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Australien II

15.07.2014 - 20.08.2014  Es ist doch ein bisserl anders in Australien

Austria, Australia das hört sich ja verdammt ähnlich an. Ist es aber überhaupt nicht.
Erstens haben wir in Österreich keine Kängurus und auch sonst gibt es nicht die Masse an giftigen Viechern wie es sie in Australien gibt.
Das fängt schon damit an als wir bei unserem Besuch auf der Rinderfarm darauf hingewiesen werden, sich besser nicht einfach so auf den Boden zu setzen. Jetzt nicht wegen den Schlangen, wovon es natürlich auch eine Menge gibt, nein, wegen den Zecken.
Übertragen diese Mistviecher doch eine Krankheit, die dich innerhalb kürzester Zeit einen qualvollen Tod mit Ersticken und Lähmungen am ganzen Körper sterben lassen. Wobei das kann einem bei uns auch passieren.
Weit gefährlicher sind aber die Spinnen. Da gäbe es zum einem die Trichternetzspinne oder zum anderen die Redbackspinne, aber auch Achtbeiner mit dem süssen Namen Mäusespinne die einem wenn es blöd her geht das Licht auslöschen können.
Oder, man steht am schönsten Strand, das Wasser ist genau richtig temperiert um einen schön abzukühlen und man möchte nur mehr in das kühle Nass. Doch Vorsicht!
Die Australier sind ja eh so gescheit da sie einen aufmerksam machen, denn es stehen überall Schilder die vor den gefürchteten Würfelquallen warnen. Besonders von Oktober bis Mai sind diese unscheinbaren Viecher sehr aktiv.
Nur eine kleine Berührung mit einer Tentakel kann einem ein ganzes Leben lang Schmerzen verursachen und gleich in ein paar solcher Tierchen zu schwimmen kann auch tödlich enden. Also doch nicht baden.
Es gibt dann aber auch noch den blaugeringelten Oktopus, extrem giftig, den Steinfisch, absolut tödlich und nicht zu vergessen den Stachelrochen, der ein berühmtes Opfer, nämlich den australischen „Crocodile Hunter“ Steve Irwin, auf dem Gewissen hat. Wobei dieser durch einen wirklich unglücklichen Stich mitten ins Herz gestorben ist. Und wer hat nicht schon vom grossen Weissen gehört?
Man muss aber gar nicht von so einem Tierchen angefallen werden um in die ewigen Jagdgründe zu gelangen. Nein, es genügt einfach nur ins Wasser zu gehen…….und von der Strömung mitgerissen zu werden. Es gibt manche Abschnitte, wo knietiefes Wasser reicht um einen in den Ertrinkungstod zu reissen.
Wenn man nicht gerade im Meer einen qualvollen Tod sterben möchte, genügt es auch in einen ruhigen idyllischen Fluss zu springen. Ich sag nur Krokodile. Da gibt es die Freshies, also die Süsswasserkrokos, die aber bei weitem nicht so gefährlich sind wie die Salties, die Salzwasserkrokos, die sich verwirrenderweise auch im Süsswasser aufhalten.
Die Salties können einen Menschen so schnell töten, dass der es nicht einmal mitbekommt, wenn dieser seine kleine Zehe in das kühle Nass halten will. Im Gegensatz zu den Freshies die nur zur ihrer Verteidigung angreifen, attackieren die Salties auch einfach mal so.
Hört sich jetzt alles sehr schlimm an, aber wie man sieht sind wir nach drei Monaten noch immer am Leben und die einzigen Tiere die uns heimtückisch angefallen haben waren Zecken.
Auch die Australier gehen mit diesen Todesgefahren, die ja anscheinend überall zu lauern scheinen, recht gelassen um. So erklärt uns zum Beispiel Tracy, unsere Gastgeberin auf der Rinderfarm, dass sie einmal von einer Schlange gebissen wurde. Wir natürlich total interessiert wie das denn hier im Busch so abläuft mit Erster Hilfe und dann erst die Behandlung im Krankenhaus. Aber Tracy entgegnet nur lapidar: „ Ich hab mich mal ins Bett gelegt und den ersten Tag dachte ich, ich muss sterben, aber am zweiten Tag ging es mir schon besser und nach drei Tagen konnte ich schon wieder arbeiten“. So läuft das also hier im Outback.
Auch Tracys Sohn Lincoln, wird beim Arbeiten vom Pferd geworfen, dabei mit dem Huf am Kopf erwischt, dass es ihm ganze Haarbüscheln rausreisst und er einige Minuten benommen am Boden liegt. Bei uns würde jetzt alles aufgeboten werden, was es so gibt. Hubschrauber, Notarzt, Katastrophenzug und so weiter. Hier im Outback ist es so, dass sich Lincoln den Staub abputzt, sich wieder aufs Pferd schwingt und bis am Abend weiterarbeitet. Erst danach wird ins Krankenhaus gegangen……und festgestellt dass er sich eh nur zwei Halswirbeln gebrochen hat.
Das ist die eine Seite der Australier.
Aber es gibt auch eine andere.
Sobald man wieder in die Zivilisation kommt ist es vorbei mit den wahren Männern und Frauen. Ich sag nur dick ist schick.
Bei uns würde man überwutzelt sagen, was da teilweise herumläuft. Wobei herumlaufen tut eigentlich keiner mehr…….ist zu anstrengend. Für jeden nur erdenklichen Scheiss wird das Auto gebraucht. Warum soll man sich auch zuviel bewegen, wenn man überall hinfahren kann?
Sogar Drive Thru Bottleshops gibt es. Das sind Geschäfterln wo man Alkohol bekommt, weil der sonst nirgends verkauft werden darf, und bei manchen kann man eben direkt mit dem Auto in den Verkaufsraum fahren. Wäre ja auch zu anstrengend vier Meter für sein Feierabendbier zu Fuss zu laufen.
Überhaupt ist alles auf Autos ausgelegt. In Gehdistanz gibt es kaum etwas. Egal was man braucht, sei es ein Supermarkt, ein Campingplatz, ein Restaurant oder was auch immer, es ist sicher nicht so dass man da mal einfach so gemütlich hinschlendern kann.
So passiert es uns in Charters Towers, einem netten Städtchen mit historischem Zentrum, dass uns die liebe Dame vom Campingplatz erklärt, dass es ein „lovely walk“, also ein netter Spaziergang, zum nächsten Supermarkt sei. Nach zweieinhalb Kilometern herumhatscherei stehen wir mit unseren Flip Flops und Blasen an den Füssen endlich vor diesem. Wenn wir das gewusst hätten, dann hätten wir uns vielleicht gescheite Schuhe angezogen. Sonst haben wir aber niemanden gesehen, der auch so lovely vom Campingplatz ins Städtchen gewalkt ist wie wir. Die anderen sind sicher alle mit dem Auto gefahren. Wer geht in Australien schon freiwillig fünf Kilometer zu Fuss?
Und da wären wir schon beim leidigen Thema Autofahrer.
An und für sich sind die Australier ja recht brav was das Verhalten gegenüber Radfahrern angeht…..wenn die Strasse zwanzig Meter breit ist und man für die nächsten fünf Kilometer aussieht. Sobald es aber ein wenig schmäler wird und Gegenverkehr herrscht scheinen die lieben Australier ein wenig überfordert, was man ja auch verstehen kann, denn Radfahrer sind eine sehr seltene Rasse in Down Under. Anstatt zu bremsen, wird teilweise halsbrecherisch und extrem knapp überholt. Recht lustig wenn hinter dem Auto noch ein Wohnwagen hängt und der Fahrer geschätzte achtzig Jahre, halbblind und taub ist. Da lob ich mir die Roadtrains die uns immer mit genügend Seitenabstand überholen, denn mit bis zu dreiundfünfzig Metern Länge sind das schon wahre Giganten der Landstrasse.
Aber schwarze Schafe hat es überall, sogar in Österreich.

Da wären wir gleich beim nächsten Unterschied zu Austria. Bei uns schaut jedes Dorf, jede Stadt anders aus, weil einfach eine lange Geschichte dahintersteckt. Da gibt es ein Zentrum um das sich das Dorf beziehungsweise die Stadt im Laufe der Zeit drumherum entwickelt hat.
In Australien hat man halt eine Strasse gebaut und dann ein paar Häuser hingestellt. Fertig ist die Stadt
Wie gesagt, Charters Towers mit seinem historischem Zentrum, das noch vom Goldrausch vor circa hundert Jahren herrührt ist da eher eine seltene Ausnahme.
Normalerweise schauen alle Stadterln durch die wir kommen irgendwie gleich aus und es fällt mir echt nicht leicht alle auseinander zu halten. Ein Zentrum sucht man dann nämlich vergeblich, denn dieses bildet die überbreite Hauptstrasse, wo sich ein oder zwei Supermärkte und/oder ein Einkaufszentrum und ein paar andere Geschäfterln befinden. Das war es dann. Im Umkreis von geschätzten zwanzig Quadratkilometern bauen dann die Leute ihre Häusln, die übrigens auch alle irgendwie gleich ausschauen. Ja sogar die Menschen schauen gleich aus…..und dann soll man nicht durcheinander kommen.
Ich hätte nicht gedacht dass einem alte Häuser fehlen könnten, wie sie bei uns in Österreich bzw. ganz Europa herumstehen. Aber das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass es für uns ja normal ist und man erst merkt dass etwas fehlt wenn es nicht mehr da ist.
Aufgrund der kurzen Geschichte Australiens wird auch schon mal ein Baum, wo von einem Entdecker etwas eingeritzt wurde, zum historischen Denkmal erhoben, oder eine verrostete Dampflok als historisches Gebilde bezeichnet. Interessanterweise bekommt man von den „wahren“ Australiern, nämlich den Aborigines recht wenig mit. Manche Quellen besagen dass die Ureinwohner schon vor sechzigtausend Jahren den Kontinent besiedelt haben, aber dadurch dass die Aborigines so etwas wie Besitz nicht kennen, gibt es so gut wie keine sichtbare Geschichte. Das einzige sind heilige Orte, bekanntestes Beispiel ist der Ulururu.
Wir begegnen zwar etlichen Aborigines, vor allem im Northern Territory, es scheint für uns aber, dass diese in einer Parallelwelt zu leben scheinen. Meistens sitzen sie in Gruppen vor den Supermärkten oder irgendwo im Park und sind oft stockbesoffen. Mit ihnen ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich. Uns kommt es so vor, als ob sie mit unserem Lebensstil nichts anfangen können. Genauso ist es auch umgekehrt und die verschiedenen „Bekehrungsversuche“ der Regierung, die Aborigines ins Leben der Weissen einzugliedern sind in der Vergangenheit kläglich fehlgeschlagen. Überhaupt ist uns aufgefallen dass die Leute nicht gern über dieses Thema sprechen.

Nächster Unterschied zu Österreich. Das Essen.
Wenn uns manchmal etwas abgeht und wir sehnsüchtig an zu Hause denken, dann ist das gescheites Essen. Das fängt schon mal beim Brot an. Ein normales Brot in Australien hat einen geschätzten Luftanteil von 87 Prozent. Dementsprechend schmeckt es auch und satt wird man erst nach gut einem Kilo. Dafür lässt es sich platzsparend in den Packtaschen zusammenfalten, wenn man mal die Luft heraussen hat.
Wurst, guten Käse, Würsteln, diverse Aufstriche( Liptauer, Eieraufstrich) gibt es in den Supermärkten sehr selten. Da hat man wohl eher Glück wenn man in einen Delikatessenladen geht, nur dass es dann unverschämt teuer wird.
Ansonsten grillen die Australier alles was so auf vier oder zwei Beinen ( ich meine Kängurus) herumläuft. Hier lautet wieder die Devise, „Je grösser desto besser“. Wir haben die bisher grössten T-Bone Steaks gegessen und auf dem Teller blieb kein Platz mehr für irgendwelche Beilagen. Braucht man ja auch nicht so wirklich.
Nachdem die verschiedenen Tiere so richtig durchgegrillt sind, klatscht man alles zwischen zwei Luftbrotscheiben, gibt ein bisschen seinen Senf und andere Saucen dazu und fertig ist das Abendessen. Besteck wir da überflüssig.
Ausserdem gibt es die Superfamilypackungen wo man gleich Riesenportionen Fleisch schön handlich verpackt kaufen kann. Nicht so ideal für zwei kleine Radfahrer. Gut für die Überwutzelten. Überhaupt fällt uns auf, dass es überall XXL Packungen gibt. Wobei das ist ja in Österreich auch nicht mehr so unüblich und wenn ich so nachdenke, gibt es bei uns ja auch schon genug Überwutzelte.

Was es in Österreich nicht gibt und mit Sicherheit nie geben wird und fast alle Australier lieben ist Vegemite. Schon alleine der Name verheisst nichts gutes.
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mir ein wenig schwer tue, dieses Dings zu beschreiben.
Also, man kann dieses Vegemite, das aus Hefeextrakt besteht und mit 8 Prozent Salzgehalt ganz schön reinhaut, auf das Brot schmieren und die Australier essen es besonders gerne zum Frühstück. Von der Konsistenz her erinnert es ein wenig an eine Mischung aus Honig und Butter. Mit der Farbe Gackbraun kommen wir auch dem Geschmack schon ziemlich nahe.
Es schmeckt nämlich zu Beginn wie ein überreifer Schimmelkäse, dann wie Maggi in Aufstrichform und zum Schluss wird es so sauer, dass einem die Tränen kommen und man heult wie ein kleines Kind. Ein wahrer Gaumenschmaus.
Kein Wunder dass sich das Zeug nicht weltweit durchgesetzt hat, aber die Australier lieben es und bezeichnen es als den „taste of Australia“. Da braucht es wohl keine weiteren Kommentare.

Zu guter letzt muss man noch die enorme Grösse dieses Landes erwähnen. Da würden viele tausend Austrias reinpassen (siehe Link). Vor allem wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist, bemerkt man erst die riesigen Dimensionen. Jedes mal wenn wir die Karte aufschlagen um zu schauen wie weit wir denn schon gekommen sind, scheint es als ob wir uns nicht vom Fleck weg bewegen, dabei sind wir immerhin schon fast fünftausend Kilometer in Australien gestrampelt.
Wenn man das jetzt auf Europa umlegt und man Luftlinie Totzenbach plus fünftausend Kilometer rechnet, steht man im westlichen Zipfel Chinas. Also ziemlich weit weg von zu Hause.
Hier hat man gerade mal zwei Bundesländer, nämlich das Northern Territory und Queensland durchquert und bis zum dritten, New South Wales, sind es immer noch fünfhundert teils staubige Kilometer. Die Leute hier scheine aber keine Probleme mit den gewaltigen Distanzen zu haben und es wird als normal empfunden mal schnell hundert Kilometer in den nächsten Supermarkt zu fahren.
Überhaupt ist in Australien alles grösser. Wir haben Mikrowellenherde gesehen, da würde man leicht ein dreijähriges Kind hineinbekommen (hoffentlich nicht), die Kühlschranke sind so riesig dass man locker einen ganzen Monatsvorrat darin verstauen kann. Die Strassen sind teilweise überbreit, die Autos gross und die Roadtrains mit ihren dreiundfünfzig Metern einfach gigantisch. Ja sogar die Zigarettenschachteln sind so gross, dass fünfzig Glimmstängel reinpassen. Die werden doch nicht etwas kompensieren wollen?
Auch mit der Versorgungslage schaut es nicht immer gut aus. Das ist jetzt nicht so wie bei uns, wo in jedem kleinen Dorf eine Billa, Spar, Merkur, Lidl, Penny, Zielpunkt, Hofer und was weiss ich noch rumstehen.
Da gibt es manchmal für zwei oder dreihundert Kilometer wirklich nichts. Und wenn ich schreibe nichts, dann meine ich das auch so. Da muss man schon ein wenig im voraus planen und dementsprechend Lebensmittel und Wasser mitschleppen. In unserem Fall platzen die Packtaschen jedes mal fast aus allen Nähten, weil wir ja so gerne essen und hungrig ins Bett zu gehen, hassen wie die Pest. Wer mich schon mal futtergranitg erlebt hat, wird verstehen dass Heidi ein paar Extrapackungen Kekse für den „Notfall“ dabei hat. Für den Wassertransport haben wir uns in Darwin zwei sechs Liter Wasserblasen zugelegt und zusätzlich werden noch zwei eineinhalb Liter Flaschen auf den (übervollen) vorderen Packtaschen verstaut. Somit können wir insgesamt bis zu zweiundzwanzig Liter Wasser transportieren. Wie man ja weiss sind zweiundzwanzig Liter ja genau so viel wie zweiundzwanzig Kilo und jeder der schon mal einen so schweren Rucksack geschleppt hat, weiss dass sich das ganz schön reinhängen kann. Unsere Räder wiegen samt Gepäck im Idealfall um die fünfzig Kilogramm. Mit dem ganzen Wasser und der Fresserei kommen wir auf über sechzig Kilo. Das ist dann nicht mehr so lustig, denn mit den Packtaschen haben wir ja sowieso schon den Cw Wert eines rollenden Kühlschranks, dazu kommt noch ein permanenter Gegenwind und das Zusatzgewicht.
Jetzt darf man aber auch nicht glauben, das wenn man nach zweihundert trockenen und einsamen Kilometern durstig und hungrig in ein kleines Dorf kommt, dass da jetzt massenweise Supermärkte herumstehen. Nein, manchmal gibt es nur ein Roadhouse, das gleichzeitig Trödlerladen, Tankstelle, Pub, Restaurant, Hotel, Caravanpark und Treffpunkt für die Leute aus der Umgebung ist. Mit Schnäppchen darf man da nicht rechnen, denn die Flasche Cola kann dann schon mal 4 Euro kosten. Dafür ist sie schön kühl und erfreut das Radlerherz.
Wenn wir aber wieder einmal in einen Supermarkt kommen, dann wird zugeschlagen als gäbe es kein Morgen und selbst die überwutzelten Australier staunen manchmal, wieviel die dünnen und ausgemergelten Radfahrer da eingekauft haben, wenn wir grinsend wie zwei frisch lackierte Hutschpferde mit unseren Einkäufen, sprich zehn Plastiksackerln voll mit Leckereien, durch die Strassen laufen.

Dann wäre da noch das Wetter.
Womit wir nicht gerechnet haben, ist mit dem ständigen Wind. Wir haben zwar gewusst, dass er um diese Jahreszeit vornehmlich aus Südosten kommt und wir Gegenwind haben werden, aber was sich da teilweise abspielt, lässt Erinnerungen an Patagonien wach werden.
Gerade im Northern Territory auf dem Weg von Katherine nach Tennant Creek, bläst uns für sechshundert Kilometer ein Sturm um die Ohren, dass das Radeln manchmal wirklich zur Tortur werden lässt. Nicht nur körperlich sondern auch mental fordert die Stramplerei gegen diesen Hurenwind. Manchmal kann man für gut und gerne zwanzig Kilometer oder weiter den Verlauf der kerzengeraden Strasse sehen. Unter normalen Umständen glaubt man schon zu stehen, bei Gegenwind schaut man dann nur mehr stur auf die nächsten drei Meter Asphalt vor sich und begibt sich in Gedanken irgendwo anders hin und lässt die Beine abgekoppelt vom Kopf einfach vor sich hin strampeln.
Nicht mal in der Nacht hört es auf zu stürmen und unser Zelt schüttelt es ganz schön durch, sodass an erholsamen Schlaf gar nicht zu denken ist. Erstens weil der Wind so laut ist und zweitens weil wir uns schon ausmalen können was uns am nächsten Tag erwartet.
Nichts desto Trotz werden uns die Tage im Outback ewig in Erinnerung bleiben. Die Einsamkeit, der Kampf gegen den Wind, die Sonnenauf- und untergänge und die endlosen Weiten haben sich tief in unsere Radfahrerseele eingebrannt.
Aber wenn man von fünftausend Kilometern über viertausend gegen den Wind strampelt, nervt das mit der Zeit. Da kann man wirklich behaupten das Australien ein Windloch ist.


So anstrengend das Radeln auch manchmal sein mag, lässt einem die offene und herzliche Art der Australier die Strapazen schnell vergessen. Die Leute wirken nicht so gestresst, alles geht ein bisschen langsamer vonstatten und für ein kleines Schwätzchen ist immer Zeit. Sei es an der Supermarktkasse, im Caravanpark oder irgendwo entlang der Strecke. So lernen wir mit der Zeit recht viele Leute kennen und werden zum Essen oder gar zum Übernachten eingeladen. Unser bisheriges Highlight aber war der Aufenthalt auf der Rinderfarm bei Tracy und David. Vom Fleck weg, also besser gesagt von der Strasse weg, lädt uns Tracy für vier Tage einfach so bei sich ein. Wir werden mit Essen vollgestopft und mit Bier abgefüllt, haben Einblick in das harte Leben auf einer Rinderfarm und dürfen sogar mit einem Hubschrauber mitfliegen, der uns erst so richtig den Eindruck von dem riesigen Ausmass der Farm mit dreissigtausend Rindern gibt.  Und das Beste daran ist, keiner erwartete von uns eine Gegenleistung. Wir wurden einfach so eingeladen.
Oder Irene und Laurie, ein Rentnerehepaar,  lädt uns gleich dreimal hintereinander zum Abendessen in ihrem gemütlichen Wohnmobil ein. Ausserdem gibt es noch eine Einladung bei ihnen zu Hause obendrauf.
Menschen von so einem Schlag bräuchte es mehr auf dieser Welt.

Somit können wir sagen, dass uns nach drei Monaten Australien absolut noch nicht langweilig ist und wir echt gespannt sind, was uns auf unserem weiteren Weg noch erwartet.
Schau mer mal.



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