Laurie in Wollongong.
Die beiden haben uns zu sich eingeladen, nachdem wir sie ein paar Mal im Outback mit ihrem Wohnmobil getroffen haben.
Jetzt werden mal die Räder für ein paar Tage in die Ecke gestellt, denn wir werden Sydney das nur achtzig Kilometer entfernt liegt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und per pedes erkunden.
So machen wir mal Urlaub vom Urlaub.



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