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Australien I

27.05.2014 - 15.07.2014 Durch das Outback

„Wahnsinn, ist das schön hier!“ rufe ich ganz unvermittelt aus während wir durch diese endlos scheinende Landschaft radeln. Markus muss nur grinsen und meint: "Und das aus deinem Munde!".
Als wir noch in Indonesien waren, hatte ich nämlich ganz schöne Zweifel ob mir das australische Outback gefallen würde.
Meine Skepsis hat sich auf dem gestützt was man immer so hört. Sauheiss soll es sein und extrem langweilig und ausser rotem Sand und viel Nichts gibt es hier nicht viel. Der Wind kann ganz schön brutal sein weil er um diese Jahreszeit genau in unsere Gesichter bläst und dann noch die Roadtrains (LKW mit drei Anhängern) die einen einfach über den Haufen fahren sollen.
Ja, es stimmt, der Wind ist teilweise wirklich brutal und Erinnerungen an Patagonien werden wach, aber Unkraut vergeht ja bekanntlich nicht und so bringen uns die gut 2500km mit Gegenwind auch nicht um. Aber lustig war das an manchen Tagen wirklich nicht mehr! Wenn du abends einen Durchschnitt von 15km/h auf dem Tacho stehen hast und du ganz genau weisst, dass da kein Berg im Weg war, gleicht das ganze eher einem Kampf gegen die Naturgewalten als einer normalen Fahrradtour.
Dementsprechend erschöpft fallen wir jeden Abend auf unsere Isomatten und schlafen meist schon um 19:00 Uhr den Schlaf der Gerechten. Zu unserer Verteidigung muss ich aber anmerken, dass es schon sehr zeitig dunkel wird.
Heiss ist es eigentlich nur in Darwin, recht rasch weiter südlich werden die Temperaturen sehr angenehm, nachts sogar eher frisch. So stellen wir eines morgens erstaunt fest, das es nur noch 2 Grad plus hat. Es ist halt Winter in Australien. Tagsüber freuen wir uns aber über angenehme 28 bis 30 Grad.
 Wir geniessen die Ruhe und Einsamkeit  die hier herrscht und welche wir in Indonesien so vermisst haben. Endlich sieht man auch wieder mal ein paar Tiere durch die Gegend laufen bzw. hüpfen.
Denn ganzen Tag über begleiten uns Papageien in den verschiedensten Farbe, Falken kreisen über unsern Köpfen, Dingos mustern uns misstrauisch von weitem, Kängurus hüpfen panisch davon und jede Menge Kühe starren uns verstört nach.
Die Landschaft ist alles andere als langweilig und ändert sich alle hundert Kilometer so dass es immer wieder Abwechslung für unsere Augen gibt. Jeden Tag erleben wir ein unglaubliches Spektakel, wenn die Sonne auf oder untergeht. Der Himmel färbt sich dann in den unterschiedlichsten Rottönen und wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, so wunderschön und einzigartig ist jeder einzelne dieser Momente. Über den Sternenhimmel brauch ich erst gar nicht zu schwärmen, jeder der schon mal in einer menschenverlassenen Gegend ohne jegliche Störlichter nachts in den Himmel geschaut hat weiss wovon ich spreche. Es ist als würden tausende Diamanten vom Firnament strahlen. Einfach unbezahlbar so ein Anblick, wer braucht da schon Fernsehen?
Natürlich ist es nicht immer einfach im Outback. Zum einen muss man literweise vom kostbaren Nass mitschleppen, da oft zwischen den einzelnen "Wasserstellen" 150 bis 200 Kilometer liegen. Und einen Supermarkt findet man meist alle 650 bis 1000 Kilometer. Da sollte man schon gut planen, damit es zu keinen Engpässen kommt. Es gibt noch sogenannte Roadhouses entlang der Route, die aber meist nur sehr wenig im Angebot haben und dann auch noch zum doppelten Preis.  Aber einen guter Burger „with Lot“ (= riesiger Burger mit allem Drum und Dran) und Pommes gibt es immer im Angebot und die fette Mahlzeit gibt uns wieder genügend Power für die nächsten einsamen Abschnitte.
    
In Australien gibt es jede Menge gratis Rastplätze wo man auch campen kann. Für uns sind diese vor allem interessant, weil es meistens auch einen Wassertank und gemütliche Bänke zum Sitzen gibt. Für die tausenden pensionierten "Winterflüchtlinge" aus dem Süden Australiens, die zum Teil in ihren riesigen Campervans unterwegs sind, ist es aber fast jeden Tag ein Rennen zu diesen Rastplätzen um ja den besten Stellplatz zu bekommen. Wir können uns da getrost raushalten, den mit unserem  Zelt passen wir in die auch noch in die kleinste Lücke. Gut ausgerastet und etwas gelangweilt, wie die Herrschaften halt so sind, nachdem sie ein paar Stunden durch die Gegend gekurvt sind, finden sie es immer extrem spannend wenn wir auf so einem Rastplatz eintrudeln. Wir aber sind meistens doch ganz schön müde und erschöpft nach einem langen Tag mit Gegenwind. Die "Grey Nomads“ (= grauen Nomaden) wie sie von den Einheimischen etwas abschätzig genannt werden, lassen uns kaum zwei Minuten zum Verschnaufen und bombardieren uns sofort mit den immer gleichen Fragen. Woher? Wie lange? Wieviele Kilometer pro Tag? Wieviele Patschen?
Das kann einen schon ganz schön nerven, wenn man noch nicht einmal sein Rad abgestellt hat, hungrig, durstig und nicht unbedingt in der Stimmung ist um ein wenig Smalltalk zu führen. Deshalb und weil es auch schöner ist, bevorzugen wir unser Zelt einfach an einem verlassenen  irgendwo im Outback aufzubauen, wo niemand die halbe Nacht schnarcht, ausser wir selbst.
Ausserdem warnen uns die "Grey Nomads" ständig vor den Roadtrains. Obwohl die wirklich sehr viel Rücksicht nehmen im Gegensatz dazu wenn einer von den „Grauköpfen“ mit seinem Campingwagen wieder einmal viel zu knapp überholt, weil er mit der Situation völlig überfordert ist, da Radfahrer eher Mangelware in dieser Gegend sind
Alles in allem sind diese Leute aber sehr nett und so werden wir zum Beispiel von Irene und Laury, die mit ihrem Campingwagen das Land erkunden, gleich an drei Abenden zum Essen eingeladen. So viel schneller sind die mit ihren Vehikeln nämlich auch nicht, und so trifft man mit der Zeit immer wieder die selben Leute.
Am eindrücklichsten in Erinnerung werden uns aber die Tage auf David und Tracys Rinderfarm bleiben. Tracy lädt uns, als wir eine kleine Snackpause unter einem Busch machen, spontan auf ihre Farm ein. Wir können an drei Tagen bei den wichtigsten Arbeiten zusehen und auch mithelfen. Markus hat sogar einen Arbeitsunfall, weil ihn ein Kalb mit seinem Huf im Eifer des Gefechts am Schienbein erwischt. Da aber kein Blut fliesst und auch sonst nicht wirklich etwas zu erkennen ist, wird sein Krankenstandsantrag abgelehnt, da muss man hart bleiben.
Sogar mit dem Hubschrauber, der eingesetzt wird um die Rinder zusammenzutreiben, dürfen wir mitfliegen! Tracy und David haben rund 30 000 Rinder auf ihrer Farm, da wird einem dann schnell klar warum man einen Hubschrauber braucht um die Tiere einzusammeln. Das sind ganz andere Dimensionen als wir gewohnt sind. Vor allem aus der Luft sieht man erst richtig die Ausmasse der Farm. Da würde sich jeder Bauer aus Österreich verirren, ohne GPS.
Überhaupt kommt uns alles ein bisschen grösser vor in Australien. Die Autos, der Herd, die Mikrowelle, der Grill und die Steaks. Die Steaks sind sogar für Markus fast zu gross, aber eben nur fast. Ein Kilo Fleisch am Stück zu verdrücken ist auch für ihn eine Herausforderung.
Diese Zeit auf der Farm werden jedenfalls wir nie vergessen, weil wir auf diese Weise einen einzigartigen Einblick in den Alltag auf einer Rinderfarm in Australien bekommen. Es ist ein hartes und anstrengendes Leben das die beiden mitten im Outback führen, aber sie wirken absolut glücklich und zufrieden mit dem was sie haben. Und das ist doch das Wichtigste.
So interessant und schön die Zeit auf der Farm auch ist, müssen wir wieder weiter, denn schliesslich wollen wir ja irgendwann in Adelaide ankommen. Nach etwas mehr als  5 Wochen im Outback, kommen wir der Ostküste immer näher. Langsam wird alles wieder grüner und in den Flüssen fliesst tatsächlich Wasser anstatt nur ausgetrockneter Flussbetten vorzufinden. Auch der Verkehr nimmt stetig zu umso näher wir nach Cairns bzw. an die Küste kommen.Eines schönen Tages haben wir es tatsächlich geschafft und wir sehen das erste Mal seit Darwin wieder das Meer von einem schönen Aussichtspunkt aus.
Das Outback liegt tatsächlich hinter uns und so ganz können wir das noch gar glauben diesen schwierigen Abschnitt geschafft zu haben. Wie oft haben wir in unserem Zelt gelegen und von den üppig gefüllten Regalen in den Supermärkten geträumt und uns darauf gefreut endlich nicht mehr so viel Lebensmittel und Wasser mitschleppen zu müssen?
Aber jetzt wo wir uns mitten in diesem Trubel befinden wünschen wir uns wieder zurück in die Ruhe und Unberührtheit des Outback. Schon komisch wie der Mensch bzw. die 2Roadrunners manchmal ticken. Die vielen Menschen, der Überfluss, das hektische Treiben überfordern unsere Sinne doch ganz schön. Aber wenn man schon mal in der Gegend ist, muss man sich das Great Barrier Reef anschauen.
Mal sehen, vielleicht finden wir ja danach auf unserem weiteren Weg in den Süden, noch ein paar einsame Strassen wo wir der Hektik wieder entfliehen können.
Das sollte in Australien ja kein Problem sein.
 



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